mini|Traunstein von Nordosten
Traunstein ist eine Große Kreisstadt und Hochschulstadt im Regierungsbezirk Oberbayern. Die Mittelstadt ist Hauptort des Chiemgaus und Kreisstadt des gleichnamigen Landkreises. Traunstein ist ein Oberzentrum.
Geographie Lage Traunstein liegt etwa zehn Kilometer östlich des Chiemsees und 15 km nördlich der Chiemgauer Alpen auf einer Höhe von . Die Stadt wird in ihren östlichen Teilen vom Fluss Traun durchflossen. Im Südosten liegt der Ort Hochberg, der zugleich der Traunsteiner Hausberg ist. Südlich von Traunstein unterhalb des Hochbergs an der Traun liegt das Pfarrdorf Haslach. Im Westen liegt das Dorf Wolkersdorf. Beide wurden 1978 eingemeindet. Im Norden liegt, durch den Stadtwald und den Standortübungsplatz Kammer getrennt, das 1972 eingemeindete Pfarrdorf Kammer mit dem Ort Rettenbach.
Gemeindegliederung
alt=Die sechs Gemarkungen Traunsteins|mini|Karte der Gemarkungen Traunsteins Zum Gemeindegebiet gehören 63 Gemeindeteile in 6 Gemarkungen: Gemarkung EinwohnerzahlStand: 1. Januar 2023 Fläche in km²Bevölkerungsdichte in Einwohner je km² amtlich benannte Gemeindeteile Au 917 0,392.351keine Haslach (Gemarkungsteil 1) 3.549 5,82610Axdorf, Büchling, Einham, Irlach, Haslach, Neuling, Oberhaid, Seiboldsdorf, Tinnerting, Wegscheid Hochberg (Gemarkungsteil 1) 302 10,2429Abstreit, Bach, Bergwiesen, Buchfelln, Daxerau, Eppenstatt, Graben, Hochberg, Hochöd, Höfen, Holzleiten, Hütt, Kirchleiten, Mitterbichl, Obersöln, Öd in der Pechschneid, Paulöd, Preising, Rutzöd, Schinagl, Schwaig, Schwober, Untersöln Kammer 1.469 15,6694Alterfing, Gerating, Haunstätt, Kaltenbach, Kammer, Kronacker, Langmoos, Leiderting, Lüfteneck, Marberloh, Neuhausen, Reichsberg, Rettenbach, Roitwalchen, Siegelberg Traunstein 12.454 9,771.275Baumgarten, Empfing, Gamm, Mayerhofen, Sparz, Traunstein Wolkersdorf 2.811 6,70420Geißing, Guntramshügl, Höpperding, Kotzing, Riederting, Schmidham, Traunstorf, Unterhaid, Wolkersdorf
Eingemeindungen Am 1. Januar 1914 wurde die Gemeinde Au, der Standort der Traunsteiner Saline, eingegliedert. Im Zuge der Gebietsreform in Bayern kamen am 1. Juli 1972 die bisherige Gemeinde Kammer und Teile der aufgelösten Gemeinde Hochberg (nördlicher Teil) hinzu, Wolkersdorf und der größte Teil der aufgelösten Gemeinde Haslach folgten am 1. Mai 1978.
Geschichte Bis zum 19. Jahrhundert Zwar nennen kirchliche Güterverzeichnisse schon um 790 Besitzungen ad Trun, und auch mittelalterliche Wehranlagen (Burgställe) sind ab dem 10. Jahrhundert in der näheren Umgebung nachweisbar (Burg Traunstein, Burgstall Traunstein, Burgstall Hochberg und Burgstall Lenzisburg). Trauwenstain selbst aber wird erstmals 1245 in einer Schrift des Klosters Baumburg erwähnt. Der Name bedeutet Burg an der Traun, und mit einiger Wahrscheinlichkeit befand sich hier der Sitz der Herren de Truna, umgeben von einer kleinen Ansiedlung. Erst die Wittelsbacher bauten diese planmäßig aus, befestigten sie und kontrollierten so den Traunübergang der wichtigen Salzstraße von Reichenhall nach München an der Grenze zum Erzstift Salzburg.
Im Jahr 1120 ließen sich die Edlen ‚von Truna‘, Ministerialen der Grafen von Kraiburg-Ortenburg, im heutigen Stadtgebiet nieder, wohl wegen der strategisch günstigen Lage: Sie erbauten nahe an der Handelsstraße die Burg am Rand des Stadtplateaus, das zum großen Teil vom Fluss umgeben wird. Die Herren „de Truna“ werden zum letzten Mal in Quellen aus dem Jahr 1242 genannt.
