Das Halsnøy kloster (früher Halsnø Kloster) ist die Ruine eines Klosters auf der Insel Halsnøy in der norwegischen Gemeinde Kvinnherad (Fylke Vestland). Das erstmals 1287 in zeitgenössischen Quellen erwähnte Kloster der Augustiner-Chorherren vom Heiligen Geist gehörte im Mittelalter als großer Grundbesitzer zu den reichsten Klöstern Norwegens. Während der Reformation wurde das Kloster säkularisiert und die Ländereien in eine Krondomäne umgewandelt, die an Lehnsmänner vergeben wurde. Ab 1758 war es im Privatbesitz; seit 1956 ist es ein Standort des Sunnhordland Museums und wird auch als Kulturzentrum genutzt.
Kloster und Kirche sind zerstört; die verbliebenen Nord- und Westflügel stehen unter Denkmalschutz, ebenso wie eine mehr als 500-jährige Esche im Klostergarten. Die Besonderheit von Halsnøy kloster liegt darin, dass die gesamte Außenanlage (etwa 8000 m²) ohne spätere Überbauung erhalten blieb und daher das Schema, nach dem norwegische Klöster gestaltet wurden, anschaulich demonstriert.
Das Kloster soll 1163/1164 von Erling Skakke im Zusammenhang mit der Krönung seines Sohnes Magnus Erlingsson zum norwegischen König gegründet worden sein. Dies wird erst in der um 1560 entstandenen Chronik der Stadt Bergen namens Bergens Fundas berichtet, gilt jedoch trotzdem als glaubhaft.
Norwegens bedeutendster Barockmaler Elias Fiigenschoug malte 1656 eine Darstellung der damaligen Krondomäne und schuf damit die erste in Norwegen entstandene Landschaftsmalerei. Der bekannteste Lehnsmann im 17. Jahrhundert war Christoffer Urne, Statthalter von Norwegen und später dänischer Reichskanzler.
Topografie
Im Süden des Fylke Vestland, in der Landschaft Sunnhordland und am Ostrand des Hardangerfjords, liegt die etwa 12 km lange Insel Halsnøy. An einer Stelle im Nordwesten der Insel verengt sich das Land zu einem nur 400 Meter breiten Isthmus. Hier befindet sich, 100 Meter nördlich der Küste, in mäßiger Hanglange auf 13 Meter Seehöhe, das ehemalige Kloster Halsnøy. Die Ruinen sind von großen Laubbäumen umgeben; von hier aus hat man einen guten Blick auf die gegenüberliegende Insel Stord.
100 Meter weiter nördlich verläuft der Rücken des Hügels, auf dem der Fylkesvei 500, die Hauptverkehrsstraße der Insel, den Fährhafen Ranavik im Norden mit Eidsvik und Sæbøvik im Süden verbindet. Vom Rücken fällt das Gelände auf beiden Seiten zum Meer hin ab, das im Südwesten Klosterfjord und im Nordosten Klostervågen genannt wird. Das Kloster war auch Namensgeber für das an der Nordwestspitze der Insel gelegene Kap Klosterneset.
Die Landenge hat fruchtbaren Boden und ist von Sanddünen umgeben. Sie ist mäßig bewachsen und teilweise offenes Gelände. Links und rechts von der Landenge führen steile Hänge zu bewaldeten Bergen mit 70 Meter Seehöhe hinauf.
Baugeschichte mini|links|Halsnøy kloster (Foto 2005) Nach einer Quelle aus dem 16. Jahrhundert soll das Kloster 1163/1164 gegründet worden sein. Jedenfalls wird es 1287 erstmals in zeitgenössischen Dokumenten erwähnt. Das Kloster wurde in der Südostecke des Grundstücks erbaut und die Kirche im Norden. Der Bauplan hat große Ähnlichkeit mit jenem des Klosters in Lyse, dessen Bau 1146 begonnen wurde.
Die Kirche war eine rechteckige Hallenkirche mit einem abgetrennten Vorraum im Westen. Teile des Kirchenfundaments wurden 1961–1963 ausgegraben, wobei etwas nördlich der Mittelachse der Kirche ein altes gemauertes Fundament und eine große Anzahl von Gräbern gefunden wurden. Dieser Fund weist eindeutig auf eine aus Stein erbaute frühe Bauphase aus dem 12. Jahrhundert hin. Diese ältere Kirche aus der Gründungszeit des Klosters hatte eine Außenlänge von 28,5 m × 9 m, wobei das Langhaus und der Chor gleich breit waren. Die ausgegrabenen Überreste eines Faltenkapitells gehören wahrscheinlich zu dieser älteren Kirche.
