Franz Joseph Kollmann (* 24. August 1800 in Dillingen an der Donau; † 3. Oktober 1894 in München) war ein deutscher Bauingenieur und von 1834 bis 1860 Stadtbaurat in Augsburg. Er zählt zu den prägenden Vertretern der neugotischen Architektur in der Stadt und gestaltete den Übergang vom klassizistischen zum neugotischen Bauschaffen in Augsburg maßgeblich mit.M. Arnold, S. 57.
Leben Herkunft und Ausbildung Kollmann erhielt seinen ersten Unterricht in Geometrie, Mathematik und Zeichnen am Gymnasium in Dillingen.M. Arnold, S. 19. Praktische Erfahrung sammelte er unter anderem beim Geometer Hölzle in Holzheim und beim königlichen Forstamt Weißingen. Im April 1815 trat er, 15-jährig, als unentgeltlicher Baupraktikant in die Augsburger Stadtbaudirektion ein. Parallel dazu bildete er sich durch Privatunterricht sowie den Besuch von Vorlesungen an der polytechnischen Schule und der örtlichen Kunstschule in naturwissenschaftlichen und technischen Fächern weiter.
Aufstieg im Stadtbauamt Bereits in jungen Jahren wurden ihm verantwortungsvolle Aufgaben übertragen, darunter die Vermessung von mehr als 5000 Tagwerk Staatswaldungen sowie 1818 die Ausstattung der neuen Straße nach Krumbach. Ab 1820 übernahm er Aufsichtsfunktionen bei Wasserbauten an der Wertach und dem Lech.M. Arnold, S. 20.
Nach bestandener Prüfung zum Geometer I. Klasse Anfang 1825 stieg er 1826 zum Bauingenieur auf und übernahm zusätzlich die Verwaltung des städtischen Baumagazins. Am 20. Oktober 1833 wurde der bisherige Stadtbaurat Sebastian Balthasar von Hößlin quiesziert; