mini|Nice Nailantei Leng’ete (2017) Nice Nailantei Leng’ete (, geb. 1991 in Kimana, Kenia) ist eine kenianische Menschenrechtsaktivistin, die sich für alternative Übergangsriten für Mädchen in Afrika einsetzt und gegen weibliche Genitalverstümmelung (female genital mutilation, FGM) kämpft. In ihrer Arbeit mit Amref Health Africa hat Leng’ete schätzungsweise 17.000 Mädchen vor Genitalverstümmelung und viele andere vor Kinderehen bewahrt. 2018 wurde sie vom Time Magazine zu einer der 100 einflussreichsten Persönlichkeiten der Welt gekürt.

Leben Jugend und Ausbildung Nice Nailantei Leng’ete wurde im Dorf Kimana im Massai-Gebiet Kenias geboren. Sie wurde Waise, als ihre Eltern 1997 und 1998 starben. Ihre frühen Jahre verbrachte sie in verschiedenen Familien innerhalb ihres Dorfes. Mit acht Jahren wurde sie in ein Internat geschickt. Dort erfuhr sie, dass der „Schnitt“ („the cut“), ein Übergangsritus für Mädchen auf dem Weg zur Frau in ihrer Massai-Kultur, nicht erforderlich war.

Im Alter von acht Jahren, als die Beschneidung anstand, beschloss Leng’ete, wegzulaufen und überredete ihre Schwester, sie zu begleiten. Sie rannten zum Haus ihrer Tante – 70 Kilometer entfernt – durch das Buschland, um auf der Straße nicht gesehen zu werden. Leng’etes Onkel und Männer aus dem Dorf entdeckten bald ihr Versteck. Als sie die Mädchen holten, schlugen und bedrohten sie sie. Im nächsten Jahr, als die Mädchen des Dorfes auf das Übergangsritual vorbereitet wurden, lief Leng’ete erneut weg, konnte ihre Schwester aber nicht dazu bewegen, ihr zu folgen.

Nach ihrer Rückkehr ins Dorf wandte sich Leng’ete an ihren Großvater. Sie erklärte ihm, dass sie lieber für immer weglaufen und auf der Straße leben würde, als die Beschneidung zu ertragen. Ihr Großvater gab nach und erlaubte ihr, auf das traditionelle Ritual zu verzichten und wieder zur Schule zu gehen. Leng’ete wurde vom Dorf geächtet, da sie als schlechtes Vorbild galt und Schande für ihre Familie und die Gemeinschaft darstellte.

Aktivismus Leng’ete war das erste Mädchen in ihrem Dorf, das eine weiterführende Schule besuchte. Sie wurde in ihrem Dorf zu einem Vorbild für junge Mädchen und Frauen. Später versteckte sie junge Mädchen, die sie um Hilfe baten, um der Beschneidung („being cut“) zu entgehen – eine Handlung, die sie in ihrer Gemeinschaft zur Außenseiterin machte. Leng’ete setzte sich weiterhin für die Mädchen ein und ermutigte die Dorfbewohner, dieses sensible und wichtige Thema zu diskutieren. mini|Massai-Dorf, 2013 In der Massai-Kultur ist es Frauen nicht erlaubt, die Dorfältesten anzusprechen. Als Leng’ete jedoch an einem von Amref Health Africa organisierten Kurs zur sexuellen Aufklärung teilnahm, bat sie die Dorfältesten, ihr Wissen mit der Gemeinschaft teilen zu dürfen. Die Ältesten erlaubten ihr lediglich, mit den jüngeren Männern des Dorfes zu sprechen, doch keiner von ihnen wollte ihr zuhören. „Kein Mädchen war zuvor mutig genug gewesen, den Status quo infrage zu stellen, die Männer herauszufordern“, so Douglas Meritei, einer dieser Männer. Leng’ete gab nicht auf und versuchte zwei Jahre lang immer wieder, mit den jüngeren Männern zu sprechen. Schließlich forderten die Ältesten die jungen Männer auf, sich zu ihr zu setzen, doch nur drei von ihnen waren bereit, mit ihr zu reden. „Nach und nach kamen immer mehr jüngere Männer, um mit ihr zu sprechen“, sagte sie, „und allmählich weiteten sich die Themen aus – von HIV-Prävention über Teenagerschwangerschaften und deren gesundheitliche Komplikationen bis hin zu Frühverheiratung, Schulabbruch und schließlich der Beschneidung.“„Gradually, more of the younger men came to talk with her, she said, and gradually the topics expanded — from H.I.V. prevention to teenage pregnancy and its health complications, to early marriage, to school attrition and, finally, to the cut.“

