Hans-Joachim Lenger (* 1952; † 25. Februar 2019 in Hamburg) war ein deutscher Philosoph, Kunsttheoretiker und Hochschullehrer. Er wirkte über drei Jahrzehnte als Professor an der Hochschule für bildende Künste Hamburg (HfbK).
Leben und Wirken
Lenger studierte Philosophie und Literaturwissenschaft in Hamburg. Seine Dissertation schrieb er unter dem Titel Sein, Technik, Aisthesis. Zur philosophischen Grundlegung ästhetischer Kategorien.Ästhetiken des Virtuellen Seit Beginn seiner Tätigkeit an der HfbK im Jahr 1983 untersuchte und unterstützte er die Aufgabe der Kunst in einem begrifflich anspruchsvollen, von politischer Dringlichkeit geprägten philosophischen Diskurs. An der Kunsthochschule lehrte er Philosophische Ästhetik sowie Philosophie und Medientheorie.
Von 1983 bis 1994 war er verantwortlicher Redakteur der Zeitschrift Spuren. Zeitschrift für Kunst und Gesellschaft (Herausgeberin war Karola Bloch).Archiv der Zeitschrift Spuren Er gestaltete den Promotionsstudiengang der HfbK maßgeblich mit und konzipierte sowie leitete das Graduiertenkolleg „Ästhetiken des Virtuellen“.
Im Kulturprogramm des Hörfunks (WDR, SWR, Deutschlandfunk) veröffentlichte er zahlreiche kommentierende Beiträge, die er selbst einsprach.Archivierte Auflistung von RundfunkbeiträgenAudioaufzeichnungen von Beiträgen und Vorträgen In den 1990er Jahren beteiligte er sich an The Thing, einem internationalen Mailbox-Netzwerk von Künstlern und Künstlerinnen. Zuletzt engagierte er sich bei dem selbstorganisierten Radioprogramm „agoRadio“Archivierte Auflistung der Sendungen von „AgoRadio“.
Denken und thematische Schwerpunkte
Lengers philosophische Schriften und seine Praxis als Hochschullehrer waren durch die politischen Ereignisse des Mai 1968 geprägt. Zentrale Bezugspunkte seines Denkens waren Marxismus, Psychoanalyse und Poststrukturalismus im Spannungsfeld von Technik und Medientheorie.
Mit Jean-Luc Nancy verband ihn, dass er das Erbe des Marxismus als Anspruch auffasste, in einer begrifflichen Dekonstruktionsarbeit politische Verwerfungen aufzuweisen, die sich aus Fragen nach dem Ereignis, der Gemeinschaft und der Ästhetik ergeben.David Wallraf, Nicola Torke, Benjamin Sprick: „Denker in steter Unruhe – Nachruf für Hans-Joachim Lenger“, taz vom 13. März 2019
Buchveröffentlichungen
mit Friedrich von Borries: Metastasen des Krieges. Merve, Berlin 2018 ISBN 978-3-96273-005-5 Fragen an Deleuze. Fragen an Wenders. Das Digitale. Materialverlag, Hamburg 2017 ISBN 978-3-944954-33-2 herausgegeben mit Georg Christoph Tholen: Mnema. Derrida zum Andenken. Transcript, Bielefeld 2015 ISBN 978-3-8394-0510-9 Marx zufolge. Die unmögliche Revolution. Transcript, Bielefeld 2015 ISBN 978-3-89942-211-5 Vom Abschied. Ein Essay zur Differenz. Transcript, Bielefeld 2001 ISBN 978-3-933127-75-4 mit Michael Herrmann, Jan Philipp Reemtsma, Karl Heinz Roth: Hafenstraße. Chronik und Analysen eines Konflikts Verlag am Galgenberg, Hamburg 1987 ISBN 3-925387-34-X mit Jochen Hiltmann: Unterwegs in Zwischenräumen. Über Readymades, Kunst und Alltag. Prometh, Köln 1983 ISBN 978-3-922009-54-2 mit Katharina Hiltmann und Jochen Hiltman: Kunst im antiimperialistischen Kampf der BRD und Westberlins. Oberbaumverlag, Berlin 1973
Einzelnachweise
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