Rzystnowo (deutsch Rißnow, früher Risnow, auch Rissnow) ist ein Dorf in der polnischen Woiwodschaft Westpommern. Es gehört zur Gmina Przybiernów (Gemeinde Pribbernow) im Powiat Goleniowski (Gollnower Kreis).
Geographische Lage Das Kirchdorf liegt in Hinterpommern, östlich unweit des Stettiner Haffs, etwa 25 Kilometer südsüdwestlich der Stadt Kamień Pomorski (Cammin in Pommern), 12,5 Kilometer nordnordöstlich von Stepnica (Stepenitz) und drei Kilometer nordnordöstlich von Żarnowo (Altsarnow).
Geschichte Der Ort wurde erstmals 1280 urkundlich erwähnt.Hasso von Flemming-Benz: Der Kreis Cammin. Ein pommersches Heimatbuch. Holzner, Würzburg 1970 (mit beigelegter Karte des Kreisgebiets von 1936), S. 157. In der Musterrolle von 1523 führt Rißnow den Namen Rispernow; es war ein Lehn von Joachim Zastrow, der mit Peter Zastrow zu Rupperstow (später Ribbertow genannt) für Kriegsdienste vier Pferde zu stellen hatte.Robert Klempin und Gustav Kratz: Matrikeln und Verzeichnisse der Pommerschen Ritterschaft vom XIV bis in das XIX Jahrhundert. Berlin 1863, S. 182 (Boogle Books). Laut den Hufenmatrikeln von Pommern-Stettin von 1628 versteuerten in Riſsnow Peter v. Zastrow, Hans v. Zastrow und Reimer v. Zastrow zusammen 33 ½ Hakenhufen, acht Kossäten, zwei Krüger, drei Schäfer und drei Knechte.Robert Klempin und Gustav Kratz: Matrikeln und Verzeichnisse der Pommerschen Ritterschaft vom XIV bis in das XIX Jahrhundert. Berlin 1863, S. 268 (Boogle Books) Laut der Vasallen-Tabelle von 1756 waren der 47 Jahre alte Joachim Carl v. Flemming und der drei Jahre alte Friedrich Ludwig v. Zastrow in Rißnow begütert.Robert Klempin und Gustav Kratz: Matrikeln und Verzeichnisse der Pommerschen Ritterschaft vom XIV bis in das XIX Jahrhundert. Berlin 1863, S. 371, Ziffer 19 (Boogle Books), und S. 380, Ziffer 97 (Boogle Books). Im letzten Viertel des 18. Jahrhunderts war Rißnow dreigeteilt: Rißnow A, ein adliger Wohnsitz, zu dem ⅜ des Dorfs gehörten, wurde nach dem am 16. Juli 1776 erfolgten Tod des Joachim Carl v. Flemming dessen Witwe, Henrietta Hedwig Ernestina geb. v. Münchow, eigentümlich überlassen. Rißnow B, ein adliger Wohnsitz, zu dem ⅝ des Dorfs gehörten, kam nach dem Tod des Carl Ernst Erdmann v. Zastrow an dessen Witwe, Anna Charlotta geb. v. Grape. Rißnow C, das einen Bauern und einen Kossäten hatte, war ein Zastrowsches Lehen, das um 1780 der Generalmajor Heinrich Ludwig v. Flemming besaß. Rißnow hatte ehemals zum Greiffenbergschen Kreis gehört und war zu Trinitatis 1779 zum Flemmingschen Kreis gelegt worden.
