mini|Laerte Coutinho (2015) Laerte Coutinho, vor allem bekannt als Laerte (geboren am 10. Juni 1951 in São Paulo), ist eine brasilianische Karikaturistin, Cartoonistin, Journalistin und Drehbuchautorin. Laerte wurde vor allem für ihre Comicstrips (u. a. Piratas do Tietê) bekannt, die in zahlreichen bekannten Zeitungen und Zeitschrift des Landes veröffentlicht wurden, und gehört heute zu den bekanntesten Cartoonistinnen Brasiliens.

2009 outete sich Coutinho als trans Frau und engagiert sich seitdem öffentlich für die Rechte von Transpersonen in Brasilien. Die brasilianische Ausgabe der El País bezeichnete Coutinho als eine Leitfigur der brasilianischen Trans-Community.

Leben Kindheit und Jugend Laerte Coutinho wurde 1951 als Kind des Universitätsprofessors José Moacir Coutinho und der Biologin Maria de Lourdes in São Paulo geboren. Sie wuchs gemeinsam mit drei Geschwistern in einem bildungsnahen Umfeld auf, in dem Kunst- und Zeichenbücher sowie amerikanische Comics verfügbar waren. Aufgrund eines Forschungsaufenthaltes des Vater lebte die Familie für ein Jahr in den Vereinigten Staaten. Dort kam sie früh mit Comics in Kontakt; ihre Mutter übersetzte ihr oft die amerikanische Hefte. Ein wichtiger früher Einfluss war, nach eigener Aussage, der amerikanische Illustrator Norman Rockwell, dessen Zeichenstil Laerte besonders bewunderte.

Ausbildung und erste Comics Nach ihrer schulischen Ausbildung absolvierte sie zunächst einen Kurs in Künstlerischem Zeichnen an der Fundação Armando Alvares Penteado. Im Jahr 1969 begann sie ein Journalismus-Studium an der Universität von São Paulo und startete im folgenden Jahr zusätzlich ein Studium in Musikwissenschaften, beide Studiengänge schloss sie jedoch nicht ab.

Während ihres Studiums begann sie bereits, für verschiedene Zeitschriften Comics zu zeichnen, darunter für die Magazine Banas und Placar. Im Jahr 1972 gründete sie gemeinsam mit dem Cartoonisten Luiz Gê das experimentelle Magazin Balão. Die Zeitschrift entstand im universitären Umfeld und wurde nur in kleiner Auflage verbreitet, gilt jedoch als wichtige Referenz für die Entwicklung brasilianischer Comics. 1974 veröffentlichte Coutinho ihren ersten Cartoon-Strip in der Zeitung Gazeta Mercantil, einer der wichtigsten Wirtschaftszeitungen der damaligen Zeit. Comics und Cartoon-Strips galten zur Zeit brasilianischen Militärregimes als ungewöhnlich, „underground“ und sogar subversiv. Coutinho zeichnete für zehn Jahre Comic-Strips für die Gazeta Mercantil.

Politische Comics 1973 gewann Laerte den 1. Humorwettbewerb von Piracicaba mit einem Cartoon, der den Beginn ihres politischen Engagements markierte. Im gleichen Jahr trat sie auch der Partido Comunista Brasileiro (PCB) bei. Ihre Cartoons aus den 1970er und 1980er Jahren spiegelten ihr starkes politisches und aktivistisches Engagement wider. Im gleichen Jahr gestaltete sie Wahlkampfmaterial für die Oppositionsbewegung und entwarf Solidaritätskarten zur Unterstützung politischer Gefangener. 1975 tauchte sie zeitweise unter, nachdem mehrere Mitglieder der Partei von der Militärdiktatur verhaftet worden waren. 1978 zeichnete sie Comics mit der Figur des „João Ferrador“ für die Metallarbeitergewerkschaft in São Bernardo do Campo.

Später gründete sie die Agentur Oboré, die Kommunikationsmaterialien für Gewerkschaften produzierte. Oboré veröffentlichte unter anderem ihr Buch „Ilustração Sindical“ (1986) mit tausend Illustrationen, Comics und Cartoons, die von Gewerkschaften und anderen Organisationen genutzt werden konnten. Darüber hinaus war Coutinho Reporterin bei den Fußball-Weltmeisterschaften der Herren in den Jahren 1978 (für O Estado de S. Paulo), 1982 (für Folha de S. Paulo) und 1986 (erneut für O Estado de S. Paulo).

