Craugastor bransfordii, auf Englisch als Bransford's Robber Frog oder Bransford's Litter Frog bezeichnet, ist eine Art innerhalb der Familie der Craugastoridae und gehört zur Gattung Craugastor. Ein etablierter deutscher Name ist für diese Art nicht dokumentiert.
Beschreibung Craugastor bransfordii ist eine kleine Art: Männchen erreichen eine Kopf-Rumpf-Länge von bis zu 23 mm, Weibchen bis zu 26 mm. Die Schnauze ist kurz und stumpf gerundet. An den Hand- und Fußsohlen befinden sich charakteristische, spitz vorstehende Tuberkel. Zwischen dem unteren Rand des Trommelfells und dem Ansatz der Vorderbeine verläuft häufig eine kurze, diagonale Reihe rosa- oder lachsfarbener Tuberkel. Die Oberlippe ist mit abwechselnd dunklen und hellen Balken oder Flecken gezeichnet.
Bei den Männchen ist das Trommelfell etwa augengroß, bei den Weibchen deutlich kleiner. Adulte Männchen besitzen zudem einen weißen Brunftschwielenfleck an der Basis jedes Daumens. Die Gliedmaßen sind vergleichsweise kurz und kräftig. Die Finger I und II sind gleich lang, Schwimmhäute zwischen den Zehen fehlen, und die Finger- und Zehenspitzen sind nicht zu Haftscheiben erweitert.
Die Körperunterseite und die Unterseiten der Gliedmaßen sind mattgelb gefärbt, die Kehle meist schmutzig-weiß mit feiner dunkler Sprenkelung. Bei vielen Individuen sind Oberschenkel und Flanken orange oder rot überlaufen, und auch in der Leistengegend tritt häufig eine rötliche Färbung auf. Die Hautstruktur ist extrem variabel und kann glatt, unregelmäßig granuliert oder warzig sein; mitunter treten zusätzlich Rückenleisten in unterschiedlichen Mustern auf. Auch die Färbung variiert stark: Meist zeigt sich ein kryptisches Muster aus Beige-, Grau-, Creme- oder Brauntönen mit Flecken, Chevrons oder Streifen; gelegentlich sind ein Paar cremefarbene dorsolaterale Streifen oder ein schmaler cremefarbener Mittelrückenstreifen ausgebildet.
Aufgrund dieser großen Variabilität in Färbung, Musterung und Hautstruktur ist die Art im Feld nur schwer von anderen Vertretern der rhodopis-Gruppe zu unterscheiden; eine verlässliche Bestimmung ist häufig nur anhand biochemischer Merkmale möglich, da sich die äußeren Merkmale zwischen den Arten überschneiden. Sekundäre Geschlechtsmerkmale der Männchen, wie das Vorhandensein oder Fehlen von Brunftschwielen, können bei der Bestimmung hilfreich sein, bei Weibchen und Jungtieren ist eine sichere Feldbestimmung jedoch praktisch nicht möglich.
Ähnliche Arten Mehrere Arten der Gattung Craugastor können mit C. bransfordii verwechselt werden: C. persimilis ist kleiner, besitzt gerundete statt spitze Tuberkel an den Hand- und Fußsohlen, hat einen längeren zweiten als ersten Finger und adulten Männchen fehlen Brunftschwielen. C. polyptychus ist größer und kommt eher in niedrigeren Höhenlagen vor; adulten Männchen fehlen ebenfalls Brunftschwielen. C. underwoodi ist größer, besitzt gerundete, weniger vorstehende Sohlentuberkel und kommt eher in höheren Lagen vor. C. podiciferus besitzt Fersentuberkel und häufig eine dunkle Augenmaske; die Art kommt in höheren Lagen vor.
Verbreitung Craugastor bransfordii kommt am Atlantikhang vom östlichen Nicaragua bis in das zentrale Costa Rica vor; zusätzlich werden Honduras und Panama als Teile des Verbreitungsgebiets genannt. In Costa Rica ist die Art durchgehend zwischen 60 und 880 m über dem Meeresspiegel nachgewiesen. Aus Nicaragua sind zwar auch Vorkommen in größeren Höhenlagen bekannt, nach IUCN-Angaben wurden dort Exemplare bis in Höhenlagen von 1.535 m gefunden.
Die Art bewohnt feuchte Tieflandwälder, Vorgebirgs-Feucht- und Nasswälder sowie angrenzende Vorgebirgs-Regenwälder. Sie lebt terrestrisch in der Laubstreuschicht des Waldbodens. In mäßig gestörten Habitaten kann sie ebenfalls vorkommen.
Lebensweise Craugastor bransfordii ist eine terrestrische Art, die in der Laubstreuschicht des Waldbodens lebt und in vielen Tieflandgebieten die häufigste dort vorkommende Froschart ist. Sie gilt als erfolgreicher Besiedler gestörter Habitate; selbst in weitgehend unberührten Wäldern bevorzugt sie Waldränder, Wege und offene Bereiche gegenüber dem Waldinneren. Die höchste Populationsdichte wird gegen Ende der Trockenzeit erreicht, wenn eine dicke Laubstreuschicht sowohl zahlreiche Versteckmöglichkeiten als auch ein reichhaltiges Angebot an kleinen wirbellosen Beutetieren bietet.
