Die Baureihen E.321 und E.321/E.322 waren Elektrolokomotiven der staatlichen italienischen Eisenbahn Ferrovie dello Stato Italiane. Sie war als Rangierlokomotive (E.321) entworfen und konnte im Bedarfsfall mit einem Lokomotiv-Tender (E.322) als Zugkraftvermehrer betrieben werden. Sie wurden 1960 bis 1964 mit 40 Lokomotiven und 20 Zugkraftvermehrern gebaut und wurden bis 2010 betrieben. Die E.321.003 ist im Depot in Tirano erhalten geblieben.

Geschichte Ursprungslokomotive

In den 1950er Jahren wollten die FS auch im Rangierbetrieb auf mit 3 kV Gleichspannung elektrifizierten Strecken Rangierlokomotiven nach dem Vorbild der SBB Ee 3/3 einsetzen, um die überalterten Dampflokomotiven der Baureihe FS 835 abzulösen. Im Gegensatz zu anderen umliegenden Bahnverwaltungen besaß die FS im Rangierbetrieb keine elektrische Lokomotivgattung, sondern führte diesen Betriebszweig vorrangig mit Dampflokomotiven durch. Um eine große Austauschbarkeit in mechanischen Baugruppen mit der Diesellokomotive FS 234 zu erreichen und die Kosten zu senken, entschieden sich die FS dafür, den Rahmen von ausgemusterten Dampflokomotiven zu verwenden und den Aufbau der Fahrzeuge in den eigenen Werkstätten Verona durchzuführen. Die elektrische Ausrüstung wurde von Tecnomasio Italiano Brown Boveri geliefert. Die Lokomotive wurde mit einem Endführerstand ausgerüstet. Unter dem niedrigen Vorbau war die elektrische Ausrüstung, bestehend aus einem Gleichstrommotor, einem Gleichstromgenerator, dem Traktionsmotor, an dem eine elastische Kupplung mit einem Getriebe angeschlossen war, untergebracht.Thomas Estler, Loks der italienischen Staatsbahnen FS, Transpress Verlag Stuttgart, 2019, ISBN 978-3-613-71598-1, Seite 30 Vom Getriebe wurde dann das von der Spender-Dampflok verwendete Laufwerk mittels Kuppelstangen auf allen drei Achsen angetrieben.

Die Lieferung begann mit der Lieferung von 20 Einzellokomotiven bis 1963, die die Bezeichnung FS E.321.001 bis 020 erhielten.Giovanni Cornolò, FS Lokomotiven E.321 und E.322, in i Treni, September 1986, Nummer 63, S. 23–28, ISSN 0392-4602 Bereits im Jahr 1961 wurden weitere Lokomotiven mit Fernsteuerung für den Betrieb mit als Zugkraftvermehrer bezeichneten Lokomotiv-Tendern geliefert und als E 321.1 bezeichnet. Auch von diesen Lokomotiven wurden 20 Lokomotiven beschafft. Der Zugkraftverstärker erhielt die Nummerierung E.322.1 und besaß dieselbe Ordnungsnummer wie die mit ihm verwendete Master-Lokomotive.

Nach 1964, als die Fertigung der Rangierlokomotiven FS E.321 und E.321/E322 ihren Abschluss gefunden hatten, bestand noch weiterer Bedarf an derartigen Rangierlokomotiven. Diese wurden als FS E.323 und E.323/E.324 ausgeführt. Die Lokomotiven FS E.321 und E.321/E322 wurden auf vielen Bahnhöfen der FS eingesetzt, vor allem Bari, Mestre, Tarvisio, Genua und Udine.Wolfgang Messerschmidt, Geschichte der italienischen Elektro- und Diesellokomotiven, Orell Füssli Verlag Zürich, 1969 Die Maschinen E.321.0 besaßen keine Fernsteuerung und konnten keinen Zugkraftverstärker steuern. Insgesamt gesehen waren sie wirtschaftlicher als größenmäßig vergleichbare Diesellokomotiven. Sie wurden aus Altersgründen seit Anfang der 1990er Jahre abgestellt, die große Ausmusterungswelle setzte nach 2000 ein. Als letzte Lokomotive wurde die E.321.019 im Jahr 2019 ausgemustert.Arrivi e partenze, in I Treni, n. 330, 2010, ISSN 0392-4602, S. 34