Erstmals urkundlich erwähnt wurde Traunstein im Jahr 1245. Im ersten Vertrag von Erharting (1254) verzichtete der Salzburger Erzbischof auf den Erwerb der Grafschaften und Gerichte im Chiemgau. Der Chiemgau mit Traunstein fiel an die Wittelsbacher, die in dem Ort einen wichtigen strategischen und wirtschaftlichen Knotenpunkt direkt an der Grenze zum Erzstift Salzburg sahen. Traunstein lag ideal auf einer Anhöhe direkt an der Traun und damit an der Handelsroute von Reichenhall nach München. Von hier aus ließ sich der gesamte Warenverkehr über die Traun kontrollieren. Die Wittelsbacher ließen Traunstein daher befestigen und ausbauen, und sie gaben Traunstein Handels- und Zollprivilegien.
Urkunden über die Erhebung des Orts zur Stadt sind verlorengegangen – historischen Quellen zufolge durch Brand. Die Stadtgründung dürfte um die Mitte des 13. Jahrhunderts erfolgt sein, denn 1255 wird Truna als Traunstein unter denjenigen Städten aufgelistet, die bei der von den Herzögen Ludwig dem Strengen und Heinrich XIII. vorgenommenen Bayerischen Landesteilung von 1255 an Herzog Heinrich kamen. Nach dem Verlust der Originalurkunde zur Stadtgründung erneuerte Herzog Friedrich von Bayern im Jahr 1375 Traunsteins Stadtprivilegien in einem Freyheitsbrief.
Die neue Rolle als „Wächter der Salzstraße“ brachte Traunstein schon früh großen Wohlstand. Das Salz aus Bad Reichenhall wurde hier gelagert und umgeschlagen, um es weiter nach München oder Wasserburg zu transportieren. Den Händlern war es verboten, Umschlagplätze wie Traunstein zu umfahren, und so verdiente die Stadt bei jeder Lieferung über die Traun mit. Bereits 1493 waren die Straßen und Gassen gepflastert. Ab 1431 verfügte Traunstein über ein „Leprosenhaus“ (Leprosorium), dessen Standort jedoch unklar ist.siehe 1526 wurde der Lindlbrunnen mit Rossschwemme als Endpunkt der städtischen Wasserversorgung errichtet. mini|Traunstein um 1600 auf dem Gewölbe des Antiquariums der Münchner Residenz mini|Schraffur von Burg Traunstein 1678 1587 verstaatlichte Herzog Wilhelm schließlich die Salzproduktion, wodurch Traunstein für die reichen Salzsender plötzlich unrentabel wurde. Sie verließen daraufhin die Stadt, die bis dahin wirtschaftlich stark vom Salzhandel abhängig war. Aufgrund der guten Verkehrsanbindung und des Rufs als Handwerker- und Marktzentrum überstand Traunstein diesen Umbruch wirtschaftlich aber weitestgehend unbeschadet. 1613 wurde in Reichenhall eine weitere, sehr ergiebige Solequelle entdeckt. Die dortige Saline arbeitete bereits an der Kapazitätsgrenze. Obwohl die Stadt bereits aus dem salzburgischen Pinzgau über die Triftanlagen mit erheblichen Mengen an Brennholz versorgt wurde, reichte dies nicht aus, die zusätzliche Sole vor Ort zu versieden. Herzog Maximilian I. beschloss daher 1616, die Sole über ein Rohrsystem nach Traunstein zu leiten. Mit dem Wasser der Traun konnte genügend Brennholz nach Traunstein gebracht werden, zudem befanden sich die Wälder im Besitz des Herzogs. Für die Soleleitung nach Traunstein musste eine Strecke von 31 km und eine Höhendifferenz von insgesamt 340 m überwunden werden. Mit Wasserkraft betriebene Pumpen in sieben Brunnhäusern beförderten die Sole nach oben, die dann, das natürliche Gefälle nutzend, bis zum nächsten Brunnhaus floss. Als Rohre wurden etwa 9000 Deicheln verwendet. Erbaut wurde die Leitung durch den Hofbaumeister Hanns Reiffenstuel und seinen Sohn Simon. In Traunstein errichtete man währenddessen ein neues Stadtviertel in der Au – bestehend aus einer Saline, Sudstätten, Härtehäusern und Arbeiterwohnungen – für den neu gewonnenen Wirtschaftszweig. Nach drei Jahren Bauzeit wurde die Saline 1619 in Betrieb genommen.
Vom Dreißigjährigen Krieg (1618–1648) blieb Traunstein zwar weitgehend verschont, nicht aber von der darauf folgenden Pest, an der zwischen 1631 und 1635 knapp ein Zehntel der Bevölkerung verstarb. Am 25. und 26. Juli 1704 besetzten österreichische Truppen im Zuge des Spanischen Erbfolgekriegs Traunstein. Dabei veränderte ein verheerender Stadtbrand das mittelalterliche Stadtbild erheblich (s. u.), das aber trotz langjähriger österreichischer Besatzung wieder aufgebaut werden konnte. mini|Stahlstich von Traunstein 1870 1782 beauftragte Kurfürst Karl Theodor die Sanierung der Saline in Traunstein. Dies hatte unter anderem den Neubau des kreuzförmigen Sudhauses 1787 zur Folge. Die jährliche Salzproduktion und die Effizienz der Herstellung stiegen daraufhin rapide an. Die Fertigstellung der neuen Saline von Georg von Reichenbach im Jahr 1810 führte durch die Erfindung seiner Reichenbachschen Wassersäulenmaschine zu einer zweieinhalbfach höheren Fördermenge und sicherte den Fortbestand der Salzproduktion in Traunstein für weitere 100 Jahre.