Weitere Comic-Serien und Projekte Laertes Ende der 1980er Jahre veröffentlichte Coutinho in den Magazinen Chiclete com Banana, herausgegeben von Angeli, und Geraldão, herausgegeben von Glauco, und gründete zusammen mit Luiz Gê das Magazin Circo. Sie arbeitete auch für wichtige Zeitschriften wie O Pasquim, Revista Ovelha Negra, Placar und Correio Braziliense. Im Jahr 1991 begann Coutinho damit, Cartoons der Serien Piratas do Tietê und Los Três Amigos in der Folha de São Paulo zu veröffentlichen.

In den 1990er Jahren war Coutinho als Drehbuchautorin für den Fernsehsender TV Globo tätig, unter anderem für die Sendungen TV Pirata und Sai de Baixo. Sie beteiligte sich auch am Drehbuch für den Spielfilm Super-Colosso des Senders. Zudem moderierte sie eine Talkshow auf Canal Brasil mit dem Titel Transando com Laerte.

Transition mini|2013 erhielt Laerte Coutinho den Ordem do Mérito Cultural in der Ordensklasse Komtur (Comendador) mini|Coutinho auf der Marcha do Orgulho Trans (Trans Pride) in São Paulo (2019) mini|„Ser um homem é uma prisão“ (Ein Mann sein ist wie im Gefängnis sein) – biographischen Interview mit Laerte Coutinho des Museu da Pessoa in São Paulo Anfang der 2000er Jahre geriet Coutinho in eine persönliche und berufliche Krise, die auch ihre stark künstlerische Arbeit beeinflusste – u. a. bedingt durch den Tod ihres Sohnes Diego, der 2002 bei einem Autounfall starb.

Ab 2004 veränderte sie bewusst ihre Arbeitsweise: Sie stellte mehrere ihrer bekannten Serien ein (darunter Overman, Os Gatos und Piratas do Tietê) und ihre Comics nahmen einen experimentelleren und stärker philosophischen Charakter an. Gleichzeitig entfernte sie sich von stärker linear erzählten Geschichten und einem direkteren Humor. Einige Zeitungen stellten infolge dieser stilistischen Veränderungen die Veröffentlichung von Coutinhos Strips ein.

Nach eigener Aussage begann Coutinho ab 2004, sich intensiv mit ihrer eigenen Geschlechtsidentität auseinanderzusetzen. Sie begann zunächst weibliche Kleidung und Schmuck zu tragen, was sie selbst als „Crossdressing“ beschreibt. 2009/2010 outete sie sich als trans Frau. Seitdem setzt sich Coutinho politisch für die Rechte von trans Personen ein und thematisiert diese Fragen in ihren Arbeiten. Im Jahr 2012 gründete sie zusammen mit der Anwältin Márcia Rocha, der Schauspielerin Maitê Schneider und der Psychoanalytikerin Letícia Lanz die „Associação Brasileira de Transgêner@s“ („Brasilianische Vereinigung der trans Personen“, kurz Abrat). Die brasilianische Ausgabe der El País bezeichnete Coutinho als eine Leitfigur im Kampf für Rechte von Transpersonen in Brasilien.

2017 erschien die Dokumentation Laerte-se, unter der Regie von Lygia Barbosa und Eliane Brum, über Laerte Coutinhos Leben auf Netflix.

Privat Laerte war mehrfach verheiratet und hat drei Söhne. Ihr Sohn Rafael Coutinho ist ebenfalls Cartoonist. Ihr Sohn Diogo Coutinho verstarb 2005 im Alter von 22 Jahren bei einem Autounfall.

Auszeichnungen Ordem do Mérito Cultural (Ritter) (2009) Ordem do Mérito Cultural (Komtur) (2013) Prêmio Juca Pato (2021)

Weblinks

Offizielle Internetseite Laertes (seit 2024 eingestellt, via Internet Archive)

Einzelnachweise

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