Die Lutherkirche (bis 2017 Evangelische Kirche) ist eine ortsbildprägende evangelische Pfarrkirche im Teilort Hohnweiler (Hauptstraße 4) von Lippoldsweiler, einem Ortsteil von Auenwald im Rems-Murr-Kreis in Baden-Württemberg. Ihre Kirchengemeinde Auenwald gehört zum Kirchenbezirk Backnang der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Sie wurde im Stile der Neugotik nach Plänen von Oberamtsbaumeister Christian Hämmerle und nach stilistischer Überarbeitung durch Oberbaurat Christian Friedrich von Leins errichtet. Die Kirche steht unter Denkmalschutz. Seit 2017 ist sie nach Martin Luther benannt.

Geschichte Seit dem Mittelalter gehörten die Ortschaften Däfern, Ebersberg, Hohnweiler, Lippoldsweiler, Sechselberg und Unterbrüden zum Kirchenbezirk Unterweissach. Die St.-Agatha-Kirche gilt als Ur-Kirche des gesamten Weissacher Tals, auf deren Kirchhof auch die Toten des Kirchspiels begraben werden mussten. Wegen starken Bevölkerungswachstums wurde die Kirche und der Friedhof Mitte des 19. Jahrhunderts zu klein. Außerdem war der Weg nach Unterweissach für behinderte und ältere Gottesdienstbesucher zu beschwerlich. Daher legte die Gemeinde Sechselberg 1862 einen eigenen Friedhof an. Hohnweiler folgte dem Beispiel 1863. Im Jahr 1864 wurde die Pfarrverweserei Lippoldsweiler/Sechselberg gegründet; Provisorische Betsäle wurden in Sechselberg und in Hohnweiler eingerichtet, die einen sehr kargen Eindruck vermittelten. Da ein Pfarrhaus noch nicht vorhanden war, wurde der Pfarrverweser bei Privatleuten einquartiert. Ein Pfarrhaus wurde von 1869 bis 1870 errichtet. Immer mehr Bürger forderten in der Folgezeit den Bau einer eigenen Kirche. In einem Bericht von 1874 beklagte sich Pfarrverweser Ludwig über die Zustände in seiner Gemeinde. Darin kam der Geistliche zu dem Schluss, dass die Notkirche in Sechselberg ärmlich, ungenügend und unwürdig sei. Es sollte jedoch bis 1877 dauern, bis die Planungen für eine Kirche konkret wurden. Am 28. Mai 1877 stellte Oberamtsbaumeister Hämmerle seine Pläne in Lippoldsweiler vor. Die Baukosten wurden am Anfang auf 21.600 Mark geschätzt.

Am 7. Dezember 1879 wurde die neue Kirche feierlich eingeweiht. An den Feierlichkeiten beteiligte sich auch der römisch-katholische Priester der Nachbargemeinde Ebersberg. Die neue Kirche erhielt den Namen Evangelische Kirche.

Die Kosten lagen am Ende bei knapp 25.000 Mark. Die finanziellen Mittel wurden überwiegend von der Landeskirche und dem Staat bereitgestellt. Der Restbetrag wurde von privaten Geldgebern und der bürgerlichen Gemeinde übernommen.

Renovierungen Bereits 1910 wurden an dem Dachreiter Risse festgestellt, sodass eine Renovierung nötig wurde. 1914 wurde die Kirchturmuhr erneuert. 1919 wurde das Dach erstmals renoviert. 1926 erhielt die Kirche erstmals eine elektrische Beleuchtung. 1929 wurde der Innenraum erstmals renoviert. Eine elektrische Heizung wurde 1960 eingebaut; 1961 das Dach neu gedeckt.

Von 1962 bis 1966 fand eine umfassende Renovierung der Kirche statt.

Während eines schweren Unwetters wurde am 1. Dezember 1984 die Kirchturmspitze beschädigt. Dabei fiel auch der Turmhahn vom Dach und wurde schwer beschädigt. Er ist derzeit im Heimatmuseum Weissacher Tal in Unterweissach ausgestellt.

Ausstattung mini|Buntglasfenster Christus betet in Gethsemane von Gotthilf Wilhelm (1832–1882)

Im Rahmen der Feierlichkeiten anlässlich des Reformationsjubiläums 2017 erhielt die Kirche ihren jetzigen Namen. An den 500. Jahrestag der Reformation erinnert eine bronzene Gedenktafel am Haupteingang. Weiterhin wurde über dem Eingang eine steinerne Lutherrose angebracht.

