mini|Ansicht von Westen (vor der Renovierung) mini|Ansicht von Osten (während der Renovierung 2026) mini|Sgraffito des Hl. Erzengels Michael
Die Herz-Jesu-Kirche ist eine römisch-katholische Pfarrkirche in Auenwald. Die ortsbildprägende Kirche befindet sich auf dem Hügel Kirchberg unterhalb des Schlosses Ebersberg. Sie wurde von 1960 bis 1961 im Stile der Nachkriegsmoderne nach Plänen des Architekten Hans Georg Reuter (Stuttgart) errichtet und dem Patrozinium des Heiligsten Herzens Jesu Christi anvertraut. Sie gehört zur katholischen Kirchengemeinde „Herz Jesu Ebersberg“, welche die Gemeinden Auenwald und Althütte umfasst.
Geschichte Mit der Einführung der Reformation unter Herzog Ulrich von Württemberg wurde das Dorf Ebersberg wie ganz Alt-Württemberg 1535 evangelisch-lutherisch und blieb es für etwa 120 Jahre. 1654 veräußerte der evangelische Schlossherr von Ebersberg, Sigmund Moser von Filseck, seinen Besitz an den Altgläubigen Jeremias Vollmar Schenk von Winterstetten. Das Schloss war der Reichsritterschaft zugehörig und nur dem Kaiser unterstellt. Gemäß dem Grundsatz „Cuius regio, eius religio“ (wessen Gebiet, dessen Religion) konnte der Inhaber des Schlossguts den katholischen Glauben wieder einführen. Ein Priester wurde fest angestellt und die Schlosskapelle für die Dorfbewohner geöffnet. Wer nicht katholisch werden wollte, musste auswandern. Die Bevölkerungsverluste wurden durch Zuwanderung aus katholischen Gegenden ausgeglichen. Später (1698) verkauften die Herren von Ostein Ebersberg an das Kloster Schöntal, das die Gegenreformation fortsetzte. 1786 wurde die Schlosskapelle St. Michael zur katholischen Pfarrkirche erhoben. Im selben Jahr verkaufte das Kloster das Rittergut an Herzog Carl Eugen von Württemberg, der sich vertraglich verpflichtete, den katholischen Glauben seiner neuen Untertanen zu respektieren.
Zum Zeitpunkt der Deutschen Reichsgründung (1871) hatte Ebersberg 274 katholischeKarl Eduard Paulus: Beschreibung des Oberamts Backnang. Verlag H. Lindemann, Stuttgart 1871, S. 169. und 22 evangelische Einwohner; In Lippoldsweiler lebten nur 8 Katholiken bei einer Gesamtbevölkerung von 856 Einwohnern.Karl Eduard Paulus: Beschreibung des Oberamts Backnang. Verlag H. Lindemann, Stuttgart 1871, S. 209. Durch Flucht und Vertreibung Millionen Deutscher aus Mittel- und Osteuropa kamen ab 1945 hunderte katholische Heimatvertriebene nach Ebersberg und Lippoldsweiler, sodass die Schlosskirche St. Michael rasch zu klein wurde. Daher wurde 1957 beschlossen, auf der Gemarkung von Lippoldsweiler eine neue Kirche zu bauen.
Die Bauarbeiten begannen 1960; die Weihe erfolgte am 15. Oktober 1961 durch Bischof Carl Joseph Leiprecht.
An den Arbeiten hatten sich zahlreiche Einwohner beteiligt.
1970 gehörte fast ein Viertel der Bevölkerung (24,7 %) Auenwalds der römisch-katholischen Kirche an.Horst Lässing (Hrsg.): Der Rems-Murr-Kreis. Verlag Theiss 1980, ISBN 3-8062-0243-5. S. 318.
Renovierung Im Frühjahr 2021 wurden bei einer Begutachtung des Dachs erhebliche Mängel festgestellt. Wegen Einsturzgefahr musste die Kirche umgehend geschlossen werden. Wegen weiteren Bauschäden verzögerte sich die Wiedereröffnung. Nach der Sanierung des Dachs wurde 2024 mit der Renovierung des Kirchenschiffs begonnen. Die geplante Eröffnung am 11. Januar 2026 musste abgesagt werden. Die Bauarbeiten wurden im Frühling 2026 abgeschlossen. Die Wiedereröffnung fand an Pfingsten 2026 statt.
