mini|Die venezianischen Kirchen Santa Maria Nova, erkennbar am noch unfertigen Glockenturm, und Santa Maria dei Miracoli im Plan des Jacopo de’ Barbari, um 1500 (Detail) mini|Antonio Visentini: Fassade der Kirche Santa Maria Nova, um 1760, Courtauld Institute of Art, London mini|Visentini: Grundriss, um 1760, Courtauld Institute of Art mini|Palazzo Bembo Boldù am Campiello Santa Maria Nova Santa Maria Nova war eine im 10. oder 11. Jahrhundert errichtete Kirche im Norden des venezianischen Sestiere Castello. In unmittelbarer Nähe, auf der anderen Seite des Rio dei Miracoli, befindet sich die Kirche Santa Maria dei Miracoli. Santa Maria Nova lag am Campo Santa Maria Nova, wobei noch ein gleichnamiger Campiello bestand, der seinerseits über die Calle dei Miracoli mit der Nachbarkirche verbunden war. Die Kirche wurde mehrfach umgebaut, stürzte zusammen, wurde neu gebaut, und im Jahr 1852 abgerissen. 1631 diente sie dem aus der Gemeinde stammenden Dogen Nicolò Contarini als Grabstätte.
Geschichte Die Kirche soll unter dem Namen Santa Maria Assunta, so eine spätere Überlieferung, auf die Familie Borselli zurückgehen, die das Bauwerk ab 971 errichten ließ. Sie stammte demnach aus Aquileia. Emmanuele Antonio Cicogna hielt diese Überlieferung allerdings für ‚sehr unsicher‘.Emmanuele Antonio Cicogna: Delle Inscrizioni Veneziane, Bd. 3, Picotti, Venedig 1830, S. 283. Ein Benediktinerkloster wurde nach einer ebenso unsicheren Überlieferung angeschlossen. Nach Flaminio Corner erfolgte im Jahr 1110 die Translation der Reliquien des „Santo Stefano Protomartire da Costantinopoli“, also des hl. Stephanus.Flaminio Corner: Notizie storiche delle Chiese e Monasteri di Venezia, Padua 1758, S. 272.
Im Laufe des 13. Jahrhunderts wurde die Kirche erst als Santa Maria Nova erwähnt, und Ende des 13. Jahrhunderts wurde sie zur Pfarrkirche erhoben und neu gebaut. Die Arbeiten am Glockenturm begannen erst 1498, finanziert aus Mitteln Nicolò Morosinis. Dieser Campanile erscheint im Plan Venedigs von Jacopo de’ Barbari, der um 1500 angefertigt wurde, noch immer abgeschnitten und ohne Turm. 1475 schädigte einer der zahlreichen Brände die Kirche.
Ein Teil der Kirche stürzte am 16. Juli 1535 ein, doch wurde das Gebäude wieder aufgebaut. Nach einer Inschrift in der Kirche, die Cicogna überliefert, brachten der Pfarrer Bernardino Gusmazio, der Subdiakon Nicolò Negri (oder dal Negro), der zugleich Sakristan an der Markuskirche war, sowie einige weitere Venezianer die notwendigen Mittel auf. Jacopo Sansovino wurde von Flaminio Corner als Baumeister genannt, eine Behauptung, an der Cicogna Zweifel anmeldet und die heute als widerlegt gilt.
In den Jahren um 1600 wurde ein neuer Hochaltar geschaffen; dieser war bereits der siebente, wie eine Inschrift belegt. Um diese Zeit wurde auf Kosten des Pfarrers Francesco Grassi († 27. Februar 1614), der 1584 gewählt worden war, das Bauwerk renoviert.Emmanuele Antonio Cicogna: Delle Inscrizioni Veneziane, Bd. 3, Picotti, Venedig 1830, n. 4, S. 286. Am 17. Juni eines nicht überlieferten Jahres wurde die erneuerte Kirche geweiht.
Der Doge Nicolò Contarini wurde im Jahr 1631, während einer Pestepidemie, in dieser Kirche beigesetzt, doch gilt sein Grab seit der Schließung des Gebäudes als verschollen. Er hatte seiner Gemeinde ein wenig vom Blut Christi gespendet, das in einer Ampulle im Markusdom aufbewahrt wurde, damals die Kirche der Dogen. Dieses Blut wurde danach jedes Jahr in einer feierlichen Prozession durch die Stadt geführt.
1760 begann der Architekt Giovanni Vettori mit der Erneuerung der Fassade, die jedoch unvollendet blieb. Die Arbeiten an der Fassade wurden 1770 beendet, wie eine weitere Inschrift bei Cicogna belegt.
Mit dem napoleonischen Dekret vom 7. Dezember 1807 wurde die Pfarrei aufgehoben, und der Pfarrei San Giovanni Crisostomo zugeschlagen. Letzter Pfarrer war don Costantino Scarman. Die Kirche wurde 1808 geschlossen, 1810 der Gemeinde San Canciano martire angeschlossen. Bis 1807 leitete ein Kapitel, bestehend aus nur zwei Priestern, die Gemeinde, der Pfarrer war für die Seelsorge verantwortlich, sowie die Armenfürsorge. Diese Aufgaben hatten zuvor auch die beiden Angehörigen des Kapitels wahrgenommen.
Nachdem Teile der Inneneinrichtung und die Kunstwerke entfernt worden waren, wurde sie als Lagerhaus genutzt (mindestens bis 1830). Der Glockenturm wurde im Januar 1839 abgerissen,Cesare Augusto Levi: I campanili di Venezia. Notizie storiche, Ferdinando Ongania, Venedig 1890, n. 124, S. 81. die Kirche selbst im Jahr 1852. Wie Cicogna 1830 berichtet, hatten Unbekannte ein großes Gemälde auf einer „tavola“ an einer Seitenwand der Kirche angebracht, das allerdings um diese Zeit bereits in sehr schlechtem Zustand war. Der Autor berichtet, dass das Gemälde eine sitzende Madonna zwischen zwei Heiligen darstellte.
Literatur Alessandro Gaggiato: Le chiese distrutte a Venezia e nelle isole della Laguna, Supernova, Venedig 2019, S. 162–166. Elena Bassi: Tracce di chiese veneziane distrutte: ricostruzioni dai disegni di Antonio Visentini, Istituto Veneto di Scienze, Lettere ed Arti, Venedig 1997, S. 35–42. Emmanuele Antonio Cicogna: Delle Inscrizioni Veneziane, Bd. 3, Picotti, Venedig 1830, S. 281–349 (47 Inschriften). (digitalisiert beim Münchener Digitalisierungszentrum) Flaminio Corner: Notizie storiche delle Chiese e Monasteri di Venezia, Padua 1758, S. 272 f. (Digitalisat, S. 272) Johann C. Maier: Beschreibung von Venedig, Teil I, Christian Gottlieb Hertel, Frankfurt/Leipzig 1787, S. 298 f., n. 65 („S. Maria Nuova; Parrochie“). (Digitalisat)
Weblinks
Parrocchia di Santa Maria Nova, Venezia, Sistema Informativo Unificato per le Soprintendenze Archivistiche (SIUSA), archive.org, 27. Dezember 2024
Anmerkungen
Santa Maria Nova Maria Nova Kategorie:Zerstört in den 1850er Jahren Kategorie:Abgegangenes Bauwerk in Venetien Kategorie:Erbaut im 11. Jahrhundert Venedig