Der Wandelbach ist ein knapp 6 Kilometer langer Bergbach in der Gemeinde Meiringen in den Berner Alpen. Der sehr steile Wildbach entwässert das Gebiet der Alp «Wandel» hoch über dem Aaretal und überwindet auf einer Strecke von etwa fünf Kilometern (ohne den flachen Unterlauf) einen Höhenunterschied von 1500 Metern. Das Quellgebiet liegt im hochalpinen Landschaftsschutzgebiet «Chaltenbrunnenmoor – Wandelalp», das im Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung verzeichnet ist.Objektblatt «Chaltenbrunnenmoor – Wandelalp» im Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung. Früher mündete der Bach mit dem «Giessen» direkt in die Aare und seit der Flusskorrektion im späten 19. Jahrhundert von links in den Hauptkanal Aarboden, der neben der Aare zum Brienzersee fliesst.
Geographie Verlauf Der Wandelbach entspringt im oberen Bereich der Wandelalp südwestlich von Meiringen an der Ostflanke des Wandelhoren, eines 2304 Meter hohen Bergs über dem Aaretal. Der Wasserabfluss im Quellbach ist abhängig von der Niederschlagsmenge am Gebirge. Die Bergkette Wandelhoren-Garzen-Grindelgrat-Tschingel, die zum Jagdbanngebiet «Schwarzhorn» gehört,Eidgenössische Jagdbanngebiete auf bafu.admin.ch. bildet einen bis zu 600 Meter hohen, rund vier Quadratkilometer weiten Felsenkessel, in dem sich das Schmelz- und das Niederschlagswasser über zahlreiche Runsen und Gräben im Wandelbach sammelt. Bei trockenem Wetter führen viele Rinnen in den Schutthalden unter dem Berggrat kein Wasser. Die grösseren Nebenbäche auf der oberen Wandelalp sind der Hinder Schwarzlochbach und der Vorder Schwarzlochbach, die auch vom Wandelhoren herunterfliessen, der Wildbach «Chatti Wäschi» und der Schlieribach. Bei der Alpsiedlung «Im obersten Wandel» überquert ihn auf die einst vom Militär gebaute Zufahrtstrasse. Neben dem Bachgraben liegen zwischen den Alpweiden auf mehreren Geländeterrassen Moore von nationaler Bedeutung.Objektblatt «Schärpfi» im Bundesinventar der Flachmoore von nationaler Bedeutung.
Nach einem zwei Kilometer langen Lauf durchquert der Wandelbach ein enges Tobel zum Alpstafel «Im mittelsten Wandel» () hinunter, wo ihm von links das Bärwangbächli zufliesst. An dieser Stelle baute die Alpgenossenschaft Wandel 1996 ein Kleinkraftwerk für die eigene Stromversorgung der Alpbetriebe. Dann durchquert der Bach einen oberen Wald östlich vom Alpstafel «Im understen Wandel». Von dort fliesst ihm, wieder von links, das Chlempenbächli zu. Oberhalb der Wiesen von «Isetwald» gelangt der Wildbach in einem breiten Graben, unter zwei Brücken der 1974 gebauten Güterstrasse hindurch, zu hohen Felskanten aus Kalkstein der Helvetischen Decken,Stefan Strasky (u. a.): Geologischer Atlas der Schweiz. Blatt 1208 Beatenberg, 1209 Brienz. Erläuterungen. Wabern 2022. über welche er mit einem Wasserfall zum Schittelboden hinunterstürzt. Über eine weitere Steilwand ergiesst sich der Bach mit einem nächsten hohen Wasserfall zur Landschaftsstufe der Vorsässe bei «Underzüün» hinunter, wo die Bergstrasse, die auf Wandel und auch auf die westlich davon gelegene Alp «Oltscheren» führt, das Bachbett nochmals überquert. Ein Wanderweg passiert das Bachbett mit einer Holzbrücke, die den Namen «Golden Gate» erhalten hat. Auf der 2,5 Kilometer langen Strecke vom Obersten Wandel bis «Underzüün» hat der Bach bereits eine Höhe von rund tausend Metern überwunden. Das Gspisbächli wird ihm eingedolt zugeführt. Nördlich von Underzüün folgt die höchste Felswand mit dem mehr als hundert Meter hohen Wandelbachfall, der ein schönes Naturschauspiel bietet und so wie auch der nahe Oltschibachfall seit dem 18. Jahrhundert ein beliebtes Motiv von Landschaftsmalern war. Die steile Felsrinne am Wasserfall ist eine schwierige Canyoning-Passage.
