Die Palestro (Kennung: PT) war einer von vier Zerstörern und Typschiff der Palestro-Klasse der italienischen Regia Marina. Am 22. September 1940 wurde es vom britischen U-Boot Osiris vor Durres versenkt. Das Schiff wurde nach der Schlacht von Palestro benannt.Hans-Jürgen Bauer: Kriegsmarine - Die Deutsche Flotte 1939 – 1945. Epubli, 2024, ISBN 3-759-84269-0, S. 48f.

Baugeschichte Die Palestro war eine Weiterentwicklung der Audace-Klasse von 1914. Der Rumpf war 81,9 m lang und 8,0 m breit und somit 4,5 m länger als die Vorgängerklasse. Das Boot hatte eine Standardverdrängung von 875 tn.l. und eine Einsatzverdrängung von 1076 tn.l. Die Kiellegung erfolgte am 12. April 1917 auf der Cantiere navale fratelli Orlando in Livorno und der Stapellauf am 23. März 1919. Durch Materialknappheit verzögerte sich die Fertigstellung, sodass die Indienststellung erst am 26. Januar 1921, lange nach Kriegsende, erfolgen konnte.

Antrieb Die Palestro verfügte über vier Thornycroft-Kessel, welche über zwei Zoelly-Turbinen die 18.000 WPS auf die beiden Propeller übertrugen. Der Zerstörer erreichte damit eine Geschwindigkeit von 32 Knoten (kn) unter Probefahrtsbedingungen. Die Palestro hatte eine Bunkerkapazität von 208 t Öl. Damit wurde bei 14 kn eine Reichweite von 1970 Seemeilen erreicht. Durch starken Verschleiß sanken während ihrer Dienstzeit sowohl Reichweite als auch Höchstgeschwindigkeit.Palestro-Klasse Bau- und Einsatzgeschichte auf naval-encyclopedia.com. Abgerufen am 4. März 2026. (englisch)

Bewaffnung Die Bewaffnung der Palestro bestand aus vier Schnellfeuergeschützen des Typs 102/45 Mod. 1917, einem italienischen Lizenzbau des englischen QF 4-inch-Schiffsgeschütz Mk V. Zwei Geschütze wurden vor dem Brückenhaus auf dem Vorschiff in Doppellafette aufgestellt und die beiden anderen auf der Mittellinie auf dem Achterschiff hintereinander als Einzellafette. Als Flugabwehr verfügte die Palestro über zwei Flugabwehrkanonen von Typ 76/40 Mod. 1916 RM, ebenfalls ein Lizenzbau der QF 12 pounder 12 cwt naval gun, in Einzelaufstellung. Hinzu kamen zwei 6,5-mm-Maschinengewehre. Die Torpedobewaffnung bestand aus zwei Zwillingssätzen für 45,7-cm-Torpedos. Zusätzlich konnten bis zu 38 Seeminen mitgeführt werden.Geschichte des Zweiten Weltkrieges. Band 2, Verlag Plötz, 1960, S. 252.

Einsatzgeschichte Nach Indienststellung diente die Palestro als Schulschiff für die Marineakademie von Livorno. Am 3. Mai 1921 nahm sie im französischen Antibes die sterblichen Überreste von Nikola I., dem ehemaligen König von Montenegro, auf. Binnen zwei Tagen brachte die Palestro den Sarg nach Sanremo. In den Folgejahren unternahm sie mehrere Fahrten und Freundschafts- bzw. Truppenbesuche in etlichen Häfen des östlichen Mittelmeeres und Nordafrikas. 1929 gehörte sie zum Sicherungsgeschwader für den zweiten Massenflug von Italo Balbo, dem sogenannten Crociera Aerea del Mediterraneo Orientale. Stationen waren u. a. Tarent, Athen, Istanbul, Varna und das Ziel Odessa. La Crociera Aerea del Mediterraneo Orientale Beschreibung des Unternehmens als PDF (4,3 MB) auf cifr.it. Abgerufen am 4. März 2026. (italienisch)

1929 wurde aus der Palestro und ihren drei Schwesterschiffen das VII. Zerstörer-Geschwader gebildet. Es gehörte zur 4. Zerstörerflottille. 1934 bis 1935 wurde sie aus dem Geschwader gelöst und gehörte zusammen mit dem Kreuzer Bari, dem Flottillenführer Pantera, dem Torpedoboot Audace und mehreren Hilfsschiffen zur Einsatzflotte im Roten Meer. Im Anschluss übernahm sie Besatzungsaufgaben an der Küste der Kyrenaika. Durch den nahezu pausenlosen Einsatz war das Schiff 1937 stark verschlissen und entsprach nicht mehr den Anforderungen moderner Zerstörer. Zu einer geplanten Umrüstung kam es bis zum Kriegsbeginn nicht mehr. Lediglich der vordere Schornstein wurde verlängert. Deshalb wurden alle vier Zerstörer der Klasse am 1. Oktober 1938 zu Torpedobooten umklassifiziert.

Mit Kriegseintritt Italiens im Juni 1940 wurde aus den vier Booten der Klasse das 15. Torpedoboot-Geschwader in Venedig gebildet. Von dort aus führten sie Kontroll- und Überwachungsaufgaben in der Adria durch. Am 20. August 1940 wurden die Torpedoboote zusammen mit elf weiteren veralteten Zerstörern dem „Comando Superiore Traffico Albania“ zugewiesen. Dies sollte Truppen und Material nach Albanien transportieren.

Verbleib Am 22. Juni 1940 fuhr die Palestro als Geleit für drei langsame leere Frachter Richtung Brindisi. Die Frachter konnten nur eine Geschwindigkeit von 7 kn halten. Das Boot sichtete drei auf sich zulaufende Torpedos. Diese wurden vom britischen U-Boot Osiris abgeschossen. Einer traf die Palestro in Höhe des vorderen Kesselraums. Es folgte eine starke Folgeexplosion. Dabei brach das Boot in zwei Hälften. Der Bug sank auf der Stelle, das Heck nur wenige Minuten später. Von den 125 Mann Besatzung konnten 53 von den Frachtern aufgenommen werden, 72 gingen mit dem Boot unter. Das Wrack liegt auf der Position , 40 sm westlich von Durrës.Paul Akermann: Encyclopedia of British Submarines 1901-1955. Periscope Publishing, 2002, ISBN 1-904-38105-7, S. 295. (englisch)

Literatur Harald Fock: Z-vor! Internationale Entwicklung und Kriegseinsätze von Zerstörern und Torpedobooten. Band 1 und 2. Koehlers Verlagsgesellschaft, Hamburg 2001. R. Gardiner, R. Chesnau: Conways All the Worlds Fighting Ships 1922–1946. 2008, ISBN 0-85177-146-7. (englisch) M.J.Whitley: Zerstörer im Zweiten Weltkrieg. Motorbuch Verlag, 1995, ISBN 3-613-01426-2. Hans-Jürgen Bauer: Kriegsmarine – Die Deutsche Flotte 1939 – 1945. Epubli, 2024, ISBN 3-759-84269-0. Paul Akermann: Encyclopedia of British Submarines 1901–1955. Periscope Publishing, 2002, ISBN 1-904-38105-7. (englisch)

Weblinks

Palestro-Klasse naval-encyclopedia.com. Abgerufen am 3. März 2026. (englisch)

Fußnoten

Kategorie:Zerstörer (Regia Marina) Kategorie:Torpedoboot (Regia Marina) Kategorie:Schiffsverlust im Zweiten Weltkrieg Kategorie:Schiffsverlust 1940 Kategorie:Dampfturbinenschiff