mini|Gemeindezentrum St. Martin mini|Innenraum mini|Kruzifix Das Gemeindezentrum St. Martin ist eine römisch-katholische Filialkirche in Allmersbach im Tal. Das schlichte Gotteshaus im Stil der Nachkriegsmoderne ist in den 1970er Jahren nach Plänen von Hans Werner Merkle (Stuttgart) im Wohngebiet Wacholder entstanden und dem Patrozinium des Heiligen Martin von Tours anvertraut. Zusammen mit dem Evangelischen Gemeindezentrum bildet St. Martin ein „ökumenisches Ensemble“.

Die Kirche gehört zur katholischen Kirchengemeinde „Zur Heiligsten Dreifaltigkeit“, welche die Gemeinden Allmersbach im Tal und Weissach im Tal umfasst.

Geschichte Mit der Einführung der Reformation unter Herzog Ulrich von Württemberg wurde Allmersbach im Tal wie ganz Alt-Württemberg 1535 evangelisch-lutherisch. Erst im Zuge der Säkularisierung geistlicher Gebiete nach dem Reichsdeputationshauptschluss von 1803 kam es wieder zu einer Einwanderung römisch-katholischer Christen nach Alt-Württemberg, jedoch blieb ihre Zahl gering. Zur Zeit der Deutschen Reichsgründung (1871) bekannte sich im gesamten heutigen Gemeindegebiet nur eine Person zum Katholizismus. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg und der Flucht und Vertreibung von Millionen Deutschen aus Mittel- und Osteuropa ab 1945 kamen wieder Katholiken in großer Zahl nach Allmersbach im Tal. Viele wurden am Anfang nur notdürftig in Behelfswohnungen untergebracht. Um den vielen Katholiken dennoch einen Gottesdienstbesuch zu ermöglichen, öffnete der evangelische Pfarrer Alfred Goetze seine Kirche St. Anna für katholische Messen. Der Wunsch nach einer eigenen Kirche blieb bei vielen Katholiken jedoch bestehen. Da die Landwirtschaft nach dem Krieg ihre einstige Bedeutung verlor, war es der Gemeinde möglich, großzügige Neubaugebiete auszuweisen. So entstanden die neuen Wohnquartiere im Osten, Westen und Süden der Gemeinde, in denen viele katholische Heimatvertriebene Grundstücke erwarben. Dem Backnanger Stadtpfarrer Egon Saupp gelang es 1969, ein größeres Grundstück zu erwerben. Kurioserweise hatte die evangelische Kirchengemeinde dasselbe Grundstück für ihr neues Gemeindezentrum ausersehen. Als Zeichen ökumenischer Verbundenheit wurde die Hälfte des Grundstücks daraufhin der evangelischen Kirche zum üblichen Preis verkauft. Die Bauarbeiten begannen 1972. Am Martinstag, dem 11. November 1973, konnte die neue Kirche von dem Weihbischof Georg Moser geweiht werden.

Die Kirche St. Martin gehört zur katholischen Kirchengemeinde Weissacher Tal. Diese umfasst die Gemeinden Allmersbach im Tal mit Heutensbach und Weissach im Tal mit seinen Gemeindeteilen Aichholzhof, Bruch, Cottenweiler, Dresselhöfe, Oberweissach, Unterweissach, Viehhaus und Wattenweiler.

Architektur und Innenausstattung Das moderne Gemeindezentrum ist auf zwei Ebenen angelegt: Im Obergeschoss befindet sich die Kirche, im Erdgeschoss befinden sich Jugend- und Versammlungsräume sowie die Küche. Die Kirche ist schlicht gehalten; den Neuerungen des Zweiten Vatikanischen Konzils entsprechend ist der Altar in die Mitte gerückt und von den Sitzbänken umgeben. Die Decke ist holzvertäfelt. Auf einen eigenen Glockenturm wurde verzichtet.

Bemerkenswert sind eine Marienstatue mit dem Jesuskind aus dem 17. Jahrhundert, eine von dem Künstler János Vad geschaffene moderne Statue des Heiligen Martin und eine Nachbildung der sogenannten Brucher Pietà. Deren Original ist aus Lindenholz geschnitzt und wird wohl im späten Mittelalter entstanden sein. Sie befand sich ursprünglich in der Brucher Marienkapelle. Die Pietà überstand den Bildersturm unversehrt; jahrhundertelang wurde sie von einer Brucher Familie sorgfältig aufbewahrt. Während der Franzosenzeit wurde sie von einem Besatzungssoldaten vorsätzlich beschädigt, indem er einen Arm absägte. 1927 kam die originale Pietà ins Landesmuseum Württemberg in Stuttgart. 2012 erhielt die katholische Kirchengemeinde Weissacher Tal eine im Jahr 1927 angefertigte Nachbildung der Mariendarstellung. Nach Restauration und Segnung befindet sich die Pietà seit Mai 2024 im Gemeindezentrum St. Martin.Das Altarkreuz stammt aus der Werkstatt des deutsch-schweizerische Holzbildhauers Franz Bucher (1928–1995). Der Kreuzweg mit seinen 14 Stationen wurde von dem Schorndorfer Künstler Alfred Seidel (1913–2001) gestaltet.

Das evangelische und das katholische Gemeindezentrum St. Martin teilen sich sei Beginn der 1990er Jahre einen Glockenturm, der als Campanile zwischen den Gebäuden errichtet wurde. Das Geläut der alten Dorfkirche war am Rosenmontag 1990 durch Blitzschlag zerstört worden.Erich Bauer: Der Blitz schlug in den Turm der alten Allmersbacher Kirche. In: Roland Schlichenmaier (Hrsg.): Geschichte und Geschichten aus unserer Heimat Weissacher Tal. Band 5. Verlag Schlichenmaier, Weissach im Tal 1990, ISBN 3-9802301-7-1, S. 11f. Der Turm steht allerdings auf dem Grundstück der evangelischen Kirche; eine Glocke wurde seinerzeit durch die katholischen Kirchengemeinde gestiftet.

Literatur

Evangelische und katholische Kirchengemeinden Allmersbach im Tal (Hrsg.): 25 Jahre Evangelisch-katholisches Gemeindezentrum Allmersbach im Tal 1973–1998. Verlag Medienwelt Schlichenmaier, Weissach im Tal 1998. Pfarrer Wolfgang Kraus: Die katholische Kirchengemeinde Weissach im Tal. In: Die Weissach-Chronik. Weissach im Tal, 2006, ISBN 3-929478-39-0, S. 489–495.

Einzelnachweise

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