Das Gut Rißnow A, das am 31. Januar 1772 allodifiziert worden war, wurde von der Erbin Friederike Charlotte Dorothea Hypolyta v. Seydlitz geb. v. Flemming, freiwillig zum Kauf angeboten und am 13. Mai 1805 für 19.200 Taler mit königlicher Genehmigung dem Eigentümer Adam Friedrich Wegner zugeschlagen.Heinrich Berghaus: Landbuch des Herzogthums Pommern – Schilderung der Zustände dieser Lande in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, Teil II: Landbuch des Herzogthums Stettin, von Kamin und Hinterpommern; oder des Verwaltungs-Bezirks der Königl. Regierung zu Stettin. Band 6: Kreise Kamin und Greifenberg, Anklam 1870, S. 430–432 (Google Books) Dessen Erben wurden als Besitzer von Rißnow A in der Ritterguts-Matrikel von 1828 eingetragen, verkauften das Gut aber bald darauf an den Oberamtmann und Kreis-Deputierten August Ferdinant Krause, von dem es 1851 an den Gutsbesitzer Johann Gustav Holtz (* 26. November 1798 in Willershusen in Mecklenburg; † 21. Mai 1874 in RißnowGenealogisches Handbuch bürgerlicher Familien (Bernhard Koerner, Hrsg.), Band 18, C. A. Starke, Görlitz 1911, S. 342, Ziffer IXc (Google Books).) kam.
Das gesamte Gut Rißnow B, einschließlich zweier Bauernhöfe in Sarnow, für das am 16. Dezember 1782 ein Allodialbrief erteilt worden war, kam nach dem Tod der Witwe v. Zastrow geb. v. Grape durch deren Testament vom 21. Oktober 1784 an ihre Tochter, die Ehegattin des Predigers Krause zu Sarnow, Charlotte Wilhelmine Friederike geb. v. Zastrow, der es nach einer gerichtlichen Auseinandersetzung mit ihrer Schwester und Miterbin Caroline Amalie Juliane v. Zastrow für 10.000 fl. = 6666⅔ Taler überlassen wurde. Nach dem Tod des Predigers Krause scheint Charlotte Wilhelmine geb. v. Zastrow eine zweite Ehe eingegangen zu sein, denn sie wurde als verehelichte Wegner und später als Witwe Wegner in der neuen Matrikel von 1628 aufgeführt. Vermutlich war ihr zweiter Ehemann der Besitzer von Rißnow A, Adam Friedrich Wegner. Wie schon dessen Erben das Gut Rißnow A an den Kreisdeputierten Oberamtmann August Ferdinand Krause verkauften, so überließ nun auch die Witwe Wegner diesem das Gut Rißnow B. Krauses Besitzzeit dürfte 1829 begonnen haben.
Damit waren die Güter Rißnow A un B in der Hand des Gutsbesitzers Krause vereinigt. Sein Nachfolger wurde 1851 Johann Gustav Holtz (1798–1874), der in den Verzeichnissen der Pommerschen Ritterschaft vom 1. Januar 1862 als Besitzer der vereinigten Güter Rißnow A und B genannt wird.Robert Klempin und Gustav Kratz: Matrikeln und Verzeichnisse der Pommerschen Ritterschaft vom XIV bis in das XIX Jahrhundert. Berlin 1863, S. 574, Ziffer 21 (Google Books). Holtz wurde mit Wirkung von Januar 1868 zum Feuerpolizei-Kommissar des 12. Bezirks des Camminer Kreises gewählt und bestätigt.Amts-Blatt der Königlichen Regierung zu Stettin, Stück 2, vom 10. Januar 1868, S. 14, rechte Spalte oben (Google Books). Zehn Jahre nach dessen Tod 1874 befand sich das Rittergut Rißnow weiterhin im Besitz der Familie Holtz.P. Ellerholz: Handbuch des Grundbesitzes im Deutschen Reich, Teil I: Das Königreich Preußen, Band 2: Provinz Pommern, 2. Auflage, Nicolai, Berlin 1884, S. 110–111 (Google Books). 1892 befand sich das 1594 Hektar umfassenden Ritterguts Rißnow mit Branntweinbrennerei sowie Mahl- und Schneide-Wassermühle im Besitz des H. Holtz, Lieutenant a. D.Pommersches Güter-Adressbuch, Friedrich Nagel (Paul Niekammer), Stettin 1892, S. 14–15 (Google Books).
