Ian King (* 9. Juli 1949 in Troon, South Ayrshire, Schottland; † 19. September 2023 in London), eigentlich William John King, war ein britischer Germanist. Er schrieb seine 1977 abgeschlossene Doktorarbeit über Kurt Tucholsky und dessen politische Entwicklung. Er war 1988 Gründungsmitglied der Kurt Tucholsky-Gesellschaft und später deren langjähriger Vorsitzender und Ehrenvorsitzender.

Leben und Werk Kings Vater William John Riddell King war Eisenbahner, seine Mutter Grundschullehrerin. Sie starb früh, bereits bevor Ian King seine Schule abschloss. King ging auf das Marr College in Troon, damals eine Schule auf Grundlage einer privaten Stiftung, die pädagogische Elemente der späteren britischen Gesamtschulen vorwegnahm. Er studierte Deutsch und Französisch an der Glasgow University. Während der Studienzeit verbrachte er 1969 bis 1971 je ein Semester in Münster und Besançon. Er erwarb 1972 den Master of Arts (M.A.), als einer von nur zwei Absolventen (von 45) mit First Class Honours. Er wurde 1977 an der Glasgow University promoviert (zum Ph.D.) für seine Arbeit über die politische Entwicklung von Kurt Tucholsky. Dazu hatte er unter anderem recherchiert am Deutschen Literaturarchiv Marbach am Neckar, wo Tucholskys literarischer Nachlass verwaltet wird, aber auch bei Mary Gerold-Tucholsky in Rottach-Egern, der Witwe, Archivarin und Inhaberin der Rechte an Tucholskys Texten. Die Dissertation wurde 1983 veröffentlicht: Kurt Tucholsky als politischer Publizist. Eine politische Biographie.

Parallel zur Dissertation und darüber hinaus bis 1990 arbeitete King am Sheffield Polytechnic, einer Fachhochschule in Sheffield (heute: Sheffield Hallam University). Er gab Kurse in Modern Languages with Political Studies, einer Fächerkombination aus Sprachlehre und politischen Studien. Danach lebte er in London, wo er anfangs an der South Bank University lehrte. Später arbeitete er bis 2020 als Übersetzer. Er betätigte sich von 1992 bis zu seinem Tod als Korrespondent für England und Großbritannien für die Berliner Zeitung Neues Deutschland. Seine satirischen, auch sarkastischen Formulierungen werden von verschiedenen Seiten hervorgehoben. King war in den Jahren 2009 bis 2022 Herausgeber der jährlichen Tagungsbände der Kurt Tucholsky-Gesellschaft und meist mit mindestens einem Beitrag vertreten.

Ehrenämter King war 1988 Gründungsmitglied der Kurt Tucholsky-Gesellschaft, später Mitglied ihres Vorstands und von 2009 bis 2021 deren Vorsitzender. In dieser Funktion war er wesentlich an der Auswahl der Themenstellungen beteiligt und leitete die Tagungen der Gesellschaft, die in Berlin und anderen mit Tucholsky verbundenen Orten, u. a. in Rheinsberg, Paris und Mariefred, stattfanden. Bei vielen Tagungen steuerte er auch inhaltliche Beiträge bei. Die Tagungen wurden in Tagungsbänden dokumentiert. King wurde 2023 zum Ehrenvorsitzenden der Gesellschaft gewählt.

King war dem Internationalen Haus Sonnenberg in Braunlage im Harz verbunden und zeitweise Vorsitzender der International Sonnenberg Association, außerdem Vorsitzender von deren Abteilung für Großbritannien.

Persönliches King wurde wie folgt charakterisiert: „Dr. Ian King, der streitbare Schotte, der so wunderbaren Humor mit viel Wissen und Wärme sowie Herzlichkeit verbunden hat.“Nachruf auf Dr. Ian King im ND, auf sonnenberg-association.eu Er war lebenslang Fan der Glasgow Rangers.

Publikationen (Auswahl) als als William J. King (Dissertation): The Political Development of Kurt Tucholsky (1890–1935). Thesis presented for the degree of Ph.D., to the German Department, Glasgow University, March 1977.Dissertation, Englisch Kurt Tucholsky als politischer Publizist: eine politische Biographie Europäische Hochschulschriften I/579 Frankfurt am Main, Bern 1983 Herausgeber mit Stefan Ahrens und Antje Bonitz des dritten Bandes der Tucholsky-Gesamtausgabe, das Texte von 1919 beinhaltet, ISBN 978-3-498-06532-4Kurt Tucholsky: Gesamtausgabe Texte und Briefe Band 3. Texte 1919 bei rowohlt.de

Weblinks

Trauer um Ehrenvorsitzenden Ian King auf tucholsky-gesellschaft.de Zum Gedenken an Dr. Ian King Trauerseite für Ian King auf muchloved.com Kenneth Gibson, Stuart Parkes: Scotsman Obituaries: Ian King, German scholar and social activist, in The Scotsman, 25. Januar 2024

Einzelnachweise

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