Die Jacobystraße (1805–1948 Kaiserstraße) ist eine Straße östlich des Alexanderplatzes in Berlin-Mitte.

Lage mini|Kaiserstraße, 1875 (links, direkt unter der roten Linie) Die Jacobystraße beginnt an der Alexanderstraße hinter der Kongresshalle und dem Haus des Lehrers und verläuft dann in südöstlicher Richtung bis zur Schillingstraße. Sie ist die südliche Parallelstraße zur Karl-Marx-Allee und ist mittels eines Fußweges östlich mit der Neuen Blumenstraße verbunden.

Die Jacobystraße hat fast keine Gemeinsamkeiten mehr mit der früheren Kaiserstraße. Sie verläuft von dem gemeinsamen nordwestlichen Ausgangspunkt an der Alexanderstraße etwa 40⁰ südlicher als diese. Die vorherige Kaiserstraße hatte das Königstor (Georgentor) in der Stadtmauer mit der Großen Frankfurter Straße, der wichtigen Fernstraße nach Osten, verbunden. Sie gehörte zum nördlichen Rand der Stralauer Vorstadt, an der Grenze zur Königsstadt.

Geschichte mini|Jacobystraße, 1965

Die Sandgasse bestand spätestens seit 1695 und war eine alternative kurze Verbindung zwischen der Großen Frankfurter Straße aus Osten und dem Platz vor dem Georgentor/Königstor in der Stadtmauer, im Gegensatz zum nördlich verlaufenden normalerweise genutzten Weg durch die Kleine Frankfurter Straße und die Landsberger Straße.Ernst Fidicin, Berlin historisch und topographisch dargestellt, Berlin 1885, S. 104, erwähnte kurz die Kaiserstraße, interessant sind seine Bemerkungen zur parallel verlaufenden Elisabethstraße (dazu auch Baumgasse Luisenstädtischer Bildungsverein, zu der Nutzung dieses Gebietes ab 1685) Sie wurde 1698 erstmals in einer Karte eingezeichnet und 1723 (wahrscheinlich) erstmals als Sand-Gasse bezeichnet.Karte von 1698 und 1723, gedrehte Karten, die Straßen befinden sich unten links 1805 kam dort der russische Kaiser Alexander I. mit seinem Gefolge nach Berlin, weswegen sie wenige Tage später in Kaiserstraße umbenannt wurde. Bereits in dieser Zeit standen dort Wohn- und Geschäftshäuser, von denen die meisten in den folgenden Jahrzehnten mehrmals um- und neugebaut wurden.

Von 1943 bis 1945 wurden die meisten Gebäude durch Bombenangriffe und Straßenkämpfe um den Alexanderplatz schwer beschädigt. 1948 wurde die Kaiserstraße in Jacobystraße umbenannt, nach dem jüdischen radikaldemokratischen Abgeordneten der Frankfurter Nationalversammlung 1848 Johann Jacoby.Claudia Klemm, Erinnert – umstritten – gefeiert. Die Revolution von von 1848/1849 und die deutsche Gedenkkultur, 2007, S. 403; ausführlich berichtete Berliner Zeitung vom 18. März 1948; auch in Jacobystraße Berlingeschichte In den 1950er und frühen 1960er Jahren wurden alle Gebäudereste beseitigt und der Straßenverlauf etwas nach Süden gedreht. Die Javobystraße bildete nun die Rückseite der Neubauten an der Karl-Marx-Allee. Nach 1990 wurden diese Gebäude aufwändig saniert.

Gebäude In der Gegenwart stehen auf der nordöstlichen Seite der Jacobystraße mehrere langgezogene neungeschossige Neubaublöcke, die ihre Vorderseite in der Karl-Marx-Allee haben.

Bis 1945 befanden sich in der Kaiserstraße Wohn- und Geschäftshäuser, in denen auch Handelsunternehmen, Gewerbe und Fabriken angesiedelt waren. In den frühen 1930er Jahren waren einige Häuser in jüdischem Besitz.

Religiöse Einrichtungen Nr. 19 Katholisches Waisenhaus (1848) Nr. 19/20 Evangelische Domgemeinde, Domhospital und Domfriedhof (1849–1945, Rückseite des Komplexes von der Elisabethstraße), erste Erwähnung der Dom-Witwen Nr. 29 Frauenverein St. Hedwig, Schwestern vom Orden des Hl. Karl Borromäus (1846–1851), Vorgängereinrichtung des St. Hedwig-Krankenhauses175 Jahre St. Hedwig Krankenhaus (PDF; 1,9 MB), S. 7; auch

mini|hochkant=0.5|Gedenktafel für die zerstörte Synagoge Nr. 29/30 Synagoge Kaiserstraße (1869–1938) und Mädchenmittelschule (1906–1930), 2014 Gedenktafel für die zerstörte SynagogeSynagoge Kaiserstraße Jewish Places Nr. 35/36 St. Xaveriusstift zum Hl. Joseph, Trier, katholischer Frauenorden (1932)

Gewerbe und Privatpersonen Nr. 26 Hotel (1932) Nr. 28 Dr. Martha Seefeld, jüdische ehemalige Ärztin (1938) Dr. Martha Seefeld Ärztinnen im Kaiserreich (unten) (Nr. 28?) Mielentzscher Saal, 1848, letzter Tagungsort der vertriebenen Nationalversammlung in BerlinManfred Görtemaker, Orte der Demokratie in Berlin, 2004, S. 132 (kurzer Auszug)¡, erwähnte den Milentzschen Saal, dieser Name findet sich aber nicht in den Adressbüchern von 1848 und 1849, wahrscheinlich war Nr. 28, der Tanz- und Konzertsaal von Lamm gemeint; vgl. Adolf Streckfuß, 1848. Die März-Revokution in Berlin, 1983, S. 624, erwähnte auch diese Versammlung in der Kaiserstraße (an der auch Johann Jacoby teilgenommen hatte) Königliche Privilegirte Berlinische Zeitung vom 1. Januar 1849, 2. Beilage, S. 6 (18); erwähnte Lamm’sches Lokal, als größeren Raum in der Kaiserstraße 28, das war wahrscheinlich der einzige größere Saal in dieser Straße

Weblinks

Jacobystraße Berlingeschichte

Einzelnachweise

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