Hertha Isenbart (geborene Rosa Schottländer; * 31. Januar oder 30. Juni 1871 in Hartlieb bei Breslau, Provinz Schlesien, Königreich Preußen; † 5. Juli 1918 in Baden-Baden, Großherzogtum Baden, Deutsches Reich) war die Erbauerin des Schlosses Bühlerhöhe.

Leben und Wirken Herkunft und Ehen Rosa Schottländer stammte aus einer wohlhabenden jüdischen Familie. Ihr Vater Julius Schottländer war der größte Grundbesitzer Schlesiens, ihre Mutter war Anna Galewski, ihr Bruder Paul Schottländer wurde der vermögendste Unternehmer in Breslau. Sie heiratete den Bankier Carl Pringsheim (1856–1895), einen entfernten Verwandten von Katia Pringsheim, der Ehefrau von Thomas Mann.

Bald nach der Geburt ihres einzigen Sohnes Hans Pringsheim (1891–1995) lernte sie den Oberst Wilhelm Isenbart kennen, der auf einem Gut der Eltern während eines Manövers zu Gast war.Coenen, 2002, S. 244 (PDF), mit einigen biographischen Angaben; auch Chronik Bühlerhöhe, mit einigen Ausschmückungen Sie ließ sich von ihrem Ehemann scheiden, heiratete den Oberst und konvertierte zur evangelischen Konfession. Daraufhin distanzierte sich ihre Familie von ihr, außer ihrer Schwester Gertrud und deren Mann Walter Sobernheim. Wilhelm Isenbart wurde deshalb aus der Armee entlassen, nachdem er vorher noch zum Generalmajor befördert wurde.

Sie wohnten zunächst in Eisenach und dann in Koblenz. Dort fanden sie aber auf Grund ihrer Vorgeschichte nur wenig Zugang zu der höheren Gesellschaft. Sie waren häufig auf Reisen, besonders in Ägypten. Dort starb Wilhelm Isenbart überraschend im November 1908.Militär-Wochenblatt vom 5. Dezember 1908, S. 1504; mit Todesanzeige durch Hertha Isenbart Hertha Isenbart reiste 1909 nach Baden-Baden und suchte in der Nähe eine Möglichkeit, seiner zu gedenken.

Bau von Bühlerhöhe Nach dem Tod ihres Vaters im Januar 1911 und dem Erhalt des Pflichterbes von etwa zehn Millionen Goldmark unterbreitete sie im Juni 1911 dem Gemeinderat von Bühl das Angebot, auf dem Kohlbergfelsen ein General-Isenberg-Offiziers-Genesungsheim für zwölf Generäle mit deren Personal errichten zu lassen.Coenen, 2002, S. 245, mit Details Nach der Genehmigung durch den Kaiser erteilte der Gemeinderat im April 1912 die Zustimmung. Im Juli ließ sich Hertha Isenbart von Wilhelm II. und dessen Frau auf Schloss Wilhelmshöhe bei Kassel empfangen und erläuterte ihnen detailliert ihre Vorstellungen.Rüschhoff, 1964, S. 23, Curt Karl Rüschhoff assistierte ihr dabei Danach ließ sie einen luxuriösen Gebäudekomplexes mit vornehmer Innenausstattung und einem Sanatorium, mit einem weiten Blick auf die Rheinebene, unter der Leitung des Architekten Wilhelm Kreis erbauen. Die Kosten wurden sehr hoch, auch da der erste Bauleiter verschwenderisch gewirtschaftet hatte.

Hertha Isenbart reiste in dieser Zeit mit ihrem Sohn auch an die Riviera nach Cannes, sie verbrachten die Winter in ihrem Haus in Ägypten und in Assuan, und besuchten eine deutsche archäologische Ausgrabung in Aniba.Susanne Voss, Dieter Raue (Hrsg.), Georg Steindorff und die deutsche Archäologie im 20. Jahrhundert, de Gruyter, Berlin 2016, S. 441, mit Anm. 1871, über Besuch der Ausgrabungen von Georg Steindorff in Aniba (Nubien) 1914; auch Rüschhoff, 1964, S. 33, über Aufenthalte in Ägypten Den jungen Architekten Curt Karl Rüschhoff und Hans Woltmann bezahlte sie eine Reise nach Paris, bei der sie die dortigen Bauwerke kennenlernen konnten.Rüschhoff, 1964, S. 28

Letzte Jahre Im September 1914 sollte das Offiziersgenesungsheim Bühlerhöhe mit einem großen Festakt feierlich an Kaiser Wilhelm II. übergeben werden, wozu umfangreiche Vorbereitungen getroffen wurden. Nach dem Beginn des Ersten Weltkrieges im August 1914 musste diese jedoch abgesagt werden, und viele Bauarbeiter wurden als Soldaten an die Front geschickt. Im Oktober wurde der Bau mit einiger Verzögerung fertig, konnte aber danach zum größten Teil nicht genutzt werden, da es keine Unterstützung durch das kaiserliche Hofmarschallamt gab. Nur das Sanatorium wurde zum Ersatz-Lazarett.

Hertha Isenbart war von dieser Entwicklung schwer getroffen und sah ihr Lebenswerk zerstört. Sie konnte auch nicht mehr in das Ausland reisen und hatte keinen Zugang zu ihren ausländischen Vermögen.Rüschhoff, 1964, S. 38 Sie litt zunehmend unter Depressionen. 1918 stürzte sie sich von einem Felsen in der Nähe der Bühlerhöhe, da sich ein ihr sehr nahestehender Arzt verlobt hatte. Sie überlebte den Sturz und kam in das Krankenhaus in Baden-Baden. Dort starb sie am 5. Juli 1918 im Alter von 47 Jahren an einer Überdosis von Schlaftabletten.Bühlerhöhe Ulrich Coenen

Weitere Entwicklung der Bühlerhöhe und der Hertahütte

miniatur|Bühlerhöhe 1920 wurde die Bühlerhöhe zu einem Kurhaus umgebaut, in dem sich später auch Bundeskanzler Konrad Adenauer gerne aufhielt. 1988 wurde es zu einem Luxushotel, zu dessen Gästen Nelson Mandela, Bill Clinton und die englische Fußballnationalmannschaft gehörten. Seit 2010 wird es nicht mehr kommerziell genutzt, ist aber als Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung in die Denkmalliste eingetragen.

Auf dem nahegelegenen Falkenfelsen hatte Hertha Isenbart 1913 auf einer Aussichtshöhe eine Holzschutzhütte mit einem Strohdach erbauen lassen.Matthias Kehle, Lieblingsplätze Nordschwarzwald, 2021, S. 105 Diese wurde um 1919 wieder zerstört, die nachfolgende brannte 1983 ab. Danach wurde eine neue Hertahütte erbaut.Hertahütte, mit einigen Fotos von 2025

Literatur Ulrich Coenen: Bühlerhöhe und Stupinigi. Filippo Juvarras Jagdschloss als Vorbild für das neubarocke Denkmal von Wilhelm Kreis. In: Die Ortenau. Veröffentlichungen des Historischen Vereins für Mittelbaden. Band 82, Offenburg 2002, S. 243–276, besonders S. 244–246 (PDF) Curt Karl Rüschhoff: Wie die Bühlerhöhe gebaut wurde. 1964 (Digitalisat), mit einem Foto von Hertha Isenhart und vielen Erinnerungen des leitenden Architekten

Weblinks Bühlerhöhe Ulrich Coenen

Einzelnachweise

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