Ausführung mit Lokomotiv-Tender mini|links|Darstellung der Lokomotive mit Lokomotiv-Tender E 322 in Genua Brignole Der als Zugkraftverstärker verwendete Lokomotiv-Tender besaß keinen Führerstand und konnte nur von einer entsprechenden Master-Lokomotive über eine Starkstromkupplung elektrisch angetrieben werden. Funktionsfähig war die Einheit nur in mechanisch und elektrisch gekuppeltem Zustand. Während die E 321 als Battistino (deutsch: Diener) bezeichnet wurden, bezeichnete man die E 322 als Cagnetta (deutsch Hund). Schon im Jahr 1969 wurden vier E 321.1 und sieben E.322.1 in E 321.2 bzw. E 322.2 umgebaut. Eine E 321.2 sollte mit jeweils 2 E 322.2 an jedem Fahrzeugende gekuppelt werden, um damit schwerste Rangieraufgaben im Hafenbetrieb zu übernehmen. Die Ausführung mit Zugkraftverstärker wurde erst nach 2003 ausgemustert, als letztes Paar wurde die Einheit E 321.117/E 322.117 erst 2010.

Technische Beschreibung

Als Grundlage der Lokomotive wurde der Rahmen mit dem vereinfachten Laufwerk einer FS 835 genommen. An einem Ende saß der Führerstand der Lok. Davor war die Maschinenanlage platziert, die mit einer niedrigen Haube abgedeckt war, um die Sichtverhältnisse für den Lokführer optimal zu gestalten. Ein Stromabnehmer war auf dem Dach des Führerstandes befestigt.

Die Maschinenanlage war mit einer elektrischen Kraftübertragung nach dem Ward-Leonard-System aufgebaut und bestand aus den Komponenten Hauptmotor, Hauptgenerator und Fahrmotor. Von diesem wurde das Drehmoment über ein Reduktionsgebetriebe mit Übersetzungsverhältnis 1:12,4 auf die mittlere Achse übertragen. Für alle Aggregate wurden ausschließlich Teile verwendet, die sich bereits in vielen Fahrzeugen der FS bewährt hatten. Sämtliche Bauteile wurden von TIBB geliefert und in der Hauptwerkstatt in Verona zusammengebaut. Die als Zugkraftvermehrer gebauten Tender besaßen keinen Führerstand und auch keinen Stromabnehmer. Sie konnten nur mit einer E.321 zusammen betrieben werden. Ansonsten waren sie mit den gleichen elektrischen und mechanischen Teilen wie bei den Lokomotiven ausgerüstet und waren von den Massen- sowie den Gewichtsangaben mit diesen identisch. Das wurde dadurch erreicht, da sie anstelle der fehlenden Ausrüstung einen Ballast haben.

Die Lokomotiven besaßen die Indirekte Bremse sowie die Handbremse. Alle Räder konnten einseitig von hinten abgebremst werden. Die beiden äußeren Räder konnten jeweils von außen besandet werden. Dafür saß neben dem Aufstieg zum Führerhaus und zum vorderen Rangiertritt jeweils ein Sandkasten. Die E.321 besaß zudem noch eine elektrische Zugheizeinrichtung, mit der Wagen vorgeheizt werden konnten.

Siehe auch Liste der italienischen Lokomotiven und Triebwagen

Literatur

Thomas Estler, Loks der italienischen Staatsbahnen FS, Transpress Verlag Stuttgart, 2019, ISBN 978-3-613-71598-1 Wolfgang Messerschmidt, Geschichte der italienischen Elektro- und Diesellokomotiven, Orell Füssli Verlag Zürich, 1969

Weblinks

Internetseite über eine E 321 auf Bahnbilder Internetseite über die E.321.003 mit technischen Daten (italienisch) Filmsequenz über die erhaltene Lokomotive E 321.003 auf youtube (italienisch)

Einzelnachweise

E.321 Kategorie:Elektrolokomotive für Gleichstrom 3000 V Kategorie:Schienenfahrzeug (TIBB)