Die Sovereign Tech Agency GmbH ist eine Tochtergesellschaft der SPRIND GmbH mit Sitz in Berlin. Sie wird im Auftrag des Bundesministeriums für Digitales und Staatsmodernisierung (BMDS) betrieben und unterstützt die Entwicklung und den Erhalt von Open-Source-Software. Sie ging hervor aus dem Sovereign Tech Fund mit gleicher Aufgabenstellung, der im November 2024 in das Unternehmen eingegliedert wurde. Die ersten Mittel wurden im Mai 2022 durch den Bundestag bewilligt. Seit 2025 wird die Sovereign Tech Agency als ein Modellprojekt für die Institutionalisierung der Förderung von Open-Source-Infrastruktur auf EU-Ebene betrachtet.
Geschichte Das Unternehmen wurde 2021 als Analog Intelligence GmbH in Leipzig gegründet. 2024 wurde der Sitz nach Berlin verlegt, umbenannt und der Gesellschaftsvertrag neu gefasst.Amtsgericht Charlottenburg, Eintragung HRB 268739 ins Handelsregister B
Zweck der Förderung Gemäß dem Bundeshaushaltsplan zielt das Programm darauf ab, offene Basistechnologien zu fördern und abzusichern.Bundeshaushaltsplan 2023, Einzelplan 09, Kapitel 09 01 – Titel 685 03. Es soll das Open-Source-Ökosystem widerstandsfähiger gegen externe Angriffe machen und so die Cybersicherheit sowie die Resilienz der deutschen Wirtschaft stärken. Die Initiative setzt eine Forderung der Bundesregierung um. Zudem adressiert sie das klassische Trittbrettfahrerproblem, mit dem viele Open-Source-Projekte konfrontiert sind.
Die Förderung ist zeitlich befristet und auf spezifische Herausforderungen oder Sicherheitsvulnerabilitäten ausgerichtet.Response from State Secretary Udo Philipp, October 26, 2022, to a written question from Member of Parliament Dr. Petra Sitte (THE LEFT), Parliamentary Paper 20/4209, p. 19., Bundestags-Drucksache 20/4209, S. 19.
Finanzierung und Organisation Im Jahr 2022 verfügte das Programm über ein Budget von 13 Millionen Euro, das 2023 auf rund 22 Millionen Euro anstieg. 2024 standen 17 Millionen Euro zur Verfügung, für 2025 waren 29 Millionen Euro vorgesehen.
Die Geschäftsführung besteht aus:
Adriana Groh, ehemals beim Prototype Fund der Open Knowledge Foundation Luisa von Beust (Co-Geschäftsführerin), zuvor für verschiedene Wirtschaftsunternehmen tätig. Die Sovereign Tech Agency GmbH wurde mit dem Ziel der Entwicklung, Verbesserung und Pflege offener digitaler Technologien und der Stärkung des Open-Source-Ökosystems ins Lobbyregister des deutschen Bundestags eingetragen.
Aktuelle Programme Die Sovereign Tech Agency operiert über verschiedene spezialisierte Programmsäulen, um die Sicherheit und Stabilität digitaler Infrastrukturen zu fördern:
Sovereign Tech Fund Das Kernprogramm tätigt gezielte Investitionen in offene Softwarekomponenten, die für die Wettbewerbsfähigkeit und Innovationskraft in Deutschland und Europa als grundlegend eingestuft werden. Der Fokus liegt dabei auf tief liegender Basis-Infrastruktur, um sektorübergreifende Skaleneffekte für Nachnutzer, insbesondere Start-ups und KMU, zu erzielen. Sovereign Tech Resilience Dieses Programm verfolgt einen präventiven Ansatz zum Schutz kritischer digitaler Infrastruktur. Neben der Identifizierung und Behebung von Sicherheitslücken (z. B. durch Bug-Bounty-Programme) soll die proaktive Widerstandsfähigkeit von Open-Source-Projekten gegen unentdeckte Schwachstellen erhöht werden. Sovereign Tech Fellowship Mit dem „Maintainer-in-Residence“-Modell unterstützt die Agentur ausgewählte Experten des Open-Source-Ökosystems. Ziel ist es, die oft unbezahlte Arbeit an kritischem Code finanziell abzusichern und die personelle Nachhaltigkeit hinter wichtigen Technologien zu stärken. Sovereign Tech Standards Unterstützt Open-Source-Experten bei Standardisierungsprozessen zum Zweck der Erhöhung von Interoperabilität im Open-Source-Ökosystem und will Praxiserfahrung in die Entscheidungsprozesse bringen, die Interoperabilität prägen. Sovereign Tech Challenge Dieses Modell nutzt Wettbewerbe, um innovative Lösungen für strukturelle Herausforderungen im Open-Source-Bereich zu finden. Dies umfasst die Weiterentwicklung von Komponenten für Zukunftstechnologien sowie die Absicherung bestehender technologischer Abhängigkeiten.
