Die Belagerung von Schweidnitz war eine militärische Konfrontation während des Siebenjährigen Krieges. Sie dauerte vom 1. April bis zum 16. April 1758. Die von einer kaiserlich-österreichischen Garnison verteidigte Festung Schweidnitz () in Schlesien wurde dabei von preußischen Verbänden eingeschlossen und musste nach einem Bombardement und der Erstürmung mehrerer Außenwerke kapitulieren.
Hintergrund Im Herbst 1757 konnten die Habsburger einen großen Teil Schlesiens besetzen, darunter auch das zur Festung ausgebaute Świdnica, das am 14. November 1757 erobert worden war (→ Belagerung von Schweidnitz). Der Erfolg in der Schlacht bei Leuthen (5. Dezember 1757) ermöglichte den Preußen bald darauf die Rückeroberung Schlesiens. Breslau fiel am 21. Dezember und Liegnitz kapitulierte am 28. Dezember gegen freien Abzug.
Die Festung Schweidnitz stellte somit den einzigen verbliebenen Stützpunkt der Habsburger auf schlesischem Boden dar. Sie konnte im folgenden Feldzug als ein Ausgangspunkt für eine erneute Offensive der Kaiserlichen Heeres dienen und blockierte gleichsam den Weg für einen preußischen Vormarsch. Für König Friedrich II. lag es daher auf der Hand, dass der Rückeroberung der Festung unbedingte Priorität eingeräumt werden musste.
Nach der Eroberung der Festung hatten die Habsburger mit der Wiederherstellung der Verteidigungsanlagen begonnen, dafür aber kaum Zeit gehabt. Sie hatten hinter der Fortlinien eine bastionierte Kernumwallung geplant, die jedoch nicht durchgängig fertiggestellt worden war. Die Lücken mussten provisorisch mit Baumverhauen geschlossen werden. Zwar konnte der Kommandant Generalfeldzeugmeister Franz Ludwig von Thürheim nominell auf 7000 Mann zurückgreifen, doch hatten Krankheiten die Besatzung stark vermindert. Dennoch lehnte Thürheim eine Übergabe der Festung ab.Kriegsgeschichtliche Abteilung: Der Siebenjährige Krieg, Bd. 4, Berlin 1909, S. 56f. Noch Ende Januar hatte er in einem Brief an das österreichische Hauptquartier (der von preußischen Husaren abgefangen wurde) geklagt, dass er binnen 15 Tagen dringend 12.000 Mann Verstärkung brauche, um seine Position halten zu können. Die Arbeiter aus den umliegenden Dörfern seien weggelaufen und so hätte er kaum die nötigen Arbeitskräfte um die Verschanzungen zu komplettieren.Georg Winter: Hans Joachim von Zieten – Eine Biographie, Bd. 1, Leipzig 1886, S. 244 Zur Vorbereitung auf die Belagerung wurden die Häuser der Vorstädte abgerissen, um freies Schussfeld zu haben. Außerdem wurden die vorhandenen Lebensmittel in den Privathaushalten dokumentiert und zum Teil für die Garnison beschlagnahmt, was die Preise bereits vor der Belagerung in die Höhe trieb.Friedrich Julius Schmidt: Geschichte der Stadt Schweidnitz, Bd. 2, Schweidnitz 1848, S. 263f
Bereits am 1. Januar wurde Schweidnitz von einem preußischen Korps (17 Btl. und 35 Esk.) unter Generalleutnant Heinrich August de la Motte Fouqué blockiert. Fouqué versuchte die Wasserzuleitungen zu zerstören und Überschwemmungen im Umland zu verursachen. Er hoffte auf diese Weise den Betrieb der lokalen Mühlen zu verhindern und die Festung aushungern zu können. Anfang Februar wurde jedoch klar, dass diese Maßnahmen nicht ausreichen würden und eine förmliche Belagerung durchgeführt werden musste. Zur Deckung der Belagerungsoperationen, die für Mitte März vorgesehen waren, zog Friedrich II. starke Truppen bei Landeshut zusammen und entsandte Fouqué mit einem weiteren Korps in die Grafschaft Glatz.