Glasgemälde mini|Walcker-Orgel Der Stuttgarter Glasmaler Gotthilf Wilhelm (1832–1882) schuf 1878 die Farbverglasung des Ost-Chorfensters mit dem Bildthema Christus betet in Gethsemane.Elgin Vaassen: Bilder auf Glas. Glasgemälde zwischen 1780 und 1870. München 1997, S. 51 f.Thieme-Becker/Vollmer: Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler. Leipzig 2008, 4., aktualisierte Auflage 2014, erschienen 2014 als CD-ROM, S. 519.Carla Fandrey: Glasmalerei im Rems-Murr-Kreis. In: Kreissparkasse Waiblingen, Geschäftsbericht 1985, S. 7.

Orgel Die Orgel wurde von der Firma Walcker in Ludwigsburg gebaut. Sie hat 13 Register.

Glocken In dem Dachreiter hängen drei Glocken. Während des Ersten Weltkriegs musste die kleinste Glocke als Metallspende für das Heer abgegeben werden. Im Zweiten Weltkrieg mussten die beiden anderen Glocken 1942 dem Heer gespendet werden. Die größte Glocke wurde 1950 nachgegossen. Die mittlere wurde ebenfalls 1950 hergestellt. Die kleine Taufglocke entstand 1961. +Glocken der LutherkircheGlockeNameGussjahrSchlagtonDurchmesserGewichtInschriftI.Betglocke (Vater-Unser-Glocke)1950d″68 cm200 kgEhre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden II.e″61 cm135 kgHerr Gott, Du bist unsere Zuflucht für und für III.Taufglocke1961fis″54 cm85 kgWer da glaubt und getauft wird, der wird selig werden

Gemeinde Im Jahr 1975 wurde durch Beschluss des Oberkirchenrats die Altgemeinde Sechselberg von der Kirchengemeinde Lippoldsweiler getrennt und der Kirchengemeinde Althütte zugeschlagen. Die Kirchengemeinde Lippoldsweiler umfasste seitdem nur noch die Ortschaften Däfern, Ebersberg, Hohnweiler und Sauerhof.

2025 wurde durch Beschluss des Oberkirchenrats die Kirchengemeinde Lippoldsweiler mit der Kirchengemeinde Oberbrüden-Unterbrüden zur neuen Kirchengemeinde Auenwald vereinigt.

Pfarrer mini|Ehemaliger Turmhahn (Heimatmuseum Weissacher Tal) Liste der Pfarrer (unvollständig): 1864–1866: Karl Friedrich Wölffle 1866–1867: Klaiber 1867–1876: Christoph Gustav Adolf Ludwig 1876: Christoph Andreas Maximilian Rau 1876–1881: Otto Knapp 1881–1883: Christoph Andreas Maximilian Rau 1883–1886: Faulhaber 1886: Walz 1886–1889: Gottlieb Wacker 1889–1890: Karl Gustav Friedrich Weinland 1890: Gmelin 1890–1896: Wiest 1896–1898: Lachenmaier 1898–1906: Stöckle 1906: Graf 1906–1907: Zeller 1907–1924: Karl Schäfer 1924: Leopold 1925: Heintzeler 1925–1935: Erich Stehle 1936–1941: Gotthilf Faig 1942: Berron 1943–1944: Fick 1944–1946: Weissenstein 1947: Gotthilf Faig 1948–1950: Lange 1950–1951: Mack 1952–1953: Benzing 1953–1963: Schulz 1963–1964: Rieker 1964–1975: Walter Christaller 1976: Manfred Bittighofer (Bahnauer Bruderschaft) 1977: Wolfgang Schäfer 1977–1997: Willi Ocker 1997–2025: Renate Dinda ab 2025: Dietmar Schuster

Siehe auch

Liste der Kulturdenkmale in Auenwald

Literatur Adolf Schahl (Bearb.): Die Kunstdenkmäler des Rems-Murr-Kreises, Band I. In: Die Kunstdenkmäler in Baden-Württemberg. (Hrsg.) Landesdenkmalamt Baden-Württemberg; München/Berlin 1983; S. 189–192, ISBN 3-422-00560-9. Bernd Lenzner: Christian Hämmerle. Ein Backnanger, der in seinen Bauten weiterlebt. Fr. Stroh Verlag, Backnang 1993, ISBN 3-927713-02-3. Die evangelische Kirchengemeinde Lippoldsweiler. In: 750 Jahre Auenwald 1245–1995. Gemeinde Auenwald, 1995, ISBN 3-929478-08-0, S. 243–248. Wilhelm Bochterle: 125 Jahre Kirche in Lippoldsweiler. In: Geschichte und Geschichten aus unserer Heimat Weissacher Tal, Band 20. Verlag Medienwelt Schlichenmaier, Weissach im Tal 2005, ISBN 3-929478-37-4, S. 151–162. Evangelische Kirchengemeinde Lippoldsweiler (Hrsg.): 150 Jahre Kirchengemeinde Lippoldsweiler. Auenwald 2015.

Weblinks

Website der Kirchengemeinde Auenwald

Einzelnachweise

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