Unterstützte Open-Source-Projekte Bis Mai 2026 erhielten unter anderem folgende Projekte eine Förderung:
ActivityPub testsuite: €152.000 Arch Linux Package Management (ALPM): €562.800 coreutils: €99.060 cURL: €195.500 Drupal: €278.700 Eclipse Foundation: €515.200 FFmpeg: €157.580 Fortran Ökosystem (z. B. Fortran Package Manager, fpm): €816.000 FreeBSD: €686.400 GNOME: €1.000.000 GNU libmicrohttpd: €300.000 GopenPGP/OpenPGP.js: €176.955 GStreamer: €203.000 KDE: €1.285.200 JavaScript Ökosystem (siehe auch OpenJS): €176.955 JUnit: €180.000 Log4j: €596.160 Mamba: €349.875 OpenBGPd: €200.000 OpenBLAS: €263.000 OpenJS: €874.940 OpenStreetMap: €384.000 OpenMLS: €195.000 OpenSSH: €200.000 Pendulum: €449.850 PHP: €205.000 Prossimo: Teil der Internet Security Research Group zur Unterstützung von Projekten wie Rustls: €1.436.729 Python Package Index: €1.056.672 Reproducible builds: €353.430 RubyGems & Bundler: €668.400 Samba: €688.800 Sequoia PGP: €900.000 systemd: €455.000 WireGuard: €209.000 Yocto Project: €759.000
Rezeption Bereits der Sovereign Tech Fund wurde in seiner Form als weltweit einmaliges System betrachtet, mit dem die Wartung kritischer Open-Source-Programme verbessert werde. In Österreich wurde er als Vorbild für staatliche Maßnahmen zur Stärkung digitaler Souveränität angeführt. In der spanischen El Pais wurde die Verbreitung von Open Source in 70–90 % aller Programme als Begründung für die Bedeutung einer Institution wie dem STA für die Computersicherheit angeführt.
Die Hans Böckler-Stiftung beschrieb 2025 die STA in einer Studie als beispielhafte Initiative zur Sicherstellung einer souveränen digitalen Infrastruktur und attestierte ihr Wirksamkeit auf Ebenen von der konkreten Softwareentwicklung bis hinauf zur europäischen digitalen Infrastruktur.
Mit der Gründung des europäischen Konsortiums Digital Commons EDIC (European Digital Infrastructure Consortium) wurde auf europäischer Ebene eine Organisation zur Förderung von offenen Technologien und souveränen digitalen Infrastrukturen geschaffen, die von deutscher Seite aus durch die Sovereign Tech Agency mit ihrer Expertise unterstützt wird. Teilnehmende Länder sind bislang Deutschland, Frankreich, Italien und die Niederlande.
Die europäische Kommission betrachtet die Organisation als Referenzmodell für die Förderung von Open-Source-Infrastruktur. Die erfolgreiche Etablierung und die darauffolgende Arbeit werde durch eine Sammlung klar festgelegter, guter Vorgehensweisen unterstützt und stoße auf Interesse sowohl bei EU-Mitgliedsstaaten wie auch auf EU-Ebene selbst.
Eine vom OpenForum Europe, Fraunhofer ISI und dem European University Institute beauftragte Studie betrachtet den deutschen Sovereign Tech Fund und seine Entwicklung zur Sovereign Tech Agency als Vorbild für eine finanziell deutlich besser ausgestattete Institution auf EU-Ebene und schlägt vor, dass „...die Einführung eines Sovereign Tech Fund auf EU-Ebene eng dem Vorbild des deutschen STF folgen sollte, mit nur kleinen Unterschieden in Bezug auf Betonungen und strategischer Positionierung.“
Das Bündnis F5, bestehend aus AlgorithmWatch, Gesellschaft für Freiheitsrechte, Open Knowledge Foundation Deutschland, Reporter ohne Grenzen und Wikimedia Deutschland nennt die Sovereign Tech Agency unter den „guten Ansätzen“, die es in der EU zur Reduktion der Abhängigkeit von insbesondere US-amerikanischen Techkonzernen gebe, kritisiert aber ebenfalls die zu niedrige finanzielle Ausstattung.
Siehe auch
Digitale Souveränität Horizon Europe
Einzelnachweise und Anmerkungen
Weblinks
Offizielle Website
Kategorie:FLOSS-Kultur Kategorie:Wirtschaftspolitik (Deutschland)