mini|alt=Morena Herrera 2018. Porträt einer Latina-Frau mit schwarzen locken, einer randlosen Brille und einer Batik-Bluse mit Mikrophon.|Morena Herrera 2018 Morena Herrera (geb. 1959 oder 1960) ist eine Feministin und Sozialaktivistin in El Salvador, die sich vor allem für ihren Kampf gegen das Abtreibungsverbot in ihrem Land einsetzt. Während des salvadorianischen Bürgerkriegs, der 1992 endete, kämpfte Herrera als linke Freiheitskämpferin für die Frente Farabundo Martí para la Liberación Nacional (FMLN) gegen die von den USA unterstützte Regierung. Seit der Abschaffung des Abtreibungsverbots im Jahr 1997 engagiert sie sich besonders für den Zugang zu sicheren und legalen Schwangerschaftsabbrüchen und arbeitet seit 2009 mit der Bürgergruppe für die Entkriminalisierung von Abtreibung zusammen, die sie heute leitet. 2016 wurde Herrera für ihren Beitrag zu den Frauenrechten in El Salvador in die Liste der 100 Women (100 einflussreichsten Frauen) der BBC aufgenommen.

Leben Morena erwarb einen Masterabschluss in Gender Relations an der Universität Girona und einen Masterabschluss in Lokaler Entwicklung (Desarrollo Local) an der Universidad Centroamericana “José Simeón Cañas” in San Salvador, wo sie auch ein Promotionsstudium in Iberoamerikanischer Philosophie absolvierte. Ihre Forschungsschwerpunkte umfassen Femizide, die Bürgerrechte und politische Teilhabe von Frauen, soziale Frauenbewegungen sowie die Folgen der absoluten Kriminalisierung von Abtreibung.

Schon in jungen Jahren engagierte sich Herrera während des salvadorianischen Bürgerkriegs für soziale Veränderung. Sie kämpfte über zehn Jahre lang mit der Farabundo-Martí-Nationalen Befreiungsfront (FMLN) gegen die von den USA unterstützte Regierung.

1990, kurz vor dem Abschluss der salvadorianischen Friedensabkommen, war sie Gründungsmitglied der feministischen politischen Organisation Las Dignas, die von direkten Teilnehmern des bewaffneten Konflikts gegründet wurde. Sie war außerdem Gründungsmitglied des Verbandes der Veteraninnen des salvadorianischen Bürgerkriegs (Asociación de Mujeres Veteranas de la guerra civil de El Salvador) und des Nationalen Verbandes der Stadträtinnen, Treuhänderinnen und Bürgermeisterinnen (Asociación Nacional de Regidoras, Síndicas y Alcaldesas, Andrysas). Sie ist außerdem Präsidentin der Bürgerinitiative zur Entkriminalisierung von Abtreibung und Mitglied des feministischen Kollektivs für lokale Entwicklung, einer Organisation, die sie mitbegründet hat.

Herrera äußerte sich deutlich zu den 1992 unterzeichneten Friedensabkommen, die sie als schwerwiegend problematisch für die Rechte der Frauen in El Salvador ansah. Sie sagte dazu:

Die Situation für Frauen und das Thema Abtreibung hat sich seit 1997 verschärft, als Änderungen im Strafgesetzbuch Abtreibung vollständig verboten, nachdem sie zuvor in schweren Fällen, etwa bei Lebensgefahr oder Vergewaltigung, zulässig gewesen war. Da das Land streng katholisch geprägt ist, gilt Abtreibung als inakzeptabel, selbst für schwangere Teenagerinnen, die ohnehin mit vielen Problemen zu kämpfen haben. Seit dem Inkrafttreten des Abtreibungsverbots in El Salvador 1998 wurden über 600 Frauen, die einer Abtreibung beschuldigt wurden, zu Haftstrafen von bis zu vierzig Jahren verurteilt. Besonders tragisch ist, dass die meisten dieser Frauen eine Fehlgeburt erlitten haben. Nun müssen sie den Verlust ihres Kindes verkraften, während sie für ein „Verbrechen“ im Gefängnis sitzen, welches sie nicht begangen haben. „Las 17“ ist eine Gruppe inhaftierter Frauen, für deren Freilassung Herrera und ihre Mitstreiterinnen gekämpft haben. Obwohl einige dieser Frauen freigelassen wurden, wurden viele weitere Frauen wegen desselben „Verbrechens“ verurteilt und trotz aller Bemühungen von Herrera und ihren Mitstreiterinnen inhaftiert. Herrera kritisiert, dass die Regierung die reproduktiven Rechte von Frauen nicht anerkennt, ungeachtet der Risiken, die eine Schwangerschaft für die Mutter birgt. Derzeit sind ein Drittel der Schwangerschaften in El Salvador Teenager-Schwangerschaften, was unter anderem darauf zurückzuführen sein könnte, dass junge Frauen von den in der Nähe von San Salvador, der Hauptstadt des Landes, aktiven Banden vergewaltigt werden. Diese jungen Frauen sind aufgrund ihrer Entwicklung anfälliger für Schwangerschaftskomplikationen. Politiker wollen das Abtreibungsverbot nicht aufheben, weil sie befürchten, von der Kirche und Organisationen wie der Yes to Life Foundation nicht wiedergewählt zu werden. Die Vorstellung, dass die einzige Bestimmung der Frau darin besteht, Mutter zu sein und den Haushalt zu führen, ist in Kirche und Gesellschaft El Salvadors weit verbreitet und führt dazu, dass Frauen in ihrem Recht auf Selbstbestimmung über ihren Körper nicht unterstützt werden. Erschwerend kommt hinzu, dass Verhütungsmittel für die meisten Frauen schwer zugänglich sind und selbst wenn sie welche erhalten, wirken sie meist nicht richtig. Herrera hatte große Hoffnungen in die Präsidentschaft von Salvador Sánchez Céren gesetzt. Doch während sein Amt und sein Leben im Kampf gegen Banden und die gesellschaftlichen Missstände auf dem Spiel standen, schreitet die Verbesserung der Frauenrechte nur sehr langsam voran. Herrera wird häufig bedroht, trotzdem setzt sie sich weiterhin für ein besseres, selbstbestimmtes Leben für alle Frauen in El Salvador ein.

Seit 2009 arbeitet Herrera mit der Bürgerinitiative zur Entkriminalisierung von Abtreibung (Citizen’s Group for the Decriminalization of Abortion) zusammen, die sie mittlerweile leitet. 2013 kritisierte sie das Urteil des Corte Suprema de Justicia de El Salvador (Oberster Gerichtshof) scharf, der einer unheilbar kranken Frau, die keine Überlebenschance hatte, eine Abtreibung verweigerte, und nannte es „unverantwortlich“ („irresponsible“). Amnesty International veröffentlichte im Januar 2015 einen Bericht über ihre Arbeit, und 2016 wurde sie von der BBC in die Liste der 100 einflussreichsten Frauen aufgenommen. 2023 wurde Herrera für den Sacharow-Preis für geistige Freiheit nominiert, der vom Europäischen Parlament an Einzelpersonen und Organisationen verliehen wird, die sich für die Verteidigung der Menschenrechte und Grundfreiheiten einsetzen.

1997 vertrat Herrera Frauen- und feministische Organisationen im ersten Vorstand des Instituto Salvadoreño de Desarrollo de la Mujer (ISDEMU – Salvadorianisches Institut für Frauenentwicklung) und war Mitglied der Kommission, welche die erste nationale Frauenpolitik erarbeitete. Im Jahr 2000 vertrat sie die Stadtverwaltung von San Salvador in der Beratungskommission zur Entwicklung von Richtlinien zur Bürgerbeteiligung für die Gleichstellung der Geschlechter. Anschließend setzte sie sich für die Einführung ähnlicher Richtlinien in anderen Städten des Landes ein.

Sie war während der Legislaturperiode 2003–2004 stellvertretende Abgeordnete der Nationalversammlung. Ihre Kandidatur war mit der Bürgerinitiative verbunden; sie begleitete den Abgeordneten Héctor Dada Hirezi von der Partei Centro Democrático.Anuario Legislativo 2003–2004

Ehrungen 2011: Verdienstorden des spanischen Staates. 2016: Auszeichnung der BBC als eine der 100 Women für ihren Einsatz gegen das Abtreibungsverbot in El Salvador und für ihre Unterstützung von Frauen, die wegen Abtreibungen inhaftiert wurden. 2018: Auszeichnung als Menschenrechtsaktivistin: Gesichter für Gleichberechtigung von der kanadischen Botschaft in El Salvador für ihren Einsatz zum Schutz der Frauenrechte, insbesondere im Bereich der sexuellen und reproduktiven Rechte. 2023: Sacharow-Preis für ihr Engagement für Menschen- und reproduktive Rechte. 2023: Simone-Veil-Preis der Französischen Republik im Namen der Bürgergruppe für die Entkriminalisierung von Abtreibung. 2026: Premio Internacional Defensora 2026 (Internationaler Verteidigerpreis 2026) des Verbandes für sexuelle und reproduktive Rechte Kataloniens.

Einzelnachweise

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