mini|hochkant|Sacramentstoren. Sint-Jacobskerk, Gent Jérôme Du Quesnoy l’Ancien (auch Hiëronymus oder Jeroom Du Quesnoy; * um 1570; † 1641/42 in Brüssel) war ein flämischer Bildhauer, dessen Werk in die Übergangszeit von der Renaissance zum Barock fällt.

Leben Über seine Herkunft und Ausbildung ist nichts überliefert. Er ist erstmals im Jahr 1595 in Brüssel dokumentiert, als der Taufschein seines ältesten Sohnes Philippe ausgestellt wurde. In den Jahren 1597 bis 1599 ist im Armenregister der Pfarrkirche Notre-Dame de la Chapelle eine Zahlung für die Ausführung einer steinernen Christusstatue verzeichnet, die heute nicht mehr erhalten ist. In dieser Zeit war er Mitglied der Brüsseler Gilde der Quatre Couronnés. Jérôme Du Quesnoy war in erster Ehe mit Elisabeth van Mechelen, verwitwete Crabbe, verheiratet und hatte mit ihr fünf Kinder, darunter die später ebenfalls als Bildhauer tätigen Söhne François Du Quesnoy und Jérôme Du Quesnoy der Jüngere, die er selbst ausbildete. Mit einer zweiten, namentlich nicht bekannten Ehefrau hatte er ein weiteres Kind.

Ab etwa 1608 lebte die Familie im Quartier de la Putterie in Brüssel. Archivalische Quellen belegen eine kontinuierliche und umfangreiche Tätigkeit, überwiegend in Brüssel. Zwischen 1616 und 1622 arbeitete er mehrfach gemeinsam mit seinen Söhnen an kirchlichen Aufträgen. Im Jahr 1641 entrichtete er letztmals seinen Zins an die Kirche Sainte-Catherine in Brüssel; kurz darauf starb er, entweder im Jahr 1641 oder 1642. Neben seinen Söhnen bildete Du Quesnoy unter anderem Henri Steps und Ghislain Poille aus.

Werk mini|Manneken-Pis, in der Rue de l’Étuve, Brüssel. Kopie der Bronzeskulptur aus dem Jahr 1619. Das Original heute im Musée de la Ville de Bruxelles Das Werk von Jérôme Du Quesnoy ist nur fragmentarisch überliefert, zahlreiche Arbeiten sind verloren gegangen. Im Jahr 1604 erhielt er eine Zahlung für Seraphimköpfe für das Gemach des Erzherzogspaares Albert und Isabella im Palast der Herzöge von Brabant in Brüssel. Im Jahr 1605 restaurierte er vier Statuen im Labyrinth des zum Palast gehörenden Parks. Für die Jahre 1612 und 1613 sind weitere Arbeiten an Ornamentfiguren und Statuen in einer Grotte dieses Parks dokumentiert. Für Brüsseler Kirchen schuf er unter anderem im Jahr 1605 Eichenholzstatuen des heiligen Urbanus und des Noah für den Altar der Weinhändlerinnung in der Kirche Saint-Nicolas sowie einen Christus am Kreuz für die Kirche Saint-Géry. Für die Jesuitenkirche entstanden zwei Engel, die in der älteren Literatur teils seinem Sohn François zugeschrieben wurden. Darüber hinaus fertigte er ein Tabernakel für die Kirche Saint-Jacques-sur-Coudenberg und im Jahr 1620 eine Madonna mit dem Kind für den Altar des Heiligen Sakraments des Wunders in der Stiftskirche Sainte-Gertrude. Diese Werke sind nicht erhalten. Im Jahr 1617 konzipierte und schuf er für den Marché aux poissons in Brüssel die sogenannte Fontaine des Satyres, die ebenfalls verloren ist. Im Jahr 1619 lieferte er die Figur des Manneken Pis für einen öffentlichen Brunnen in der Rue de l’Étuve.

Jérôme Du Quesnoy war auch außerhalb Brüssels tätig. So reichte er im Jahr 1625 einen Entwurf von Jacques Francart für den neuen Hochaltar der Onze-Lieve-Vrouwekerk in Dendermonde ein und war möglicherweise an dessen Ausführung beteiligt. Von 1628 bis 1633 schuf er für dieselbe Kirche den Altar der Bruderschaft Unserer Lieben Frau, der sich heute in der Sankt-Rochus-Kapelle in Dendermonde befindet. Weitere heute nicht mehr vorhandene Werke, die ihm zugeschrieben werden, sind unter anderem Statuen für das Schloss in Tervuren, Figuren für das Rathaus von Halle sowie Arbeiten für das Priorat von Terdonck. Oskar Roelandts schrieb ihm zudem Altarstatuen im Querschiff der „Onze-Lieve-Vrouw-ter-Meerkerk“ in Thienen zu. Als einzig gesichertes und erhaltenes Werk gilt das im Jahr 1604 vollendete und im 18. Jahrhundert restaurierte Tabernakel der Sint-Martinuskerk in Aalst. Es handelt sich um einen großen Turm aus Stein, Holz und verschiedenfarbigen Marmoren mit zahlreichen Kleinfiguren. Er ist in Anlehnung an das Tabernakel von Cornelis Floris aus dem Jahr 1557 in der Katharinakerk in Zundert gestaltet und zeigt noch Formen der Renaissance. Aufgrund stilistischer Vergleiche wird ihm auch das Tabernakel von 1593 in der Sint-Jakobskerk in Gent zugeschrieben.

Literatur Lydie Hadermann-Misguich: Les Duquesnoy. Gembloux, 1971. Mariette Fransolet: François du Quesnoy, sculpteur d’Urbain VIII. Palais des Académies, 1942. Oskar Roelandts: De beeldhouwers Hiëronymus Duquesnoy vader en zoon. Stedelijke Jongensberoepsschool, Gent 1935–1940.

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Manneken-Pis

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