Postpartale Hämorrhagien (PPH) oder postpartale Blutung ist eine verstärkte Blutung. Eine PPH liegt bei einem Blutverlust von mehr als 500 ml innerhalb der ersten 24 Stunden oder von mehr als 1.000 ml nach einem Kaiserschnitt vor. Einige Ärzte betrachten die Erkrankung nur dann als gegeben, wenn Anzeichen oder Symptome einer Hypovolämie vorliegen. Zu den ersten Anzeichen und Symptomen können gehören: erhöhter Puls, Schwindel beim Aufstehen und beschleunigte Atmung. Bei weiterem Blutverlust kann der Frau kalt werden, ihr Blutdruck kann sinken, und sie kann unruhig werden oder das Bewusstsein verlieren. Eine Hämorrhagie kann bis zu sechs Wochen nach der Entbindung auftreten.
Ursache Die häufigste Ursache ist eine unzureichende Kontraktion der Gebärmutter nach der Geburt. Weitere Ursachen können eine unvollständige Plazentaablösung, ein Uterusriss oder eine gestörte Blutgerinnung sein.
Verbreitung Eine postpartale Hämorrhagie tritt häufiger bei Personen auf, die bereits an einer Anämie leiden, asiatischer Abstammung sind, ein großes Kind oder Mehrlinge geboren haben, übergewichtig sind oder älter als 40 Jahre sind. Sie tritt auch häufiger nach einem Kaiserschnitt auf sowie bei Geburten mit medikamentöser Weheneinleitung, Vakuumextraktion, Geburtszange oder Dammschnitt.
Vorbeugung Zur Prävention gehört die Reduktion bekannter Risikofaktoren, einschließlich des Verzichts auf vermeidbare geburtshilfliche Eingriffe. Zudem sollte das Medikament Oxytocin verabreicht werden, um die Kontraktion der Gebärmutter kurz nach der Geburt des Kindes anzuregen. In ressourcenarmen Ländern kann Misoprostol als Alternative zu Oxytocin eingesetzt werden.
Behandlung Zu den Behandlungsmethoden gehören eine intravenöse Flüssigkeitszufuhr von bis zu 2 Litern einer 0,9%igen Natriumchloridlösung. Sollte diese Maßnahme nicht ausreichen, erfolgt eine Bluttransfusion. Bei einer medikamentösen Behandlung wird das Medikament Ergometrin als Uterotonikum verabreicht, um weitere Uteruskontraktionen auszulösen. Eine manuelle Kompression der Gebärmutter kann wirksam sein, wenn andere Maßnahmen nicht greifen. Auch eine Kompression der Aorta durch Druck auf den Bauch ist möglich. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt nicht-pneumatische Anti-Schock-Kleidung als Übergangslösung, bis andere Maßnahmen, etwa ein chirurgischer Eingriff, durchgeführt werden können. Zudem senkt Tranexamsäure das Sterberisiko; eine Gabe innerhalb von drei Stunden nach der Entbindung wird empfohlen.
Kulturelle Aspekte In Entwicklungsländern sind etwa 1,2 % der Geburten mit einer postpartalen Blutung (PPH) verbunden. Tritt eine PPH auf, sterben etwa 3 % der betroffenen Frauen daran. Weltweit kommt es jährlich zu rund 8,7 Millionen PPH, die zu etwa 44.000 bis 86.000 Todesfällen. Damit zählt die postpartale Hämorrhagie zu den häufigsten Ursachen mütterlicher Mortalität. Während im Vereinigten Königreich etwa 0,4 Frauen pro 100.000 Geburten an postpartaler Hämorrhagie sterben, sind in Subsahara-Afrika rund 150 Frauen pro 100.000 Geburten. Die Sterberate im Vereinigten Königreich ist seit mindestens Ende des 19. Jahrhunderts deutlich zurückgegangen.
Einzelnachweise
Kategorie:Krankheitsbild in Gynäkologie und Geburtshilfe