Die Baureihen E.323 und E.323/E.324 waren Elektrolokomotiven der italienische Staatseisenbahnen Ferrovie dello Stato Italiane (FS). Sie waren als Rangierlokomotive (E.323) entworfen und konnten mit einem Lokomotiv-Tender (E.324) als Zugkraftvermehrer betrieben werden. Sie wurden 1966 bis 1971 mit 30 Lokomotiven und 10 Zugkraftvermehrern gebaut und wurden bis 2009 eingesetzt. Die E.323.105 und der Zugkraftvermehrer E.324.105 sind als Paar im Eisenbahnmuseum Lecce erhalten geblieben.
Geschichte Ursprungslokomotive
Nachdem die FS E.321 und E.321/E.322 den Anforderungen m Betrieb gut entsprochen hatten, wollte die italienische Staatsbahn FS im Rangierbetrieb auf mit 3 kV Gleichspannung elektrifizierten Strecken weitere Lokomotiven einer verbesserten Konstruktion erhalten. Es wurde von TIBB eine neue Variante als Neubau mit geänderten Achsständen entworfen. Der elektrische Teil wurde analog der E.321 ausgeführt, bei der mechanischen Ausrüstung wurde statt des mechanischen Antriebes mit Blindwelle und Stangenantrieb ein geändertes mechanisches Getriebe mit Gelenkwellenantrieb verwendet. Dadurch ist die neu entstandene Lokomotive vom Vorgänger äußerlich zu unterscheiden.Foto der E.323.009 im Originalzustand auf scalaenne.wordpress.com
Die Lieferung begann mit Einzellokomotiven, die die Bezeichnung FS E 323.0 erhielten. Von diesen Lokomotiven wurden bis 1971 20 Lokomotiven hergestellt, die als Reihe E 323.001 bis 020 bezeichnet wurden.Fabio Cherubini, Materiale motore FS 2000, Salò, Editrice Trasporti su Rotaie, 2000, Nr. 7, 12, 24–25, 52, ISBN 88-85068-26-X. Bereits im Jahr 1966 wurden bis 1967 weitere Lokomotiven mit Fernsteuerung für den Betrieb mit einem als Zugkraftvermehrer genannten Lokomotiv-Tender geliefert, diese Lokomotiven wurden als E 323.1 bezeichnet. Von diesen Lokomotiven wurden fünf Exemplare beschafft. Die Zugkraftverstärker erhielten die Nummern E 324.1 bzw. E 324.2 und besaßen dieselbe Ordnungsnummer wie die jeweils mit ihnen verwendete Master-Lokomotive.
1971 wurde die Fertigung von Elektrolokomotiven für den Rangierdienst beendet. Die Lokomotiven FS E.323 und E.323/E324 wurden besonders auf Rangierbahnhöfen und bei der Zugzusammenstellung von Reisezügen verwendet, darunter bei der Zugzusammenstellung für den Fährbetrieb auf Sizilien in den Bahnhöfen Messina Marittima und Villa San Giovanni.Giuseppe Sergi, Tra Scilla e Cariddi, in Voies ferrées edizione, 4, Nr. 24, 1985, S. 22–25, ISSN 0392-9817 Der Betrieb mit elektrischen Lokomotiven war im Vergleich mit gleichgroßen Diesellokomotiven wirtschaftlicher. Mit ihnen konnten jedoch keine nichtelektrifizierten Gleise befahren werden.
