Alexis von der Pahlen (* 23. Mai 1859 in Palmse; † 7. August 1925 in Stettin) war ein Jurist, deutsch-baltischer Grundbesitzer aus dem Adelsgeschlecht von der Pahlen, Herr auf Palmse und Präses der Familie von der Pahlen.

Die Eltern Alexis Magnus Hans Bar von der Pahlen waren Alexander Johann von der Pahlen (1819–1895) und dessen Ehepartnerin Olga Frederike geborene von Grote (1826–1888). Beide lebten auf dem Gut Palmse und bewirtschafteten das Anwesen. Sein Vater war Ehrenbürger der Stadt Reval und engagierte sich in deutsch-baltischen Vereinigungen.

Leben In einem gut situierten Elternhaus aufgewachsen, genoss Alexis von der Pahlen viele Freiheiten, hatte über die Bibliothek im Herrenhaus Zugang zu Wissen und Literatur. Anfangs von Hauslehrern unterrichtet wechselte er später auf das Gymnasium in Reval. Zu seinen Spielgefährten gehörten Gleichaltrige aus der Familie von der Pahlen, die zur Verwandtschaft gehörten und Teile des Herrenhauses mitbewohnten, sowie Kinder von Gutsarbeitern. Bereits in seiner Jugendzeit, die er auf Palmse verbrachte, durchstreifte er die Natur, kletterte durch die Kalksteinbrüche und suchte nach interessanten Steinen, Ablagerungen und Mineralien. Von den Funden legte er eine private Sammlung an, die sich im Herrenhaus Palmse befand.Ants Hein, Palmse – Palms. Ein Herrenhof in Estland, Hattorpe, Eesti Entsüklopeediakirjastus 1996, ISBN 5-89900-042-2, S,166; Nach seinem Schulabschluss studierte er an der Universität Dorpat, jedoch nicht eine natur-wissenschaftliche Disziplin, sondern Jura. Daran schloss sich 1875 eine Beschäftigung in einem Ministerium in Dorpat an.Adelswappen Von der Pahlen Nr. 75, in: https://www.adelsvapen.com/genealogi/Von_der_Pahlen_nr_75#TAB_13; Hier gehörte die Betreuung von Museumsbeständen, Verwaltungs- und Organisationsaufgaben zu seinen Tätigkeiten. Das Interesse und seine Sammlerleidenschaft blieben weiterhin bestehen. Bei seinen Streifzügen entdeckte von der Pahlen unter anderem die älteste Versteinerung eines Seeigels, der unter dem Namen Bothricidaris pahleni Eingang in paläozoologische Fachbücher gefunden hat.R. Labi, Palmse kivikogu jälgedel. „Eesti Loodus“, 1969, S. 212; In dieser Zeit wurde er Präsident der Vereinigung für provinzielle Naturkunde für den Raum des Baltikums. Wie auch sein Vater erhielt er als Anerkennung seines Wirkens die Ehrenmitgliedschaft in der Estnischen Literarischen Gesellschaft in Reval.

Sein Vater überschrieb ihm 1889 das Gut Palmse, doch für die damit verbundenen Aufgaben betriebswirtschaftlicher und landwirtschaftlicher Ausrichtung schien er nicht viel Interesse entwickelt zu haben. Dazu kamen noch die Ereignisse des Jahres 1905, als die revolutionären Ereignisse aus Sankt Petersburg bis nach Estland hinüberschwappten. Nicht nur, dass meuternde und plündernde Soldatengruppen über das Land zogen, mehrfach auch dabei das Gut heimsuchten. Anfangs brach der russische Absatzmarkt, auf dem die Erzeugnisse der Schnapsbrennerei, für Fleisch und Gemüse gut zu verkaufen waren, weg. Hauptsächlich jedoch geriet durch die angestaute Wut, die ungelösten Probleme der Leibeigenschaft und Rechtlosigkeit breiter Bevölkerungsgruppen im zaristischen Russland die Zielgruppe wohlhabender Gutsbesitzer, aber auch Adelsfamilien, ins Visier und wurde zum Feindbild der Unterdrückten. Diese Ereignisse schienen es vor allem gewesen zu sein, die bei von der Pahlen Angst und Hilflosigkeit ausgelöst haben. Denn bereits 1907 gab er das Gut an seinen Sohn, Arend Dietrich von der Pahlen (1878–1955) weiter.Ants Hein, Palmse – Palms. Ein Herrenhof in Estland, in: ebenda, S,167; Noch im gleichen Jahr verließen er und seine Familie Estland und setzten sich in Richtung Preußen in Bewegung. Nicht bekannt ist, wie viele Zwischenstationen er dann noch, vor allem während der Jahre des Ersten Weltkrieges, durchlief. Später muss er auch Pommern erreicht haben. Dort verstarb Alexis Magnus Hans von der Pahlen am 7. August 1925 in Stettin.Otto Magnus von Stackelberg, Genealogisches Handbuch der estländischen Ritterschaft, Bd.: 1, Görlitz, 1931;

Familie Er war verheiratet mit Lubow Anna Stael von Holstein (1710–1902), ihre Kinder waren: Arend Dietrich von der Pahlen, 1878–1945 Olga Auguste von der Pahlen, 1881–1929 Gustav Christian von der Pahlen, 1883–1914 Olga Mathilde von der Pahlen, 1885–1970.Walter Riccius, Schlösser und Gärten. Das Gut Palmse und seine Akteure, GRIN-Verlag München 2026, ISBN 978-3-38917-137-0, S. 51;

Literatur Ants Hein: Palmse – Palms. Ein Herrenhof in Estland, Hattorpe, Eesti Entsüklopeediakirjastus 1996, ISBN 5-89900-042-2; W. von Hueck: Die Herkunft der ritterschaftlichen Geschlechter in Wierland zu schwedischer Zeit. Material zu einer Gütergeschichte Estlands, Mainz 1972, S. 107; Susanna Murel: Palmse Pahlenid raamatupeeglis – põgus pilguheit mõisahärra raamatukokku, SA Virumaa Muuseumid TOIMETISED 2017; Walter Riccius: Schlösser und Gärten. Das Gut Palmse und seine Akteure, GRIN-Verlag München 2026, ISBN 978-3-38917-137-0; P. von Ungern-Sternberg: Die Revision von J. 1586 und die Befragung von J. 1589. Ein Betrag zur Gütergeschichte Estlands. Beiträge zur Kunde Est-, Liv- und Kurlands, Band VIII, Reval 1915, S. 46ff. Otto Magnus von Stackelberg: Genealogisches Handbuch der estländischen Ritterschaft, Bd.: 1, Görlitz, 1931;

Quellen

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