Nach fast vier Jahren der Gespräche beschlossen die Dorfältesten, die Beschneidung aufzugeben. „Sie hatte die Männer und damit das ganze Dorf davon überzeugt, dass alle gesünder und wohlhabender wären, wenn Mädchen die Schule besuchten, später heirateten und Kinder ohne die Komplikationen gebären könnten, die eine Beschneidung mit sich bringen kann.“ („She had persuaded the men, and with them the village, that everyone would be healthier and wealthier if girls stayed in school, married later and gave birth without the complications cutting can create.“) Dank ihres Engagements erhielt Leng’ete als erste Frau in ihrem Dorf den Schwarzen Gehstock, der in ihrer Gemeinschaft Führung, Respekt und Macht symbolisiert.

Karriere 2013 sprach Leng’ete auf der Clinton Global Initiative (CGI) in New York City über ihren Kampf gegen weibliche Genitalverstümmelung. Außerdem hielt sie in den Niederlanden einen TEDx-Vortrag über sexuelle und reproduktive Gesundheitsrechte.

Im Jahr 2014 erklärten die Ältesten der Massai, die über 1,5 Millionen Menschen herrschen, das Ende der weiblichen Genitalverstümmelung (FGM). Dank Leng’etes Arbeit können Mädchen in der Massai-Gemeinschaft ohne FGM zu Frauen heranwachsen, ihre Ausbildung fortsetzen, anstatt früh zu heiraten und Kinder zu bekommen, obwohl die meisten selbst noch Kinder sind. Seit 2014 arbeitet Leng’ete als Projektbeauftragte für das Projekt „Alternative Rite of Passage“ (ARP) von Amref Health Africa in Kenia. Sie leitet ein Aufklärungsprogramm, das von Dorf zu Dorf reist, um Älteste und Gemeindevorsteher davon zu überzeugen, jungen Mädchen den Verzicht auf die Beschneidung und den Schulbesuch zu ermöglichen. „Leng’etes Arbeit als Projektbeauftragte für Amref Health Africa hat schätzungsweise 15.000 Mädchen vor FGM und Kinderehen bewahrt.“„Leng’ete’s work as a project officer with Amref Health Africa has saved an estimated 15,000 girls from FGM, as well as from childhood marriage.“

Leng'ete setzt ihre Arbeit mit Amref Health Africa fort, um junge Menschen über sexuelle und reproduktive Gesundheit und Rechte aufzuklären. „Obwohl Kenia die Beschneidung 2011 verboten hat und die Massai sie 2014 aufgaben, ist das Gesetz schwer durchzusetzen, insbesondere in ländlichen Gemeinden“. Leng'etes Arbeit ist entscheidend, um die Botschaft über weibliche Genitalverstümmelung zu verbreiten. „Wir müssen mehr politische Führungskräfte, mehr Älteste, mehr Frauen, mehr Männer, mehr Jungen, mehr Mädchen und mehr Beschneider erreichen“, sagt Leng'ete. „Wir müssen mehr Menschen durch Dialog in den Gemeinden und durch Zusammenarbeit erreichen“ (“We need to reach more political leaders, more elders, more women, more men, more boys, more girls, more circumcisers,” Leng’ete says. “We need to reach more people through community dialogue and working together”).

Leng’ete wurde seit 2015 für ihren Einsatz gegen weibliche Genitalverstümmelung vielfach ausgezeichnet. Das Time Magazine zählte sie 2018 zu den 100 einflussreichsten Persönlichkeiten für ihre Arbeit mit den Massai-Gemeinschaften in Kenia zur Abschaffung der FGM.

Sie ist die Autorin der Memoiren „The Girls in the Wild Fig Tree: How I Fought to Save Myself, My Sister, and Thousands of Girls Worldwide“ (dt.: Das Mädchen im wilden Feigenbaum: Wie ich kämpfte um Mich, meine Schwester und Tausende Mädchen Weltweit zu retten.), welche 2021 von Little, Brown and Company veröffentlicht wurden.

Ehrungen 2015: Inspirational Woman of the Year Award des Kenianischen Ministry of Devolution (Ministerium für Dezentralisierung) 2016: Mandela Washington Fellowship for Young African Leaders. 2018: Eine der 300 Global Youth Leaders von Women Deliver 2018: Annemarie Madison Prize für ihre Initiative FGM zu stoppen. 2018: Time Magazine’s 100 most influential people in the world. 2018: 100 Most Influential Young Kenyans, Avance Media 2022: Laureate Freedom from Want Award.

Einzelnachweise

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