Roland R. Berger (* 14. November 1942 in Weinböhla; † 4. April 2026 in Berlin) war ein deutscher Kunstpädagoge, Grafiker und Hochschullehrer.
Leben und Werk Berger machte 1961 an der Arbeiter- und Bauernfakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg das Abitur. Von 1962 bis 1966 studierte er in der Fachrichtung Kunsterziehung/Deutsch der Humboldt-Universität zu Berlin (HU). Nach dem Staatsexamen als Oberstufenlehrer leistete er von 1966 bis 1968 Wehrdienst in der NVA. Danach war er am Institut für Kunsterziehung der HU tätig. 1972 erwarb er an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee mit einer Arbeit zur Lithografie extern das Diplom als Maler und Grafiker. Sein Mentor war Fritz Dähn. 1976 promovierte Berger mit einer Arbeit zu Collagen und Montagen aus Papier zum Dr. phil. Er war ab 1983 Dozent und von 1985 bis zur Abwicklung dieses Bereiches 1995 Professor mit künstlerischer Lehrtätigkeit im Studiengang Kunsterziehung der HU. Er lebte und arbeitete mit seiner Ehefrau und seinen zwei Kindern in Berlin-Mitte. 1996 zog die Familie nach Hohen Neuendorf.
Von 1995 bis 2007 arbeitete Berger als Oberstufenlehrer in Gransee und Oranienburg und als Dozent in der Lehrerweiterbildung von Brandenburg, Sachsen und Thüringen. Er „wurde Zeuge des Niedergangs des Bildungssystems. Er fühle sich mehr als Sozialarbeiter, weniger als Lehrer, sagte er damals.“
Neben seiner kunstpädagogischen Arbeit war Berger immer als bildender Künstler tätig, anfangs vor allem mit Linolschnitt, dann auch mit Holzschnitt und Papierschnitt. Von 1973 bis 1981 wurden in den Original-Grafik-Editionen der Zeitungen Junge Welt und Armeerundschau mehrere Arbeiten Bergers publiziert. Bergers künstlerisches Lebenswerk umfasst vor allem Linol- und Holzschnitte. Aber auch Radierungen, Lithografien, Scherenschnitte, Zeichnungen, Kalenderblätter, Neujahrsgrafiken, Vignetten, Lesezeichen, Exlibris, Plakate, Buntpapiere, Programmhefte fürs Theater, Buchillustrationen, Papierplastiken, Collagen, Papierobjekte hat der vielseitige Künstler geschaffen. Schon seit den 1970er Jahren nahm er mit Graphiken, zumeist Linolschnitten, Bezug auf das Werk von Künstlern wie Michelangelo, Dürer, Kandinsky, Max Bill, Kasimir Malewitsch, Andy Warhol, Wolfgang Mattheuer, Harald Metzkes und anderen. Seine Themen reichten von einem „Totentanz“ und einer Mappe „Deutsche Blätter“ über Alltagsthemen, Stillleben, Porträts, Arbeiten zu Literatur beispielsweise von Anna Seghers oder antiker Klassik, schwulen Themen, Stand- und Radfahrerszenen, Zirkus bis hin zu einer umfangreichen Werkgruppe abstrakter Grafik. Eine besondere Rolle spielte die Figur des Harlekins, die er sein Leben lang in weit über 100 Grafiken verschiedenster Techniken bearbeitete. Die Hochdruckgrafiken druckte seit 1990 sein Sohn Marc Berger, die Tief- und Flachdruckgrafik druckte zumeist Helmut Müller.
Seit 1990 betätigte Berger sich auch als Grafiker für die Edition Schwarzdruck. Für deren oft originalgrafische Buch- und Kalenderpublikationen fertigte er Illustrationen. Seit 1993 gab er die Edition LINKSRUM heraus.
Berger war Mitbegründer des Verbands der Kunsterzieher der DDR, bis 1990 Mitglied des Verbands Bildender Künstler der DDR und von 1969 bis 2025 der Pirckheimer-Gesellschaft, deren Vorstand er mehrere Jahre angehörte. Er hatte seit 1968 eine große Zahl von Einzelausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen, u. a. 1977/1978 an der VIII. Kunstausstellung der DDR.
Selbstreflexion „Meine Bilder zeigen oder erzählen etwas und gedeihen entweder zu einem Zeichen für Erfundenes oder führen bildhaft und einfühlsam die Schilderung einer Lebenssituation vor. Ersteres neigt zum Spiel und zur Konstruktion, während die andere Art szenengebunden das Dasein der Menschen hymnisch feiert oder auch warnend dramatisiert und anklagend mahnt.“Pirckheimer-Blog | Pirckheimer-Gesellschaft
„Arbeit ist bei sich selbst sein.“ (Peter Hille)
Literatur
Saur. Allgemeines Künstlerlexikon. Band 9, 1994, S. 364 Dietmar Eisold (Hrsg.): Lexikon Künstler in der DDR. Verlag Neues Leben, Berlin 2010, ISBN 978-3-355-01761-9, S. 65/66 Roland R. Berger: Katalog zum 60en. Edition Linksrum, Hohen Neuendorf 2002 Roland R. Berger: Harlekinade. Künstlerbuch mit Originalgrafik, Edition Schwarzdruck und carpe plumbum Leipzig, Gransee Roland R. Berger: Das kleine Glück zum Jahresende. Edition Schwarzdruck, Gransee 2012, ISBN 978-3-935194-53-2 Roland R. Berger: Illustriertes. Edition Schwarzdruck, Gransee 2024
Weblink
Informationen eines Pirckheimers: Kontinuität und Umbrüche: neuer Katalog Roland R. Berger Edition Schwarzdruck
Einzelnachweise
Kategorie:Grafiker (DDR) Kategorie:Grafiker (Deutschland) Kategorie:Person (Hohen Neuendorf) Kategorie:Kunstpädagoge Kategorie:Hochschullehrer (Humboldt-Universität zu Berlin) Kategorie:DDR-Bürger Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1942 Kategorie:Gestorben 2026 Kategorie:Mann