1995 waren noch alle Lokomotiven vorhanden, nach 2000 setzte die Ausmusterungswelle ein, zuerst bei den Lokomotiven ohne Fernsteuerung. 2002 bis 2003 wurden die meisten ausgemustert, die letzte Lokomotive war die E.323.005 im Jahr 2004.Arrivi e partenze, in I Treni, Nr. 330, 2010, ISSN 0392-4602, S. 34
Ausführung mit Lokomotiv-Tender mini|links|Lokomotive E.323 mit Tender im Museum Von den Lokomotiven danach wurden zuerst fünf Maschinen für einen Betrieb mit einem Zugkraftvermehrer beschafft. Dieser erhielt die Nummerierung E 324.1 und besaß dieselbe Ordnungsnummer wie die mit ihm verwendete Master-Lokomotive. 1971 wurde nach den Erfahrungen mit der E.321 weitere fünf Lokomotiven beschafft, die für die Fernsteuerung mit zwei Zugkraftvermehrern ausgelegt waren. Diese Lokomotiven wurden als E.323.2 bezeichnet. Die gleiche Anzahl von Zugkraftvermehrern wurde im selben Jahr dazugefertigt und als E.324.201-205 bezeichnet. Dabei sollten die Zugkraftvermehrer jeweils an einem Ende der Master-Lokomotive gekuppelt sein. In der Praxis wurden öfter die beiden Zugkraftvermehr hintereinander gekuppelt.Foto einer E.321 mit zwei Zugkraftvermehrern
Die Fahrzeuge mit Zugkraftvermehrern wurden als letzte ausgemustert. Einige Exemplare waren bis 2009 eingesetzt wie die E.323.201 mit dem E.324.201 sowie die E.323.203 mit den E.324.203 und E.324.204. Die E.323.105 mit dem Zugkraftvermehrer E.324.105 sind erhalten geblieben.
Technische Beschreibung
Der Rahmen der FS E.321 wurde für diese Baureihe mit anderen Achsständen verwendet. Statt des Stangenantriebes erfolgte eine Kraftübertragung mit Gelenkwellen, zum mechanischen Getriebe auf den Abtrieb wurde zusätzlich ein Stufengetriebe für die Geschwindigkeitsstufen 32 und 64 km/h eingesetzt. Das Getriebe war mit einer gummielastischen Kupplung mit dem Antriebsmotor verbunden, der Abtrieb wirkte über Gelenkwellen und Radsatzgetriebe auf die mit Rollenlager gelagerten Radsätze, die einen Kurvenlauf bis zu einem Halbmesser von 70 Metern ermöglichten. Zum besseren Kurvenlauf war eine Spurkranzschmierung vorhanden.Thomas Estler, Loks der italienischen Staatsbahnen FS, Transpress Verlag Stuttgart, 2019, ISBN 978-3-613-71598-1, Seite 31 Die Radsätze stützten sich über Blattfedern ab, die am Lokrahmen aufgehängt waren.
Die elektrische Ausrüstung der E.321 wurde beibehalten. Die Regelung der Lokomotive erfolgte mittels einer Reihenschaltung von Widerständen im Erregerkreis des Hauptgenerators. Da der Betrieb mit den Lokomotiven als wirtschaftlicher als mit vergleichbaren Diesellokomotiven eingeschätzt wurde, gab es ein Projekt, die Elektrifizierung der Bahnhöfe zu erweitern. Die Kosten dafür würden durch den effizienteren Betrieb wieder ausgeglichen werden.Giuseppe Sergi, Tra Scilla e Cariddi , in: Voies ferrées edizione italiana, 4, Nr. 24, 1985, S. 22–25, ISSN 0392-9817 Die FS entschlossen sich aber, weitere Elektrifizierungen nicht durchzuführen.
Siehe auch Liste der italienischen Lokomotiven und Triebwagen
Literatur
Thomas Estler, Loks der italienischen Staatsbahnen FS, Transpress Verlag Stuttgart, 2019, ISBN 978-3-613-71598-1 Wolfgang Messerschmidt, Geschichte der italienischen Elektro- und Diesellokomotiven, Orell Füssli Verlag Zürich, 1969
Weblinks
Internetseite mit Fotosammlung der E 323 auf photorail.com Internetseite über die E.321 bis E.324 mit technischen Daten und Fotos (italienisch) Foto der abgestellten E.323.010 in Rimini auf trainspo.com (2009)
Einzelnachweise
E.323 Kategorie:Elektrolokomotive für Gleichstrom 3000 V Kategorie:Schienenfahrzeug (TIBB)