Jan Leonhard Camenisch (* 25. April 1968 in Chur) ist ein Schweizer Informatiker und Kryptologe. Er forscht insbesondere in den Bereichen Datenschutz und Kryptographie, mit einem Schwerpunkt auf anonymen Berechtigungsnachweisen.
Karriere Camenisch wuchs in Langwies auf. Er studierte Elektrotechnik an der ETH Zürich, wo er 1993 sein Diplom erhielt. Im Jahr 1998 promovierte er ebenfalls an der ETH Zürich bei Ueli Maurer im Fach Informatik.
Nach seiner Promotion war Camenisch zunächst Assistenzprofessor für Informatik an der Universität Aarhus in Dänemark. Im Jahr 1999 wechselte er zum IBM-Forschungslabor in Rüschlikon, wo er die Forschungsgruppe für Datenschutz und Kryptographie leitete sowie den kryptographischen Algorithmus «Identity Mixer» mitentwickelte.«Identity Mixer»: IBM-Forscher packen neuartigen Datenschutz in die Cloud. In: Computerwoche. 28. Januar 2015, abgerufen am 26. Februar 2026. Zusammen mit Ernie Brickell von Intel und Liqun Chen von HP war er zudem massgeblich am Design der Direct Anonymous Attestation (DAA) beteiligt.Direct Anonymous Attestation (DAA). Trusted Computing Group, 12. Oktober 2005, abgerufen am 26. Februar 2026 (PDF; 378 kB). Dieser Standard der Trusted Computing Group (TCG) ermöglicht es Computern oder Smartphones, sich gegenüber einem Netzwerk als sicher und echt zu verifizieren, ohne dass dabei eine eindeutige Identifikationsnummer des Geräts übertragen werden muss. So wird verhindert, dass die Aktivitäten eines einzelnen Geräts nachverfolgt werden können.
Ab 2018 war er als Technischer Direktor für die Dfinity Foundation tätig und trieb dort die Entwicklung des Internet Computer Protocol (ICP) voran.Why ICP Is Essential. In: medium.com. 22. August 2025, abgerufen am 26. Februar 2026. Es zielt darauf ab, die Leistungsfähigkeit herkömmlicher Server direkt auf einer Blockchain bereitzustellen, damit komplette Software-Anwendungen dezentral und fälschungssicher betrieben werden können. Seit Ende 2025 forscht er bei Subzero Labs, einem Unternehmen, das auf kryptographische Sicherheitslösungen und Hardware-Infrastruktur für dezentrale Netzwerke spezialisiert ist.
Auszeichnungen (Auswahl) 2010: ACM SIGSAC Outstanding Innovation Award 2013: IEEE Computer Society Technical Achievement Award 2013: Fellow des Institute of Electrical and Electronics Engineers (IEEE) 2017: Fellow der International Association for Cryptologic Research (IACR)Jan Camenisch, 2017 IACR Fellow. IACR. 2018: IFIP Kristian Beckman AwardSteven Furnell: KBA – Jan Camenisch. IFIP, 2018. 2018: Fellow der Association for Computing Machinery (ACM) 2024: IACR Levchin-Preis für Real-World Cryptography (gemeinsam mit Anna Lysyanskaya)
Publikationen (Auswahl) Camenisch hat über 140 wissenschaftliche Arbeiten veröffentlicht und hält rund 140 Patente weltweit.
mit Markus Stadler: Efficient Group Signature Schemes for Large Groups. Crypto, 1997. mit Anna Lysyanskaya: An Efficient System for Non-transferable Anonymous Credentials with Optional Anonymity Revocation. Eurocrypt, 2001. mit Ernie Brickell, Liqun Chen: Direct Anonymous Attestation. ACM CCS, 2004.
Weblinks Website von Jan Camenisch Publikationsliste bei Google Scholar
Einzelnachweise
Kategorie:Kryptologe Kategorie:Informatiker Kategorie:Schweizer Kategorie:Geboren im 20. Jahrhundert Kategorie:Mann