Ein Brand könnte der Grund dafür gewesen sein, dass die Klosteranlage zwischen 1250 und 1350 erweitert wurde. Es wurde ein neuer stattlicher Westflügel errichtet. Die Kirche behielt ihre rechteckige Form, wurde aber nach Norden und Osten auf die Außenmaße von 43,5 m × 14,5 m erweitert. Die neue Anlage hatte zwei Klosterhöfe, einen im Osten für die Mönche und einen im Westen für Bedienstete und Besucher. Als Baumaterial wurden Speckstein und Mauerziegel verwendet.
Nach der Säkularisation im 16. Jahrhundert wurde das Kloster als Herrenhaus genutzt, das 1656 in einem Ölgemälde abgebildet wurde. Diese Darstellung zeigt die Anlage in Untersicht von der tiefer gelegenen Küste aus mit Haupthaus und Nebengebäuden, Bootshaus und Anlegestelle, von altem Waldbestand umgeben. Die Kirche jedoch ist bereits eine Ruine, das Dach ist eingestürzt, die erhaltenen Mauern mit hohen gotischen Fenstern sind deutlich dargestellt.
mini|300px|Halsnøy kloster, Skizze des Bestands 1843, nach Christian Lange 1840 wurden die Überreste der Kirche sehr gründlich abgetragen, um Platz für die Errichtung eines neuen Wohnhauses zu schaffen. Der Umriss der Kirche ist durch eine Vertiefung im Boden noch heute erkennbar. Der Eigentümer, Leutnant Juel, beauftragte 1843 P. H. Hertzberg mit einer Vermessung der Anlage. Der dabei entstandene Grundriss wurde in einer Umzeichnung 1847 in Christian C. A. Langes De norske Klostres Historie i Middelalderen veröffentlicht:
Erklärung der Zeichnung:
Kirkegaard: Friedhof Kirken: Kirche 1. Chor 2. Langhaus 3. Vorhalle mit Haupteingang 11. Beinhaus Kloster: 4. Flur und zwei Räume mit Gewölbespuren 5. Schlafsaal 6. Gemeinschaftsraum und abgetrennte Zelle 7. Arbeitsraum Steinsaal, wahrscheinlich Krankenstation: 8. Allein stehendes Haus mit nur einem Raum, je ein Eingang von beiden Höfen Gästezimmer: 9. Drei Räume, jeder mit separatem Eingang Indre Gaardsrum: Innerer Klosterhof, mit Eschen bepflanzt. 10. Brunnen Ydre Gaardsrum: Äußerer Klosterhof. 10. Brunnen 12. Noch vorhandene Nebengebäude im Nord- und Westflügel Die gepunktete Linie ist die vermutete Begrenzung des Hofes. Südlich der Anlage entlang des Strandes befand sich ein großer Gemüsegarten.
Als Christian Lange den Ort 1843 selbst besuchte, waren Kirche und Kloster bereits verschwunden. Im 20. Jahrhundert wurden die aus dem Gemälde und der Zeichnung gewonnenen Kenntnisse durch Ergebnissse von archäologischen Untersuchungen der Anlage erweitert, die 1938–1939 von Gerhard Fischer und 1961–1963 von Hans-Emil Lidén durchgeführt wurden. In den 1930er Jahren wurden die nicht unter Dach befindlichen Mauerreste restauriert.
Kulturdenkmal mini|Denkmalobjekt (Kulturminne-Id) 64166: 1 Südflügel, 2 Klosterkirche, 3 Westflügel, 4 Nordflügel, 5 Runder Brunnen, 6 Klostergarten, 7 Vogteigefängnis, 8 Hauptgebäude, 9 Klosteranlage. Unterbrochene Linien: Grenzen der Sicherungszonen Das vom Denkmalschutzamt unter der Kulturminne-Id 64166 registrierte Schutzobjekt besteht aus neun Teilobjekten:
+ Klosteranlage Halsnøy kloster (Kulturminne-Id 64166) Id Bezeichnung Bauzeit Schutz seit Zustand 64166-1 Südflügel 1161–1536 rowspan="5" 16. Januar 1995 Ruine 64166-2 Klosterkirche abgetragen 64166-3 Westflügel 1250–1350 sehr gut erhalten (überdacht) 64166-4 Nordflügel gut erhalten (überdacht) 64166-5 Runder Brunnen restauriert 64166-6 Klostergarten rowspan="3" denkmalgeschützte Esche 64166-7 Vogteigefängnis um 1590? Schutzstatus in Prüfung 64166-8 Hauptgebäude 1840 Wohnhaus, seit 1956 Museum 64166-9 Klosteranlage 19. Juni 2013 Ensembleschutz
Von der Kirche sind nur mehr kleine Überreste der südöstlichen Ecke erhalten. Die Räume im Westflügel wurden als Küche, Backstube und Räucherkammer genutzt. In der südwestlichen Ecke waren möglicherweise Badezimmer (oder Leichenhäuser?) eingerichtet. Der stehende, südliche Teil des Westflügels gehört zu den originalgetreuesten Gebäudeteilen aus dem Mittelalter in Norwegen und ist daher von hohem historischen Wert. Die heutige Überdachung könnte der originalen Gestaltung entsprechen, falls das Gebäude nicht doch zwei Stockwerke hatte. Die vier kleinen Räume im Nordflügel wurden bis in die jüngere Zeit genutzt.
