Placidus Tenner OSB (* als Jakob Martin Tenner am 1. Januar 1813 in Disentis; † 10. August 1885) war ein Schweizer Benediktinerpater und zweimal Superior des Klosters Disentis.
Leben Placidus Tenner legte am 7. November 1833 seine Profess ab und wurde am 28. März 1837 zum Priester geweiht. Er wurde 1839 Pfarrhelfer in Disentis, 1840 Kaplan in Curaglia, 1842 Pfarrer in Medels und 1855 Pfarrer in Disentis.Iso Müller, Elsanne Gilomen-Schenkel: Äbte. In: Helvetia Sacra. Band III/1, 1986. S. 511.
Der Konvent wählte Tenner am 24. März 1860 einstimmig zum neuen Oberen. Am 13. April 1860 wurde er vom Nuntius nicht zum lebenslänglichen Abt, sondern als «Superior ad nutum sanctae sedis» eingesetzt. Papst Pius IX. gestattete ihm auch ohne Abtweihe den Gebrauch der Pontifikalien. Die Abtei war nach einem Brand im Oktober 1846 in keiner guten Verfassung. Der Kulturkampf führte in der Schweiz zu zahlreichen Klosteraufhebungen. Die Verwaltung des Klosters Disentis hatte man 1859 der Staatskontrolle unterstellt. Die Finanzen waren zerrüttet und die Lage der Abtei wurde «immer schlimmer». Trotz seines guten Willens konnte Tenner die Verhältnisse nicht mehr ändern. Zudem verhinderte die Bündner Regierung 1861 weitgehend die Aufnahme von Novizen. Im selben Jahr wurde die Jurisdiktion des Klosters dem Churer Bischof unterstellt. Eine Restauration des Klosters gelang erst unter Abt Benedikt Prevost.
Nachdem Theodosius Florentini, Generalvikar von Chur, Paulus Birker als Abt in Disentis gewonnen hatte, trat Tenner am 31. Oktober 1861 von seinem Amt zurück. Unter Abt Birker war er von 1861 bis 1867 Dekan.
Nachdem Birker resignierte, wurde Tenner ein weiteres Mal von 1877 bis 1880 Superior des Klosters. Er starb am 10. August 1885.
Übersetzer Tenner übersetzte ein umfangreiches Werk in die rätoromanische Sprache: La clav dil Purgatieri U pietus exercecis de far per eonfiert dellas olmas dil Purgatieri. Translatai en Romansch da P. Placidus Tenner. Condrau, Disentis 1868.
Literatur Iso Müller: Der Quasi-Abt Placidus Tenner von Disentis. In: Bündner Monatsblatt 1969. S. 57–113. Iso Müller: Das Eingreifen der Bündner Regierung in die Disentiser Sedisvakanz 1858–1860. In: Jahresbericht der Historisch-Antiquarischen Gesellschaft von Graubünden 1966. S. 1–72.
Belege
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