Schwerzelfurt ist eine Wüstung in der Gemarkung von Adelshausen, einem Stadtteil von Melsungen im nordhessischen Schwalm-Eder-Kreis.Überlieferte schriftliche Namensformen des Orts sind: „Suuerzeluurde“ (786, Fälschung um 1057), in „Suercelevorde“ (1194), „Suercelenuorde“ (1204), „Sverzelvort“ (1209), curia „Swerzeleword“ (1294), grangia „Schwertzelforte“ (1386), „Schwircelforthe“ (1519), „Schwertzelfort“ (1585), „Schwätzelfurth“ (1708/10), „Schwärzelshof“ (1778), „Schwärtzelsdorf“ (Niveaukarte Kurfürstentum Hessen 1840–1861). (Schwerzelfurt, Schwalm-Eder-Kreis, im Historischen Ortslexikon Hessen (LAGIS))Grangie = klösterliches Landwirtschaftsgut.

Lage Die Wüstung liegt etwa 1,2 km südwestlich von Adelshausen auf Höhe über NHN unweit südlich der Pfieffe und südöstlich von deren Einmündung in die Fulda. Heute befinden sich dort ausgedehnte industrielle Fertigungsanlagen der Firma B. Braun Melsungen, Werk „Pfieffewiesen“. Die Bundesstraße 83 (Nürnberger Straße) verläuft unmittelbar westlich vorbei.

Geschichte Die Vergangenheit des Orts liegt etwas verschwommen im Dunkel der Geschichte. Im Jahre 1194 wird ein kleines Dorf (villula) „Suercelevorde“ in einer Urkunde des Klosters Hardehausen erstmals urkundlich erwähnt. Eine bereits zuvor, wohl frühestens 1057, entstandene Beschreibung der Grenzen des damaligen Kirchspiels Grebenau nennt „Suuerzeluurde“ als südlichen Grenzpunkt; allerdings lag der Ort, Besitz des Fritzlarer Petri-Stifts, zu dieser Zeit bereits wüst. Die Zisterzienser von Hardehausen wollten die Gegend wieder urbar machen, pachtetenFür einen jährlichen Pachtzins von 5 Malter Korn, vier Malter Hafer und zwei Metzen Gerste.(Waltari Bergmann: Gut Fahre – von der Wüstung Schwerzelfurth zur Staatsdomäne Fahre, 1982 archiv-malsfeld.de) 1194 das Land und errichteten etwas südlich der Pfieffe, an der Kreuzung der beiden alten Handelsstraßen „durch die Langen Hessen“Heute noch in der Nähe als Feldweg erkennbar. und „Nürnberger Landstraße“An dieser Stelle „Fuldahöhenstraße“ Bebra-Morschen-Melsungen-Kassel, das Überschwemmungsgebiet der Fulda umgehend; heute ein Hohlweg hinter den Gebäuden der Braun AG., den als praediolumKleines Landgut. bezeichneten Hof Schwerzelfurt, wo die alte Straße auf einer Furt die Pfieffe durchquerte, und eine kleine Kapelle, die 1288 erstmals erwähnt und 1386 neu geweiht wurde. 1204 vergrößerte Hardehausen diesen Besitz, als Abt Nikolaus des Klosters Spieskappel den Hardehäuser Mönchen ein vogtfreies kleines Gut in Schwerzelfurt mit allen Nutzungen und allem Zubehör verkaufte.

Im Jahre 1294 verkaufte Hardehausen das zu weit entfernte Gut für 220 Mark Silber an das 1235 gegründete Zisterzienserinnen-Kloster Haydau im nahen Altmorschen, das ihn von Pächtern bewirtschaften ließ.

Nach der Einführung der Reformation in der Landgrafschaft Hessen 1526 wurde auch das Kloster Haydau 1527 säkularisiert und Schwerzelfurt, nunmehr landgräflicher Besitz, wurde meist an den Wirt der unmittelbar westlich benachbarten, 1482 und 1503 erstmals urkundlich erwähnten Herberge Fahre verpachtet. Schwerzelfurt und Fahre, als ehemals Haydauer Klostergut ebenfalls landgräflich geworden, erlitten 1623 schwere Verwüstungen im Dreißigjährigen Krieg, wurden jedoch wieder hergestellt. Im Jahre 1776 wurde Schwerzelfurt endgültig dem landgräflichen Vorwerk Fahre zugeschlagen. Um 1800 wurden die noch vorhandenen Gebäude der beiden Höfe in Schwerzelfurt abgebrochen.

Fußnoten

Literatur Georg Landau: Historisch-topographische Beschreibung der wüsten Ortschaften im Kurfürstenthum Hessen und in den großherzoglich hessischen Antheilen am Hessengaue, am Oberlahngaue und am Ittergaue (= Zeitschrift des Vereins für Hessische Geschichte und Landeskunde. Supplement 7). Fischer, Kassel 1858, (Digitalisat), S. 85–86 Waltari Bergmann & Heinrich Schulz: Adelshausen 1209–1959: Heimatgeschichte eines niederhessischen Dorfes. Bernecker, Melsungen, 1960, S. 41–50. Waltari Bergmann: Adelshausen 1959–1984: Heimatgeschichte eines niederhessischen Dorfes und Vereinsgeschichte des TSV Adelshausen, 1909–1984. Melsungen-Adelshausen, Ortsbeirat, 1984 Heinrich Reimer: Historisches Ortslexikon für Kurhessen (= Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen. Band 14) Elwert, Marburg 1926 (Neudruck 1974), ISBN 3-7708-0510-0, S. 436.

Weblinks Schwerzelfurt, Schwalm-Eder-Kreis, im Historischen Ortslexikon Hessen (LAGIS) Waltari Bergmann: Gut Fahre – von der Wüstung Schwerzelfurth zur Staatsdomäne Fahre (PDF; 2,7 MB), 1982 Waltari Bergmann: Seit 500 Jahren bereits Domäne: Einst Gemarkung Schwerzelfurth. (PDF; 1,4 MB) Melsunger Allgemeine. Nr. 240, 16. Oktober 1982 Waltari Bergmann: Die Fahre bei Malsfeld (PDF; 0,7 MB), Mai 1964

Kategorie:Wüstung im Schwalm-Eder-Kreis Kategorie:Geographie (Melsungen)