Die Beschießung der Forts Libertador und Vigia war eine am 13./14. Dezember 1902 während der Venezuela-Krise durchgeführte britisch-deutsche Militäroperation. Dabei wurden von dem britischen Kreuzer HMS Charybdis und dem deutschen Großen Kreuzer SMS Vineta die Forts Fort Libertador und Vigia (Fort Solano), die den Hafen von Puerto Cabello sicherten, beschossen, teilweise zerstört und der Hafen kurzfristig durch Landungskommandos besetzt.

mini|Karte der Seeblockade gegen Venezuela 1902–1903 Vorgeschichte Hintergrund der Operation war die Venezuela-Krise. Nach der Übergabe von Ultimaten an die Regierung des venezolanischen Präsidenten Cipriano Castro am 9. Dezember 1902 war es in der Hafenstadt Puerto Cabello zu Übergriffen venezolanischer Behörden und Bürgern (von deutsch-britischer Seite als Mob bezeichnet) gegenüber der Crew des britischen Kohlen-Dampfers Topaz (andere, falsche Schreibweise Topaze) gekommen.

Zwar wurden die Besatzungsmitglieder der Topaz durch ein 50-köpfiges Landungskommando der Charybdis umgehend befreit, jedoch lehnten die venezolanischen Behörden eine Entschuldigung für die Beleidigung der britischen Flagge ab. Außerdem wurde von britisch-deutscher Seite gefordert, in Zukunft keine britischen und deutschen Untertanen mehr zu belästigen. Am 13. Dezember 1902 wurde eine auf 17.00 h festgelegte Frist zur Entschuldigung gesetzt. Die britische Forderung, die von Kommodore Montgomery auf der HMS Charybdis, einem Kreuzer der Astraea-Klasse, gestellt wurde, war mit Kapitän zur See Georg Scheder der Vineta abgesprochen. Im Fall der Nichterfüllung der Forderung wurde mit einer Beschießung der beiden die Stadt sichernden Forts gedroht.

Die Beschießung mini|Fortín Solano – Puerto Cabello mini|Castillo libertador mini|HMS Charybdis 1893 mini|SMS Vineta 1904 Die Frist verstrich ohne Reaktion der venezolanischen Behörden. Stattdessen war von britisch-deutscher Seite aus beobachtet worden, wie am Strand drei Feldgeschütze aufgefahren wurden. Kurz nach 17.00 h eröffneten beide Kreuzer auf einer Entfernung von 25 bis 30 Hektometern das Feuer. Ein Signalmaat der Charybdis war zur Herstellung der Kommunikation zwischen den beiden Kreuzern auf die Vineta entsandt worden.

In 20 Minuten wurden rund 1300 Granaten verschossen, meist aus Maschinenkanonen. Scheder stellte jedoch entgegen der Erwartungen eine große Widerstandsfähigkeit des bis zu fünf Meter dicken Mauerwerks der Forts fest. Auch wurde das Feuer erwidert, jedoch nicht von den Forts selbst, sondern von dahinter aufgestellter Artillerie, was zuerst aufgrund von Sand- und Staubwolken nicht beobachtet werden konnte.

Nach dem Ende des Beschusses wurden gemischte britisch-deutsche Landungskommandos ausgesetzt. Sie besetzten das Fort Libertador, das inzwischen von seiner Besatzung verlassen worden war. Die Kommandos trafen auf 80 inhaftierte Verbrecher und politische Gefangene, da das Fort auch als Staatsgefängnis diente. Die Häftlinge wurden den venezolanischen Lokalbehörden übergeben.

Fort Libertador wurde in der Nacht zum 14. Dezember 1902 durch eine gemischte britisch-deutsche Mannschaft bewacht. Da im Fort neben alten Waffen auch 40 Kisten Dynamit vorgefunden worden waren, wurden diese am nächsten Tag mit Hilfe von Torpedomannschaften gesprengt, um eine mögliche Verwendung durch die venezolanische Armee zu verhindern. Durch die Sprengung wurde das Innere des Forts praktisch vollständig zerstört.

Den Ortsbehörden wurde die weitere Nutzung beider Forts untersagt und vorgefundene Geschütze, auch moderne Kruppsche Feldkanonen, zerstört. Fort Vigia konnte nicht besetzt werden, da es schwer zugänglich war.

Nach der Sprengung wurden die Landungskommandos der beiden Kreuzer wieder eingeschifft und beide Einheiten in der Seeblockade Venezuelas eingesetzt. Soweit bekannt, traten auf beiden Seiten keine personellen Verluste ein.

Literatur Kontreadmiral z. D. Scheder-Bieschin: Die Blockade von Venezuela 1902/03. Ein Gedenkblatt nach 25 Jahren (Mit 6 Bildern und 1 Karte), in: Marine-Rundschau, Nr. 32, 1927, S. 542–558. Bericht über die Beschießung in: Nachrichten für Stadt und Land (Oldenburg) vom 16. Dezember 1902, Seite 1; Digitalisat der Landesbibliothek Oldenburg Bombardements-Skizzen, in: Nachrichten für Stadt und Land (Oldenburg) vom 31. Januar 1903, 1. Beilage; Digitalisat der Landesbibliothek Oldenburg

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