mini|hochkant|Wappen derer von Reichaw in Siebmachers Wappenbuch (1901) Reichau (auch Reichaw, Reiche, Reich o. ä.) ist der Name eines ursprünglich sächsischen, später böhmisch-schlesischen Uradelsgeschlecht, dessen Ursprünge bis in das 13. Jahrhundert zurückreichen und das später auch nach Dänemark kam.

Die Familie ist zu unterscheiden von dem namensgleichen wappenähnlichen preußischen Briefadelsgeschlecht ReichauGeorge Adalbert von Mülverstedt: J. Siebmacher’s großes und allgemeines Wappenbuch, Bd. 6 (Abgestorbene, erloschene Geschlechter), 4. Abt.: Abgestorbener Preußischer Adel, Provinz Preußen, Nürnberg 1874, 67 (uni-goettingen.de) und Tfl. 50 (uni-goettingen.de).Ernst Heinrich Kneschke: Neues allgemeines Deutsches Adels-Lexicon. Band 7: Ossa – Ryssel. Leipzig 1867, S. 410 (Reichau) (Google Bücher).Leopold von Ledebur: Adelslexicon der Preußischen Monarchie. Band 2: L–S, Berlin 1856, S. 273 (siehe Reichau, Reichow, Richow, Reiche, II.) (digitale-sammlungen.de). und dem namensähnlichen thüringischen Adelsgeschlecht Reich(e).

Geschichte Das Geschlecht wird seit dem 13. Jahrhundert in dem ehemaligen sächsischen Kurkreis erwähnt, ab dem 16. Jahrhundert kommt es auch in Schlesien vor.Blažek (1887), S. 85. In Sachsen hatte die Familie Besitz in Blumberg (urkundlich 1288), Gorbitz (1254), Reichow (1254), Treptitz (1285) und Welken (1285). In Schlesien saß sie zu Bärwalde (1670), Guttwitz (1670), Kurschwitz, Queitsch (1516–1626), Teichau (1626) und Wenig-Mohnau (1503–1626). Außerdem hatten sie Wichtringhausen (1670) im Hannoverschen inne.Ledebur (1856), S. 273.

In Schlesien zählte die Familie zum vornehmsten schlesischen Ritterstand. Nach Bohuslav Balbín beginnt die Stammreihe mit einem Conradus im Jahr 1342. 1440 erscheint ein Sigismund von Reichenaw im Neißischen. 1503 wird ein Friedrich Reichau von Wenig-Monau erwähnt. 1626 saßen im Schweidnitzschen Heinrich Reiche auf Wenig-Mohnau, Jonas Reiche auf Queitsch, das bereits 1516 von Kaspar Reichau angekauft worden war, und Jeremias Reiche zu Teiche/Teichau im Striegauischen Weichbild. Die bekanntesten Vertreter der Familie waren der 1601 genannte kursächsische Rat und Hofkanzler George von Reich und sein Sohn Carl Friedrich von Reich, der 1645 kaiserlicher Generalmajor war.Der Dreißigjährige Krieg in Selbstzeugnissen, Chroniken und Berichten Dessen Sohn Carl Friedrich Ferdinand von Reich, der in kinderloser Ehe mit Helena Catharina von Oderski und Liderzov verheiratet war, erlangte denselben Rang und fiel im Krieg.Sinapius (1720), S. 756 f. Nach 1670 war das Geschlecht in Schlesien nicht mehr begütert. Ab 1620 erscheint ein Zweig in braunschweigischen Diensten, der in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts nach Dänemark ging. Hier war Georg Ernst von Reichau (1658–1735) Stiftamtmann in dänisch-norwegischen Diensten.

Maximilian Gritzner nahm an, dass auch die folgenden, im Baltikum ansässigen Personen zur Familie gehörten: Der schwedische Oberstleutnant Ernst Friedrich von Reichau pfändete kurz nach 1650 das Gut Schwartzhof im Kirchspiel Paistel in Livland. 1660 wurde ihm das Pfandrecht bestätigt und 1664 erhielt er die Berechtigung das Gut zu verkaufen, was er 1671 dann tatsächlich tat. Wohl ein Nachkomme war der Oberstleutnant, spätere Landrat Ernst Friedrich von Reichau, der durch seine Ehefrau Juliane Mohr († 1706), Tochter des Johann Albrecht Mohr, nach des Schwiegervaters Tod an die Güter Fehgen und Fehsen in Livland kam. Die Güter fielen an die Tochter Sophie Catharine von Reichau, die mit dem Oberstleutnant Balthasar Baron Güldenhof verheiratet war.Gritzner (1901), S. 163.

Wappen Blasonierung: In Silber ein schwarzer Adler, mit abgeschnittenen Beinen, Füßen und Schwanz. Auf dem Helm mit schwarz-silbernen Helmdecken zwei Büffelhörner, das rechte silbern, das linke schwarz.

Literatur Konrad Blažek: J. Siebmacher’s großes und allgemeines Wappenbuch: Bd. 4 (Habsburgermonarchie), 11. Abt.: Der Adel von Österreichisch-Schlesien, Nürnberg 1885, S. 63 (uni-goettingen.de) und Tfl. 34 (uni-goettingen.de). Bd. 6 (Abgestorbene, erloschene Geschlechter), 8. Abt., T. 1: Der abgestorbene Adel der Preußischen Provinz Schlesien, 1. Teil, Nürnberg 1887, S. 85 (uni-goettingen.de) und Tfl. 62 (uni-goettingen.de). Maximilian Gritzner: J. Siebmacher’s großes und allgemeines Wappenbuch, Bd. 3 (Blühender Adel deutscher Landschaften unter preußischer Vorherrschaft), 11. Abt., T. 2: Der Adel der russischen Ostseeprovinzen, Teil 2: Der Nichtimmatrikulierte Adel, Nürnberg 1901, S. 163 (uni-goettingen.de) und Tfl. 106 (uni-goettingen.de). Ernst Heinrich Kneschke: Neues allgemeines Deutsches Adels-Lexicon. Band 7: Ossa – Ryssel. Leipzig 1867, S. 409 (Reich) (Google Bücher) und 410 f. (Reichau, Reichow, Richow, Reiche) (Google Bücher). Leopold von Ledebur: Adelslexicon der Preußischen Monarchie. Band 2: L–S, Berlin 1856, S. 273 (siehe Reichau, Reichow, Richow, Reiche, I.) (digitale-sammlungen.de). Johann Siebmacher: Johann Siebmachers allgemeines großes und vollständiges Wappenbuch, 1. Teil, 12. Ausgabe, Nürnberg 1772, Tfl. 68 (uni-goettingen.de). Johann Sinapius: Schlesischer Curiositäten Erste Vorstellung, Darinnen die ansehnlichen Geschlechter Des Schlesischen Adels, Leipzig 1720, S. 756 f. (Google Bücher).

Einzelnachweise

Kategorie:Sächsisches Adelsgeschlecht Kategorie:Schlesisches Adelsgeschlecht Kategorie:Böhmisches Adelsgeschlecht Kategorie:Dänisches Adelsgeschlecht