Der BKC710Janßen, Horst: Breitband-Videorecorder - Über allen Normen, Funkschau 24/1991 (Bild-Koffer-Casette 710) war ein professioneller Videorecorder, der bei Grundig von 1988 bis 1991 entwickelt wurde, aber nie auf den Markt kam. Er sollte die professionellen 1"-Spulengeräte der Serie BK (Bild-Koffer) durch ein Kassettengerät ersetzen.

Die professionellen Video-Bandmaschinen von Grundig wurden im Bereich der Röntgen- und Ultraschalldiagnostik eingesetzt und hatten eine deutlich höhere Video-Bandbreite als Heimvideogeräte. Nur war Mitte der 1980er Jahre eine Bandmaschine schon lange nicht mehr Stand der Technik. Deshalb sollte ein Kassettengerät die Bandmaschinen ablösen.

Voraussetzungen

Die Videobandbreite sollte den anvisierten Applikationen angemessen sein. Für die Detailauflösung sollte sie deshalb bei 10MHZ liegen, grob doppelt so hoch wie bei Heimvideo-Geräten.

Bei den anvisierten Applikationen gab es deutlich mehr Normen als im Heimvideo-Bereich. Es sollte sowohl der 50-Hz- als auch der 60-Hz-Bereich abgedeckt werden, da der amerikanische Markt (60 Hz) als besonders lukrativ erschien. Außerdem waren Zeilenzahlen von 525 bis 1249 vorgesehen, umschaltbar über ein einfaches Menü.

Beim Suchlauf sollten im Bereich −1 bis +2 keine Störzonen sichtbar sein, damit der Anwender auch bei der Suche die Details ohne Streifen erkennen konnte.

Für das schnelle Auffinden von Aufnahmen sollte ein Timecode aufgezeichnet und ausgewertet werden können.

Für eine externe rechnergesteuerte Anlage sollte eine Serielle Schnittstelle vorhanden sein.

Eine einfache Bedienoberfläche sollte auch einem mit der Videotechnik wenig vertrautem und ungeübtem Anwender zumindest die elementaren Gerätefunktionen leicht zur Verfügung stellen.

Hohe Bandbreite

Im Heimvideo-Bereich genügte eine Bandbreite von 5,5 MHz, da dies die maximale übertragbare Frequenz in den gängigen Videosystem ist. Im professionellen Bereich, vornehmlich der Röntgendiagnostik, sind Bandbreiten von 10 MHz für eine detailreiche Darstellung notwendig. Diese Bandbreite war mit den Techniken aus dem Heimvideo-Bereich nicht erzielbar. Die „alten“ Bandmaschinen hatten mit ihrem ungleich größeren Kopfdurchmessern (ca. 200 mm gegen 62 mm bei VHS) und höheren Bandgeschwindigkeiten keine Probleme. Um diese Bandbreite in den Kassettenbetrieb zu bekommen, wurde auf eine 2-Kanal-Aufzeichnung zurückgegriffen, die aus den D2-Mac- und HD-Mac-Rekordern bekannt warGüttner, Eckhard: Breitbandvideorecorder für MAC-Signale. Vortrag 41 der 13. Jahrestagung der FKTG 1988, KölnKays, Dr. Rüdiger, Güttner, Eckhard: HD-Mac-Videorecorder - Video mit feinem Bild. Funkschau 18/1989, Spezial "Eureka-HDTV". Dazu wurde auf ein MII-Laufwerk von Panasonic zurückgegriffen, welches auf der Kopftrommel (gleiche Größe wie VHS) neben 4 Aufnahme-Wiedergabe-Köpfen auch 4 Feature-Köpfe auf Piezo-Elementen (ähnlich wie Video 2000) besaß. Es zeichnete also auf 2 parallelen Spuren ein Halbbild auf, wobei die Studiomaschinen von Panasonic hier Luminanz- und Chrominanz-Signal aufzeichneten. Damit war eine 2-Kanal-Aufzeichnung möglich. Das Eingangs-Video-Signal wurde digital auf diese 2 Kanäle „verteilt“ und so die hohe Bandbreite erzielt.

Signalverarbeitung

Das Eingangs-Signal wurde mittels 8-bit-A/D-Wandler mit 27 MHz digitalisiert und in einen Vollbildspeicher geschrieben. Die Synchronsignale wurde vorher abgetrennt, um einen besseren Störabstand zu erzielen. Aus dem Vollbildspeicher wurden die Daten zeilenweise alternierend mit 13,5 MHz ausgelesen und in 2 analoge Signale gewandelt. Diese beiden Signale wurden auf die 2 parallelen Schrägspuren auf dem Band aufgezeichnet.

Bei der Wiedergabe wurden die 2 parallelen Spuren auf getrennte A/D-Wandler mit 13,5 MHz gegeben und alternierend in den Vollbildspeicher geschrieben. Mit einer aufwändigen Linearisierung wurden die bei der Wiedergabe unausweichlichen Gleichlaufstörungen ziemlich gut ausgeglichen, so dass auch ohne Farbträgeraufbereitung vergleichsweise gute Farbbilder wiedergegeben werden konnten, wobei das System nur für Schwarz-Weiß-Aufnahmen konzipiert war. Der Vollbildspeicher wurde dann mit 27 MHz ausgelesen, das digitale Signal D/A-gewandelt, die Synchronsignale wieder angefügt um das analoge Signal an einem Monitor ausgeben zu können.

Daten

Insgesamt waren 16 unterschiedliche Videonormen von 525 Zeilen/60 Hz bis 1249 Zeilen 50/Hz über ein einfaches Menü vom Benutzer einstellbar.

Der Frequenzgang ging von 25 Hz bis 10 MHz mit einer Welligkeit von ±3 dB.

Der Störabstand war besser als 40 dB.

Einzelnachweise

Kategorie:Videotechnik