Die Tiere sind tagaktiv und bewegen sich hüpfend über die Laubstreu des Waldbodens; aufgrund ihrer geringen Größe und tarnenden Färbung werden sie leicht übersehen. Bei Störung verharren sie zunächst regungslos und verlassen sich auf ihre Tarnung; bei zu naher Annäherung folgen mehrere kurze Sprünge, bevor die Frösche unter der Laubstreu abtauchen. Als Nahrungsgeneralist erbeutet die Art ein breites Spektrum an Wirbellosen, darunter Ameisen, Spinnen, Milben, Käfer und Insektenlarven.
Die Fortpflanzung findet überwiegend nachts statt, der Ruf – ein weiches „pew“ – ist gelegentlich aber auch tagsüber bei Regen oder Bewölkung zu hören. Die Männchen rufen unter der Laubstreu, an grasigen Wegrändern oder in anderen Bereichen mit dichter Vegetation. Die Eier werden am Waldboden an einer feuchten, schattigen Stelle nahe dem Rufplatz abgelegt. Die Art weist eine direkte Entwicklung auf: Die Larven durchlaufen ihre Metamorphose vollständig innerhalb des Eis und schlüpfen als Miniaturausgaben der adulten Tiere, ohne ein freies Kaulquappenstadium zu durchlaufen.
Die Population unterliegt bekanntermaßen starken jährlichen Schwankungen, die auf saisonale Veränderungen in der Tiefe der Laubstreuschicht zurückgeführt werden.
Gefährdung Craugastor bransfordii wird von der IUCN auf der Roten Liste der gefährdeten Arten als „nicht gefährdete Art“ (Least Concern, LC) geführt. Die Bewertung erfolgte am 20. Juni 2014 und wurde 2015 veröffentlicht. Begründet wird diese Einstufung mit dem weiten Verbreitungsgebiet, der Toleranz gegenüber einem gewissen Grad an Habitatveränderung und der vermuteten großen Gesamtpopulation. Der Populationstrend gilt dennoch als abnehmend.
Die Art ist in Costa Rica an mehreren Standorten nachgewiesen und häufig: Sie kommt im Parque Nacional Braulio Carrillo, in La Selva, in Monteverde sowie in Guayacan vor. Schwere Populationsrückgänge wurden hingegen aus El Copé in Panama gemeldet. Die Population unterliegt bekanntermaßen starken jährlichen Schwankungen.
Als Hauptbedrohungen gelten der Verlust natürlicher Wälder durch Urbanisierung, Landwirtschaft und Holzeinschlag sowie klimabedingte Veränderungen der Laubstreu. Zusätzlich ist der Chytridpilz Batrachochytrium dendrobatidis (Bd), der Erreger der Chytridiomykose, in Tieflandpopulationen nachgewiesen worden.
Teile des Verbreitungsgebiets sind in Nationalparks und Schutzgebieten in Costa Rica geschützt.
Systematik und Taxonomie Die Art wurde im Jahr 1886 von dem amerikanischen Zoologen Edward Drinker Cope als Lithodytes bransfordii erstmals beschrieben. Sie wurde früher innerhalb der Gattung Eleutherodactylus geführt und 2005 in die Gattung Craugastor gestellt. Die Panamanian Population, die bislang zu C. bransfordii gerechnet wurde, gilt inzwischen als eigene Art, hat jedoch noch keinen formalen Namen erhalten. Zudem wurden Exemplare aus dem nördlichen Nicaragua, die früher als C. bransfordii geführt wurden, als eigenständige Art C. lauraster identifiziert.
Folgende Synonyme sind bekannt: Lithodytes bransfordii Cope, 1886 (Basionym) Hylodes bransfordii (Cope, 1886) Eleutherodactylus bransfordii (Cope, 1886) Eleutherodactylus costaricensis (Taylor, 1952) Eleutherodactylus rearki (Taylor, 1952) Microbatrachylus bransfordii (Cope, 1886) Microbatrachylus costaricensis Taylor, 1952 Microbatrachylus rearki Taylor, 1952
Einzelnachweise Craugastor bransfordii bei GIBF – Global Biodiversity Information Facility. Abgerufen am 23. Mai 2026.
Craugastor bransfordii bei AmphibiaWeb. University of California, Berkeley, 2010. Abgerufen am 14. Februar 2026. Craugastor bransfordii Twan Leenders: Amphibians of Costa Rica. A Field Guide. Comstock Publishing Associates, Cornell University Press, Ithaca und London 2016, S. 233–235. Abgerufen am 10. Juni 2026.
Literatur Savage, J. M. (2002). The Amphibians and Reptiles of Costa Rica: A Herpetofauna between two Continents, between two Seas. University of Chicago Press, Chicago. Crawford, A. J. and Smith, E. N. (2005). Cenozoic biogeography and evolution in direct-developing frogs of Central America (Leptodactylidae: Eleutherodactylus) as inferred from a phylogenetic analysis of nuclear and mitochondrial genes. Molecular Phylogenetics and Evolution 25: 536–555. Donnelly, M. A. (1999). Reproductive phenology of Eleutherodactylus bransfordii in northeastern Costa Rica. Journal of Herpetology: 624–631. Leenders, Twan (2016). Amphibians of Costa Rica. A Field Guide. Comstock Publishing Associates, Cornell University Press, Ithaca und London, S. 233–235.
Weblinks
Craugastor bransfordii bei AmphibiaWeb, University of California, Berkeley. Craugastor bransfordii bei GBIF – Global Biodiversity Information Facility. Craugastor bransfordii bei Amphibian Species of the World, American Museum of Natural History. Craugastor bransfordii bei Animal Diversity Web Craugastor bransfordii bei Map of Life Craugastor bransfordii auf iNaturalist
Kategorie:Craugastoridae Kategorie:Craugastoridae (Familie)