Die Moto Guzzi Targa 750 ist ein Motorrad mit sportivem Aussehen, das der italienische Hersteller Moto Guzzi von Ende 1989 bis 1993 in Mandello del Lario baute. Die Bezeichnung bezieht sich auf das Langstrecken-Bergrennen Targa Florio in Sizilien. Das im Widerspruch zum sportlichen Anspruch relativ schwach motorisierte Modell ähnelt sehr der parallel verkauften Le Mans 1000 CI (1988–1993), die allerdings vom sogenannten „Big-Block“-Aggregat angetrieben wird und eine stark unterschiedliche Grundkonstruktion hat.

Geschichte Die Targa 750 wurde im Herbst 1989 vorgestellt, ab Anfang 1990 ausgeliefert und ist die direkte Nachfolgerin der von 1984 bis 1989 produzierten V50 Monza II (rund 500 cm³ Hubraum, 50 PS Nennleistung), aber auch indirekt der ebenfalls ab 1984 angebotenen Modelle V65 Lario (ca. 650 cm³, 60 PS) und V35 Imola II (ca. 350 cm³, 40 PS). Im Gegensatz zu diesen drei Vorgängermodellen hat die Targa 750 eine vollständig rahmenfeste Frontverkleidung – diese Änderung entspricht jener zwischen der ersten Serie der Le Mans 1000 (1984–1987) und der darauffolgenden zweiten Serie Le Mans 1000 CI (1988–1993).

Im Vereinigten Königreich wurden auch 100 Stück (50 feuerrot, 50 flaschengrün) einer günstigeren Basisversion ohne Frontverkleidung mit der Bezeichnung 750 T vom dortigen, im Jahr 2020 abgewickelten Importeur Three Cross Motorcycles Ltd. verkauft, mit dem Tank, dem Cockpit und den Anbauteilen der V50 III.

Die Targa 750 ist ein ausgeglichenes Motorrad mit relativ hohem Drehmoment schon bei niedriger Drehzahl und exzellentem Fahrverhalten, jedoch mit im damaligen Wettbewerb viel zu schwacher Leistung. Es verkaufte sich dementsprechend schlecht. Seit seiner Produktionseinstellung zum Modelljahr 1994 bietet Moto Guzzi kein „Sportmotorrad“ in der Mittelklasse mehr.

Technik Antrieb Der längs eingebaute, fahrtwindgekühlte Viertakt-Zweizylinder-V-Motor basiert auf dem ab 1977 in den unterschiedlichen V35-, V50- und V65-Modellen verwendeten Aggregat, das international „Small Block“ genannt wird. Seine Entwicklungsstufe ist die gleiche wie bei der parallel eingeführten NTX 750. Er hat, wie alle V-Motoren von Moto Guzzi seit 1967, einen Zylinderwinkel von 90 Grad. Pro Zylinder werden je ein Ein- und ein Auslassventil von einer untenliegenden Nockenwelle über Stößel, Stoßstangen und Kipphebel gesteuert (sogenannte OHV-Steuerung). Die Zylinder haben eine Bohrung von 80 mm Durchmesser, die Kolben einen Hub von 74 mm. Daraus ergibt sich ein Hubraum von 743,9 cm³. Das Verdichtungsverhältnis ist 9,7 : 1. Die Nennleistung von 34 kW (46 PS) wird bei einer Drehzahl von 6000 min−1 erreicht, ab 1992 wird sie geringfügig erhöht auf 35 kW (48 PS) bei 6200 min−1; das maximale Drehmoment von 59,4 Nm liegt bei 5600/min an.https://www.motorcyclespecs.co.za/model/moto%20guzzi/moto_guzzi_targa%20750.htm Das Gemisch bilden zwei Vergaser von Dell’Orto vom Typ PHBH 30 B. Die elektronische Zündung lieferte der spanische Zulieferer Motoplat. Am vorderen Ende der Kurbelwelle wird die Lichtmaschine, die eine maximale Stromstärke von 20 A erzeugt, direkt angetrieben. Der Kraftstofftank fasst 16,5 Liter. Bei einem Durchschnittsverbrauch von 6,1 l / 100 km gemäß Herstellerangabe ergibt sich eine theoretische Reichweite von ca. 270 km.

Die Einscheiben-Trockenkupplung wird mechanisch über Seilzug betätigt. Das Getriebe hat fünf Gänge. Ein Kardanantrieb überträgt die Kraft an das Hinterrad.

Rahmen und Fahrwerk Die Targa 750 hat einen Doppelschleifenrahmen aus Stahlrohr mit geschraubten Unterzügen. Das Vorderrad wird von einer hydraulischen, nicht einstellbaren Guzzi-Teleskopgabel mit Druckausgleich (Ölleitung zwischen den Standrohren), 38 mm Standrohrdurchmesser und 136 mm Federweg geführt.

Am Hinterrad gibt es eine Zweiarmschwinge aus Aluminium mit (entspannt) 330 mm langen Koni-Federbeinen. Der Federweg beträgt 68 mm, die Federvorspannung ist in 3 Stufen mit Hakenschlüssel einstellbar, die Druckstufendämpfung werkzeuglos in 4 Stufen. Die Kardanwelle ist im rechten Schwingarm integriert. Wie bei allen Guzzi-Modellen mit der „Small-Block“-Antriebskonstruktion ist die Schwinge drehbar gelagert direkt am Getriebegehäuse angeschraubt.

Vorn wie hinten hat die Targa 750 rote Leichtmetall-Gussfelgen vom Typ MT in Fünf-Doppelspeichen-Design, die den Einsatz schlauchloser Reifen ermöglichen, in den Radgrößen 18″×2,50″ vorn und 18″×2,75″ hinten. Die Reifendimensionen sind vorn 100/90 V 18 und hinten 120/80 V 18.

Das Motorrad ist serienmäßig mit Haupt- und Seitenständer ausgestattet.

Bremsanlage Das Integralbremssystem hat hydraulisch betätigte Scheibenbremsen: am Vorderrad zwei fest geschraubte Bremsscheiben mit einem Durchmesser von 270 mm und axial geschraubten Doppelkolben-Festsätteln von Brembo; am Hinterrad eine fest geschraubte Bremsscheibe mit 235 mm Durchmesser und einen Brembo-Doppelkolben-Festsattel. Alle Bremskolben haben einen Durchmesser von 32 mm.

Weblinks

Bildersammlung zur Targa 750 auf der frz. Website guzzitek.org

Einzelnachweise

Kategorie:Motorradmodell Targa 750