Unter dem Bachschuttkegel beim Wasserfall befindet sich als Element der Wildbachverbauung ein Geschiebesammler, der 2019 saniert und renaturiert wurde. Bei der Ortschaft Unterheid nimmt der Wandelbach noch das von der Bergstufe Züün herunterfliessende und im letzten Abschnitt eingedolte Schlüöchtbächli auf. Danach fliesst er in den Aarboden hinaus, wo er seit der Entsumpfung des Gebiets durch die Schwellenkorporation Aarboden um 1900 – so wie auch die andern Bäche im Gebiet – kanalisiert ist. Der begradigte Bachgraben, ein behördlich bewilligtes Fischereigewässer, unterquert die Piste des Militärflugplatzes Meiringen und mündet nördlich davon von links in den Hauptkanal.
Einzugsgebiet Das 8,18 Quadratkilometer grosse Einzugsgebiet des Wandelbachs liegt im Haslital in den Berner Alpen und wird über den Hauptkanal, die Aare und den Rhein zur Nordsee entwässert. Es umfasst vor allem den Bergkessel der Oberen Wandelalp und die darunter liegenden Landschaftsterrassen.
Es grenzt im Nordosten an das Gebiet des Giessen (ebenfalls in der Gemeinde Meiringen), der über den Chrüdbachkanal dem Hauptkanal im Aarboden zufliesst, im Südosten an jenes des Rychenbachs (in der Gemeinde Schattenhalb), der bei Meiringen in die Aare mündet, im Süden, jenseits der Wasserscheide am Garzen, an das Tal des Pfannbachs (im Gebiet von Meiringen), eines Zuflusses des Rychenbachs, und im Westen, nordwestlich des Wandelhoren, an das Einzugsgebiet des Oltschibachs (mit dem Oberlauf in der Gemeinde Brienzwiler und dem Unterlauf in Meiringen).
Das Einzugsgebiet besteht zu 28,3 Prozent aus bestockter Fläche, zu 48,4 Prozent aus Landwirtschaftsflächen, zu 1,2 Prozent aus Siedlungsfläche und zu 22,1 Prozent aus unproduktiven Flächen.
Die Flächenverteilung
Die mittlere Höhe des Einzugsgebietes beträgt
Zuflüsse Von der Quelle zur Mündung. Namen nach dem Geoportal des Kantons Bern, Daten nach dem Geoserver der Schweizer Bundesverwaltung Hinder Schwarzlochbach (links), 0,5 km Vorder Schwarzlochbach (links), 0,4 km Chatti Wäschi (rechts), 0,2 km Schlieribach (rechts), 0,3 km Bärwangbächli (links), 1,5 km, 0,53 km² Chlempenbächli (links), 0,8 km Gspisbächli (links), 1,1 km, 0,82 km² Schlüöchtbächli (links), 1,3 km, 1,16 km²
Hydrologie Bei der Mündung des Wandelbachs in den Hauptkanal Aarboden beträgt seine modellierte mittlere Abflussmenge (MQ) 0,46 m³/s. Sein Abflussregimetyp ist nival alpinMartin Pfaundler, Rolf Weingartner, Robert Diezig: «Versteckt hinter den Mittelwerten» – die Variabilität des Abflussregimes. In: Hydrologie und Wasserbewirtschaftung. 50. Jg., Nr. 3, Juni 2006, S. 116–123, hier S. 119 (PDF; 3,2 MB)., und seine AbflussvariabilitätDie Abflussvariabilität beschreibt das Ausmass der Schwankungen des mittleren Abflusses einzelner Jahre um den langjährigen mittleren Abflusswert. beträgt 18.
Literatur René Hantke, Adrian E. Scheidegger: Zur Entstehungsgeschichte der Berner Oberländer Seen. In: Jahrbuch Uferschutzverband Thuner- und Brienzersee. 2007, S. 11–34.
Weblinks
[ Verlauf des Wandelbachs] auf dem Geoportal des Kantons Bern Wandelbach auf schweizerfluss.ch
Einzelnachweise
Kategorie:Meiringen