1808 verlor Traunstein in Folge der ersten bayerischen Verfassung nahezu alle Rechte. Trotzdem blieb die Stadt Verwaltungs- und Handelszentrale des Chiemgaus, da sie vor allem mit Bayerns drittgrößtem Getreidemarkt überregionale Bedeutung besaß. In der Nacht vom 25. zum 26. April 1851 zerstörte abermals ein Großbrand nahezu die gesamte Stadt (siehe Abschnitt „Stadtbrände“).
20. Jahrhundert mini|Die Villa von Emil Ehrensberger, mit eigenem Observatorium von 1915 mini|Traunstein um 1900 Das städtebauliche Bild der Stadt wurde wesentlich durch die Ansiedelung wohlhabender Pensionäre in den Jahren zwischen 1890 und 1914 geprägt, so dass Traunstein heute einen bedeutenden Bestand an Gründerzeit- und Jugendstilbauten aufweist. Einer der Bauherren war Emil Ehrensberger, der sich 1915 für 1,5 Millionen Goldmark eine Villa mit eigenem Observatorium im klassizistischen Jugendstil errichten ließ. Die Ehrensberger-Villa kann besichtigt werden. mini|Luftbildfotografie von Johann Czermak aus dem Jahr 1920 Im Jahr 1912 wurde die letzte Traunsteiner Saline in der Au aufgelassen.
mini|Traunsteiner Notgeld von 1923 Am 1. Januar 1914 wurde die Gemeinde Au nach Traunstein eingemeindet, die Saline diente im Ersten Weltkrieg sowohl als Lager für mehr als 1000 Zivil- und Kriegsgefangene wie auch als Lazarett; Adolf Hitler war dort Anfang 1919 einige Wochen zur Bewachung der Gefangenen eingesetzt. Nach dem Ersten Weltkrieg kam es aufgrund der Weltwirtschaftskrise 1923 zu Hyperinflation, und auch in Traunstein kursierte Notgeld mit Milliardenbeträgen.
mini|Die ehem. Prinz-Eugen-Kaserne in Traunstein mit Gemälde des deutschen Landsknechts (1935–2002) Auch Traunstein war ab 1934 von der Aufrüstung der Wehrmacht betroffen. Das Gelände der neu erbauten Badenweiler-Kaserne hatte eine Größe von 15,789 ha und bot Platz für 2000 Soldaten. Im Oktober 1935 wurden Teile des Gebirgsjäger-Regiments 100 einquartiert. 1936 wurden sie vom III. Bataillon des Infanterie-Regiments 61 abgelöst. Nach dem Zweiten Weltkrieg nutzte die Bundeswehr von 1956 bis 1997 die (1964 umbenannte) Prinz-Eugen-Kaserne. Es standen Stabsgebäude, zwei Wirtschaftsgebäude und vier Unterkunftsgebäude für bis zu 1200 Soldaten zur Verfügung. Bis zur Aufgabe des Areals war in der Prinz-Eugen-Kaserne das Gebirgsflugabwehrregiment 8 stationiert, das mit M16 Halbkettenfahrzeugen, Flakpanzern M42 und später Gepard ausgestattet war. 1997 beschloss das Bundesverteidigungsministerium die Schließung der Kaserne und die Versetzung der Soldaten nach Pocking. Die Stadt Traunstein hatte vergeblich versucht, diese Entscheidung abzuwenden, da ein gutes Verhältnis zwischen der Stadt und den Soldaten bestanden hatte. Trotzdem mussten am 14. Mai 1997 die letzten Soldaten die Prinz-Eugen-Kaserne verlassen. Die Gebäude blieben bis zum Beschluss der zukünftigen Nutzung im Jahr 2002 erhalten, woraufhin sie dann für den Gewerbepark Kaserne abgerissen wurden.
Während des Zweiten Weltkriegs wurde das Traunsteiner Bahnhofsgelände viermal Ziel amerikanischer Bombenangriffe: am 11. November 1944, am 21. Januar 1945, am 18. April 1945 und schließlich am 25. April 1945. Die schweren Bombenangriffe im April 1945 zerstörten das Bahnhofsviertel, mehr als 100 Menschen starben. Wenig später, am 2. Mai 1945, durchquerten jüdische KZ-Häftlinge auf einem Todesmarsch Traunstein. 61 von ihnen wurden tags darauf bei Surberg erschossen; eine Gedenkstätte dort erinnert an sie. Die kampflose Übergabe der Stadt erfolgte am 3. Mai 1945.