Das Kirchdorf Rißnow hatte im 19. Jahrhundert eine Schule, die von über hundert Kindern besucht wurde und einen Lehrer hatte, der zugleich Organist und Küster war. Die einklassige Schule wurde auch von Kindern aus Prälang und Elis besucht.Georg Ernst Maximilian von Köller: Statistische Darstellung des Camminer Kreises – Geschrieben im Winter 1865/66, Behrendt, Cammin in Pommern 1867, S. 167 (Google Books). Um 1864 war für Rißnow, Gut, nebst Radank, Holzwärterei und Vorwerk Elis die Kreisgerichts-Kommission I zu Wollin zuständig.Amtsblatt der Königl. Regierung in Stettin, Extra-Beilage Nr. 39, vom 23. September 1864, Verzeichniß der Gerichtsbehörden in dem Bezirke des Königl. Appellations-Gerichts zu Stettin, II. Kreisgericht Cammin, S. 7–11, insbesondere S. 9, Ziffer 13 (Google Books).
Am 1. Dezember 1913 wurden auf der 794,5 Hektar großen Gemarkungsfläche der Landgemeinde Rißnow 62 viehhaltende Haushaltungen gezählt und auf dem 1533,3 Hektar umfassenden Gutsbezirk Rißnow zwölf viehhaltende Haushaltungen.Königlich Preußisches Statistisches Landesamt: Gemeindelexikon über den Viehstand und den Obstbau für den Preußischen Staat, Heft 4: Provinz Pommern, Berlin 1915, 1. Regierungsbezirk Stettin, 12. Kreis Cammin, S. 54–55, Ziffer 83 (Google Books), und S. 56–57, Ziffer 175 (Google Books).
Am 1. April 1927 hatte der Gutsbezirk Rißnow einen Flächeninhalt von 1533 Hektar und 30 Ar, und am 16. Juni 1925 hatte der Gutsbezirk 122 Einwohner.Kurt Albrecht: Die preußischen Gutsbezirke, in: Zeitschrift des Preussischen Statistischen Landesamts, 67. Jahrgang, Berlin 1927, S. 344–477, insbesondere S. 393, 2. Kreis Cammin, Ziffer 69 (Google Books). Um 1928 wurde der Gutsbezirk Rißnow in die Landgemeinde Rißnow eingegliedert. Amtsbezirk Rißnow (Territorial.de)
Anfang der 1930er Jahre hatte die Gemarkung der Landgemeinde Rißnow einen Flächeninhalt von 23,3 km². Innerhalb der Gemeindegrenzen standen zusammen 97 bewohnte Wohnhäuser an sechs verschiedenen Wohnplätzen:
Um 1935 gab es im Dorf Rißnow unter anderem zwei Gasthöfe, ein Baugeschäft, zwei Gemischtwarenläden, eine Molkerei, eine Mühle, eine Schmiede und eine Stellmacherei.Klockhaus' Kaufmännisches Handels- u. Gewerbe-Adressbuch des Deutschen Reichs, Band 1 A, Berlin 1935, S. 1100 (Google Books). Der Gutsbezirk Rißnow war aufgeteilt worden. Ein 234 Hektar umfassendes Restgut besaß 1939 M. Wesenberg.
Im Jahr 1945 gehörte die Landgemeinde Rißnow zum Kreis Cammin i. Pom. im Regierungsbezirk Stettin in der Provinz Pommern des Deutschen Reichs. Rißnow war Sitz des Amtsbezirks Rißnow.
Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Region Anfang März 1945 von der Roten Armee besetzt. Bald nach Beendigung der Kampfhandlungen wurde Rißnow zusammen mit ganz Hinterpommern von der Sowjetunion der Volksrepublik Polen zur Verwaltung überlassen. Danach begann die Zuwanderung polnischer Zivilisten. Der Ortsname Rißnow wurde zu ‚Rzystnowo'‘ polonisiert. In der Folgezeit wurde die einheimische Bevölkerung von der polnischen Administration aus Rißnow vertrieben.
Demographie