mini|Jolanta Wadowska-Król, 2021 Jolanta Danuta Wadowska-Król (geboren 27. Juni 1939 in Katowice; gestorben 18. Juni 2023 ebenda), auch Matka Boska Szopienicka (Mutter Gottes von Szopienice) genannt, war eine polnische Kinderärztin. Ihr Einsatz für die Gesundheit von mehreren tausend Kindern mit Bleivergiftung in den 1970er Jahren wurde Jahrzehnte später mit der Ehrenbürgerschaft der Stadt Katowice und der Ehrendoktorwürde der Schlesischen Universität gewürdigt.
Leben Jolanta Wadowska-Król wurde am 27. Juni 1939 in Katowice geboren. Sie studierte an der Medizinischen Fakultät der Schlesischen Medizinischen Akademie in Zabrze und schloss ihr Studium 1968 mit einem Diplom in Pädiatrie ab. Nach dem Studium nahm sie eine Tätigkeit als Kinderärztin in Katowice auf, zunächst in der Bezirksberatungsstelle im Stadtteil Szopienice, anschließend in Dąbrówka Mała, ebenfalls ein Stadtteil von Katowice.
Bei den von ihr behandelten Kindern bemerkte sie ein wiederkehrendes Krankheitsbild: Zahnausfall, Taubheit, Anämie und Bewegungsstörungen. Die Untersuchung eines Jungen im Krankenhaus von Zabrze bestätigte, dass es sich dabei um Symptome einer Bleivergiftung handelte, deren Ursache mutmaßlich Schadstoffe waren, die durch das nahegelegene Hüttenwerk, die Nichteisenmetallhütte "Szopienice", in Luft und Boden gelangten. Auf Anregung von Bożena Hager-Małecka, der zuständigen Kinderärztin der Wojewodschaft, begann Jolanta Wadowska-Król heimlich die Kinder in Szopienice, Burowiec und Dąbrówka Mała zu untersuchen. Unterstützung erhielt sie dabei durch die Krankenschwester Wiesława Wilczek. Auf Initiative des Arbeitsmediziners Edmund Gryglewic gab es beim Hüttenwerk „Szopienice“ bereits ein toxikologisches Labor.
Wadowska-Król führte Untersuchungen an mehreren tausend Kindern in der Umgebung des Hüttenwerks durch und sammelte dabei Daten für ihre Doktorarbeit. Sie erreichte, dass etwa 2000 erkrankte Kinder zu mehrmonatigen Kuraufenthalten in die Sanatorien nach Istebna und Rabka geschickt wurden. Häuser in unmittelbarer Nähe des Hüttenwerks wurden abgerissen, und die Familien in Wohnungen umgesiedelt, die weit entfernt von den toxischen Industrieanlagen neu errichtet worden waren. 200.000 Tonnen verseuchtes Erdreich wurden abgetragen. In die Fabrikschlote wurden Filteranlagen eingebaut.
Da im sozialistischen Polen nicht über die Bleivergiftung durch das Hüttenwerk geredet werden durfte, wurden die Maßnahmen heruntergespielt und offiziell als Vorsichtsmaßnahmen und vergleichende Forschung deklariert. Wadowska-Król hatte ihre Doktorarbeit mit den Ergebnissen ihrer Untersuchungen zwar fertiggestellt, durfte sie aber nicht verteidigen und nicht veröffentlichen. Die zunächst in einem Tresor verschlossenen Exemplare der Arbeit verschwanden unter nicht geklärten Umständen.
Jolanta Wadowska-Król starb am 18. Juni 2023.
Ehrungen mini|Wandbild zu Ehren von Jolanta Wadowska-Król in Katowice Nach der politischen Wende im ehemaligen Ostblock wurde die Leistung von Wadowska-Król wiederentdeckt und die Ärztin erfuhr eine späte Würdigung.
2015 erhielt sie die Medaille der Medizinischen Universität Schlesien für ihr soziales Engagement und die Förderung der Hochschule. Im September 2017 ernannte sie der Rat der Stadt Katowice zur Ehrenbürgerin. Im Jahr 2018 wurde sie mit dem Wojciech-Korfanty-Preis ausgezeichnet. 2021 verlieh ihr die Schlesische Universität Katowice in Anerkennung ihrer Forschung und ihres Engagements die Ehrendoktorwürde.
Adaption
2026 veröffentlichte der Streaming-Anbieter Netflix die Miniserie Die Bleikinder über das Leben von Jolanta Wadowska-Król mit Joanna Kulig in der Hauptrolle.
Weblinks Die bleiernen Kinder von Szopienice: Jolanta Wadowska-Król, die polnische Ärztin, die sich gegen das System stellte.
Einzelnachweise
Kategorie:Pädiater Kategorie:Mediziner (20. Jahrhundert) Kategorie:Mediziner (21. Jahrhundert) Kategorie:Pole Kategorie:Geboren 1939 Kategorie:Gestorben 2023 Kategorie:Frau