mini|Das 1840 errichtete Herrenhaus von Halsnøy kloster Das 1840 errichtete Wohnhaus wurde über den Ruinen des Klosters und teilweise mit dessen alten Steinen errichtet. In der nordwestlichen Ecke des Gebäudes ist im Keller ein alter Brunnen erhalten geblieben, angeblich der am besten erhaltene aus dem norwegischen Mittelalter. Der Kellerraum wurde restauriert und der Brunnen ist durch eine Glasabdeckung am Boden einsehbar.
Der Klostergarten lag am nach Süden sanft abfallenden Hang. Im Süden und Westen wird das circa 800 m² große Areal von einer Steinmauer eingezäunt. Auf der Westseite und im Norden von Klostergebäuden begrenzt, liegt ein kleineres quadratisches Feld, das wahrscheinlich auch als Garten genutzt wurde. Der große Obstgarten im Osten ist jüngeren Datums. Vom Hauptgebäude aus wurde 1814 eine Buchenallee gepflanzt, von der noch Überreste erkennbar sind. Im südwestlichen Teil der Anlage steht eine unter Denkmalschutz gestellte alte Esche.
Als die Anlage nach Aufhebung des Klosters Amtshaus eines Vogts war, wurde ein Gefängnis errichtet, von dem Ruinen erhalten sind. Sie sind zurzeit nicht geschützt; der „Schutzstatus sollte geprüft werden“. Zum Museumsgelände Halsnøy kloster gehören auch die nicht vom Denkmalamt gelisteten Gartenanlagen sowie am Klosterfjord ein Bootshaus und ein Steg, an dem kleinere Boote anlegen können. Der Ort ist mit dem Boot von Bergen aus zu erreichen.
„Im norwegischen Kontext ist das Kloster Halsnøy insofern einzigartig, als es sich um eine erhaltene Außenanlage handelt und nicht um den zentralen Klosterkomplex mit Kirche. Außer dem Kloster Halsnøy gibt es in Norwegen nur zwei weitere Klosteranlagen, auf die dies zutrifft: Selja am Nordfjord und Hovedøya in Oslo.“
Naturdenkmal
Die im südwestlichen Teil der Klosteranlage stehende alte Gemeine Esche (Fraxinus excelsior) wurde am 16. Januar 1926 unter Schutz gestellt. Grundlage war das Gesetz über den Naturschutz vom 25. Juli 1910, das den Schutz von einzelnen Bäumen oder Baumgruppen ermöglichte, die naturwissenschaftlich oder kulturhistorisch bedeutsam waren. Seit 1954 werden keine einzelnen Objekte mehr geschützt, ein bereits bestehender Schutz gilt jedoch weiterhin.
Eine 1999 vorgenommene Untersuchung ergab ein Alter des Baumes von mindestens 534 Jahren. Das bedeutet, dass er um 1465 im Hof des damals noch bestehenden Klosters gekeimt hat. Der Baum verfügt über Hohlräume, Totholzbereiche und eine aufgerissene Rinde, also über gute Lebensräume für eine Vielzahl von Arten (Pilze, Flechten, Moose, Insekten). Er wurde mehrfach beschnitten, zuletzt 1998, als außerdem die Krone mit Gurten abgestützt wurde. Der Hauptstamm ist auf einer Seite vollständig offen und teilt sich in einigen Metern Höhe in circa zehn große Äste. „Der Baum weist deutliche Zeichen seines hohen Alters auf, ist aber noch immer lebendig.“ Er ist angeblich Norwegens älteste Esche.
Gemälde von Elias Fiigenschoug mini|Westflügel mit Badestube und Feuerstelle Zwischen 1630 und 1660 hielt sich der Maler Elias Fiigenschoug (* um 1600; † um 1660) in Bergen auf und schuf dort eine Reihe von figurenreichen Altarbildern, Einzel- und Gruppenporträts. In diesen dreißig Jahren erwarb er seinen Ruf als „Norwegens bedeutendster Maler des Barock“. Sein Geburtsort ist unbekannt (möglicherweise Kopenhagen), aber er wurde mit Sicherheit in den Niederlanden zum Maler ausgebildet. Seine Kirchenbilder sind Peter Paul Rubens nachempfunden und auch „seine guten und charakteristischen Porträts“ zeigen niederländischen Einfluss. „Er ist ein begabter Maler mit einer pompösen Ausdrucksweise und einem effektvollen Kompositionstalent.“