Pfarrer Liste der Pfarrer (unvollständig):
1961–1980: Pfr. Josef Held 1980–1987: Pfr. Fromm 1987–1990: Pfr. Kaiser 1992–2004: Pfr. Ladenburger 2004–2015: Pfr. Wolfgang Kraus (†) seit 2015: Pfr. Thomas Müller
Architektur mini|Die drei heiligen Erzengel Gabriel, Michael und Raphael mit Tobias (v. l. n. r.)
Die moderne Saalkirche ist nicht nach Osten, sondern nach Westen ausgerichtet. Die West- und die Ostfassade ist mit Natursteinen verkleidet; diese wurden beim Abbruch der Ebersberger Kelter gewonnen. Die Decke war bis zur Renovierung 2026 holzvertäfelt. Bemerkenswert ist ein Sgraffito über dem Eingang an der Ostseite, das den Heiligen Erzengel Michael mit Kreuz und Schwert zeigt.
Ausstattung Der Innenraum ist schlicht gehalten. Da die Kirche vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil geweiht wurde, befindet sich der Altar nicht in der Mitte des Innenraums. Die Fenster bestehen aus bunten (blau-weißen) Glasplatten und zeigen keine christlichen Motive.
Bildwerke Pietà: Das Vesperbild ist aus Ton gebrannt und stammt in seinen ältesten Teilen aus dem frühen 15. Jahrhundert. Im 18. Jahrhundert wurde das Bildwerk ausgebessert, Kopf und Hals Christi aus Holz angefügt.
Stehende Mutter Gottes: Die aus Lindenholz gefertigte Figur stammt wohl aus dem 14. Jahrhundert und wird der Schule Peter Parlers zugeordnet.
Gemälde: Darstellung der Heiligen Dreifaltigkeit: Gott Vater mit Zepter und Weltkugel mit dem Heiligen Geist als göttliche Person, legen Christus das Kreuz auf. Gott Vater und der Heilige Geist sind mit einer Tiara gekrönt, während Jesus Krone und Zepter abgelegt hat. Darüber sind Engel zu sehen. Das Gemälde entstand wohl um 1760/1770.
Erzengel: Die drei Bildwerke (Gabriel, Michael und Raphael) gehörten einst zur Ausstattung der Schlosskirche St. Michael und wurden 1961 in den Neubau versetzt.
Orgel Die Orgel entstand 1992 in der Werkstatt der Firma Orgelbau Mühleisen (Leonberg). Sie hat 19 Register und eine mechanische Traktur. mini|Orgel von Mühleisen (1992)
Disposition der Orgel Die Disposition der Orgel lautet: I. Hauptwerk1.Principal 8′2.Rohrflöte8′3.Gamba8′4.Octave4′5.Flöte4′6.Waldflöte2′7.Mixtur V2′8.Trompete8′ II. Positiv9.Bourdon8′10.Rohrflöte4′11.Principal2′12.Larigot′13.Sesquialtera II Pedal14.Subbass16′15.Principal8′16.Rohrflöte8′17.Octave4′18Posaune16′19.Trompete8′
Koppeln: II/I, I/P, II/P
Glocken Der Glockenturm mit Geläut und Uhr ist kurz und trägt ein stumpfes Dach. Er steht wie das katholische Pfarramt direkt neben der Kirche. Die drei Glocken sind unterschiedlich groß und werden zu unterschiedlichen Anlässen geläutet. Die beiden älteren Glocken stammen aus der alten Pfarrkirche St. Michael und wurden nach dem Bau der Herz-Jesu-Kirche 1961 in diese übernommen. Zusätzlich wurde eine dritte Glocke bei der Gießerei Kurtz (Stuttgart) bestellt. +Übersicht der Glocken der Herz-Jesu-KircheGlockeNameGlockengießerGussjahrSchlagtonGewichtInschriftGlockenzierIChristus der WeltenkönigHeinrich Kurtz, Stuttgart1961h'?Christus gestern, Christus heute,Christus in Ewigkeit Christus als WeltenkönigIIMarienglocke?1949cis″230 kg – –IIIMichaelsglocke?1949e″135 kg – –
Literatur Adolf Schahl: Die Kunstdenkmäler des Rems-Murr-Kreises. Band 1. Deutscher Kunstverlag, München und Berlin 1983, ISBN 3-422-00560-9, S. 187f. Die katholische Kirchengemeinde Auenwald-Althütte. In: 750 Jahre Auenwald 1245–1995. Gemeinde Auenwald, 1995, ISBN 3-929478-08-0, S. 252–253.
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Einzelnachweise
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