Belagerung Eröffnung der Gräben mini|Zeitgenössischer Plan der Belagerungsarbeiten und preußischen Stellungen Unterdessen übernahm am 22. März Generalleutnant Joachim Christian von Tresckow den Befehl über die preußischen Truppen vor Schweidnitz, die aus 18 Bataillonen und 35 Eskadronen bestanden und etwa 10.000 Mann umfassten. Die Verbände hatten im Vorjahr Verluste erlitten und waren noch nicht wieder hergestellt, weshalb sie erheblich unter ihrer Sollstärke lagen; die Infanterie umfasste nur etwa 6000 Mann. Tresckow war im Vorjahr in der Schlacht bei Kolin verwundet gefangen genommen worden und erst seit kurzem durch einen Austausch wieder freigekommen. Er war während der Belagerung oft krank, weshalb die Verantwortung für die Operationen bei dem Ingenieur-Oberst Johann Friedrich von Balbi lag. Dieser hatte auch eine persönliche Motivation für die Rückeroberung von Schweidnitz, da sein Schwiegervater Philipp Loth von Seers die Festung im Vorjahr unter unrühmlichen Umständen verloren hatte. Zur Entlastung Treskows kommandierte Friedrich II. später noch seinen Generaladjutanten Generalmajor Moritz Franz Kasimir von Wobersnow ab.Kriegsgeschichtliche Abteilung: Der Siebenjährige Krieg, Bd. 4, Berlin 1909, S. 59
Die Vorbereitungen litten unter der schlechten Jahreszeit und mussten daher immer wieder aufgeschoben werden. Geschütze und Munitionswagen sanken im Schlamm ein und in dem vom Krieg verherten Gebiet war es schwer genügend Pferde aufzutreiben. Auf Drängen Friedrichs II. wurden die Tranchéen schließlich in der Nacht des 1./2. April 1758 eröffnet. Im Schutz der Dunkelheit gingen 1600 Infanteristen, 150 Mineure und 400 Bauern an die Aushebung der Parallele etwa 250 Meter vom Glacis des »Galgenforts« entfernt. Ein Ablenkungsmanöver südlich von Schweidnitz nahe dem »Bögenfort« (wo die Österreicher im Herbst 1757 angegriffen hatten), fesselte die Aufmerksamkeit der Garnison lang genug, um die Erdarbeiten bis zum Tagesanbruch genügend voranzutreiben. In der Nacht zum 3. April begannen die Preußen mit dem Bau von insgesamt zehn Batterie-Stellungen. Diese Arbeiten erwiesen sich als langwierig und schwierig, da der Boden teils noch gefroren und zudem sehr steinig war. Die österreichische Garnison beschoss die preußischen Annäherungen von den Wällen und den Außenforts und fuhr im Vorgelände vier Feldgeschütze auf mit denen es gelang einen Teil der preußischen Erdarbeiten wieder zu zerstören. Obwohl noch nicht alle Batterien fertiggestellt waren eröffneten die ersten preußischen Geschütze (aus fünf Batterien) am Morgen des 8. April das Feuer auf »Galgenfort«, die »Kirchenredeute« und das »Jauernicker Fort«. Obwohl nur ungenügend Munition zur Verfügung stand, konnten die Preußen bald die österreichischen Geschütze in den Außenwerken ausschalten und weitere Batterien errichten. Ab dem 14. April erwiderten die Österreicher das Feuer nur noch vom Hauptwall aus.Kriegsgeschichtliche Abteilung: Der Siebenjährige Krieg, Bd. 4, Berlin 1909, S. 60f
Sturm der Außenwerke mini|Darstellung der Belagerung von Schweidnitz 1758 (zeitgenössischer Kupferstich aus England) mini|Plan der Belagerungsarbeiten (teilweise kolorierter Kupferstich). Gut erkennbar sind die preußischen Batterien (rot), die Tranchéen (gelb), die Parallele (gelb) und die gegen das »Galgenfort« (f) vorgetriebene Sappe (gelb) sowie die Marschwege der Sturmkolonnen (türkis)
Inzwischen hatten preußische Pioniere eine Sappe bis auf weniger als 100 Meter gegen das »Galgenfort« vorangetrieben. Oberst von Balbi hatte zur Verkürzung der Operationen bereits am 12. April einen Sturmangriff mittels Leitern auf dieses Fort vor, von dem er wusste, dass seine Kehle schlecht ausgebaut war. Außerdem hatten Überläufer berichtet, dass nur eine schwache Besatzung zur Sicherung im Einsatz sei. Friedrich II. stimmte dem Plan zu, da er geeignet schien, die Einnahme von Schweidnitz zu beschleunigen. Er entsandte zu diesem Zweck zwei Grenadier-Bataillone, die am 14. April eintrafen. Aus den umliegenden Dörfern wurden sämtliche Feuerleitern zusammengetragen und der Sturmangriff auf den 16. April, um zwei Uhr morgens festgelegt.Kriegsgeschichtliche Abteilung: Der Siebenjährige Krieg, Bd. 4, Berlin 1909, S. 62
