Als Kaffeebaron bezeichnete man umgangssprachlich einen besonders wohlhabenden Unternehmer, der durch den Anbau, die Verarbeitung oder den Handel mit Kaffee erheblichen wirtschaftlichen Einfluss erlangte. Der Begriff war kein offizieller Titel, sondern eine publizistische oder zeitgenössische Bezeichnung, vergleichbar mit Zinnbaron (Bolivien), Zuckerbaron oder Kautschukbaron. Der Ausdruck wurde in unterschiedlichen wirtschaftlichen Zusammenhängen verwendet und bezog sich je nach Region auf verschiedene Akteursgruppen.

In Brasilien ist barões do café eine anerkannte Begrifflichkeit für Eliten vor allem im imperialen Brasilien von 1822 bis 1889.

Kaffeeplantagenbesitzer In den Kaffeeanbaugebieten Lateinamerikas, insbesondere in Brasilien, Kolumbien, Costa Rica (→ Geschichte Costa Ricas) und Guatemala,The Allied war against fascism enabled Guatemala to confiscate the vast lands of the German coffee barons who had dominated Guatemala’s economy since 1914. In: Blanche Wiesen Cook: The declassified Eisenhower: A Divided Legacy, 1981, S. 220. bezeichnete „Kaffeebaron“ vor allem Großgrundbesitzer, die weitläufige Kaffeeplantagen kontrollierten. Diese Unternehmer verfügten über umfangreiche Ländereien, organisierten Anbau, Ernte und Export und prägten häufig die regionale Wirtschafts- und Sozialstruktur.

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich der Kaffeeexport in mehreren Ländern zu einem zentralen Wirtschaftszweig. Plantagenbesitzer, die große Produktionsmengen kontrollierten, konnten erheblichen politischen und gesellschaftlichen Einfluss ausüben.

In Brasilien der „Alten Republik“ (1889–1930) wurde das politische Machtkartell der Kaffeebarone mit den Viehzüchtern („fazendeiros“) als Milchkaffee-Politik (Política do café com leite) bezeichnet, wobei „Milch“ für die in der Viehzucht tätigen Großgrundbesitzer im Minas Gerais und Rio Grande do Sul und „Kaffee“ für die Kaffeebarone im Staat São Paulo stand.

Kaffeehändler In europäischen Hafenstädten wie Hamburg, Bremen oder Antwerpen bezog sich der Ausdruck hingegen auf Großhändler und Kaufleute, die den Import, die Finanzierung und den Weiterverkauf von Rohkaffee organisierten. Diese Unternehmer waren Teil internationaler Handelsnetzwerke und profitierten vom wachsenden Konsum in Europa.

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich Hamburg zu einem bedeutenden Umschlagplatz für Rohkaffee. Dort ansässige Handelshäuser spezialisierten sich auf Einkauf, Lagerung, Qualitätsprüfung und Vertrieb. Wohlhabende Kaufleute aus diesem Bereich wurden in der Öffentlichkeit gelegentlich als „Kaffeebarone“ bezeichnet, um ihren wirtschaftlichen Erfolg und ihre gesellschaftliche Stellung zu charakterisieren.

Beispiele Brasilien Nicolau Pereira de Campos Vergueiro (1778–1859) António Augusto Carvalho Monteiro (1848–1920) Francisco Schmidt (1850–1924) Alberto Santos Dumont (1873–1932)

Guatemala Otto Jauch (1874–1949)

Literatur The coffee barons of the ‚latifundia‘ (large plantations). In: „Report on Guatemala“ (Guatemala News and Information Bureau, National Network in Solidarity with the People of Guatemala (U.S.)), Bd. 22–23, 2001, S. 9. Wiebke Hoffmann: Auswandern und Zurückkehren: Kaufmannsfamilien zwischen Bremen und Übersee, eine Mikrostudie, 1860–1930, 2009.

Einzelnachweise

Kategorie:Kaffee als Thema Kategorie:Person (Kaffee) Kategorie:Elitesoziologie Kategorie:Geschichte Brasiliens Kategorie:Personenbezeichnung (Wirtschaft)