Unter dem Kommando von Generalmajor Christian Friedrich von Diericke sammelte sich in der Parallele die drei Grenadierbataillone »Dieringshofen«, »Benckendorf« und »Arnim« während die Artillerie die nördlichen Werke der Festung beschoss. Um zwei Uhr verlegte sie ihr Feuer auf den Hauptwall sowie die »Kirchenredeute« und das »Jauernicker Fort«. Die erste Sturmkolonne von 240 Grenadieren (Grenadierbataillon »Dieringshofen«) rückte entlang der Weistritz vor, schwenkte dann gegen das Fort ein und brach über durch den Verhau. Nach kurzer Gegenwehr wurde die österreichische Besatzung der Verschanzung überwältigt. Beigegebene 150 Mineure überwanden mit Leitern die Palisaden an der Kehle des »Galgenforts«, während die zweite Sturmkolonne (Grenadierbataillon »Benckendorf«) im Gedeckten Weg zwischen dem Fort und der Stadt in Stellung gingen, um österreichische Gegenangriffe abzuwehren. Nach dem Eintreffen der 100 Mann der dritten Sturmkolonne (Grenadierbataillon »Arnim«) setzte man zur eigentlichen Eroberung des »Galgenforts« an, dessen Besatzung von 3 Offizieren und 150 Mann sich bald ergab. Die Österreicher hatten tatsächlich keinen Unterstützung entsandt, wofür wohl ein Ablenkungsmanöver der Preußen ursächlich war. Das Regiment »Sydow« hatte gegenüber den »Jauernicker Fort« mit 300 Mann einen Scheinangriff ausgeführt. Unschlüssig, wo der preußische Hauptangriff tatsächlich erfolgte, verharrte die österreichische Reserve untätig nahe der evangelischen Kirche.Kriegsgeschichtliche Abteilung: Der Siebenjährige Krieg, Bd. 4, Berlin 1909, S. 63
Der Sturmangriff hatte nur etwas über ½ Stunde gedauert. Eine weitere Stunde später ließ Thürheim Chamade schlagen ohne den Versuch die Verteidigung auf dem Hauptwall weiterzuführen. Um 5 Uhr morgens traf Major Graf Wallis im preußischen Lager ein, um die Kapitulation zu verhandeln. Tresckow ging auf das österreichische Angebot einer Übergabe gegen freien Abzug der Garnison nicht ein. Er bestand auf die gleichen Bedingungen, wie sie im Vorjahr der preußischen Garnison gewährt worden waren, d. h. der Gefangennahme der gesamten Besatzung. Thürheim ging schließlich darauf ein und am 16. April besetzten die Preußen zwei Tore. Am Vormittag des 18. April rückte die Besatzung unter klingendem Spiel aus dem Striegauer Tor und durch das Spalier der Belagerer und streckte die Waffen.Kriegsgeschichtliche Abteilung: Der Siebenjährige Krieg, Bd. 4, Berlin 1909, S. 64
Ausgebliebener Entsatzangriff mini|hochkant|Feldmarschall Leopold Graf Daun (Ölgemälde eines unbekannten Künstlers) Auf österreichischer Seite war der Oberbefehlshaber der Hauptarmee Herzog Karl Alexander von Lothringen im Januar 1758 zurückgetreten und war durch Feldmarschall Graf Leopold Joseph von Daun ersetzt worden. Dieser traf am 12. März im Feldlager in Böhmen ein mit dem Auftrag die stark gelichteten Reihen der Armee wiederherzustellen und den Fall von Schweidnitz zu verhindern. Am 25. März ließ Daun Thürheim eine Nachricht zukommen: Er solle versuchen sich bis zum 15. April zu halten; bis dahin würde die Hauptarmee einen Entsatz der Festung eingeleitet haben. Danach kam er jedoch zur Überzeugung, dass die österreichische Hauptarmee noch nicht stark genug sei um die Operationen gegen die preußischen Truppen bei Landeshut aufzunehmen. Während Daun annahm, dass er zum Entsatz von Schweidnitz eine Schlacht schlagen müsste, für die er sich nicht gerüstet fühlte, drängten untergeordnete Generale wie Generalfeldwachtmeister Gideon Ernst von Laudon auf die Initiative. Zwischen beiden Generalen kam es daher in der Folge zu Differenzen.Alfred von Arneth: Geschichte Maria Theresia's, Bd. 5, Wien 1875, S. 354–359 Graf Daun konzentrierte zwar in den ersten Apriltagen die Armee bei Smirschitz, meinte aber weiterhin wegen fehlender Artillerie, Fuhrwerke und Pontons nicht gegen Schweidnitz marschieren zu können. Nach dem Fall der Festung bezog er dann eine Defensiv-Stellung bei Skalitz, um den Angriff der preußischen Hauptarmee zu erwarten.Gustav Amon von Treuenfest: Geschichte des kaiserl. und königl. Kärnthnerischen Infanterie-Regimentes Feldmarschall Graf von Khevenhüller Nr. 7, Wien S. 211
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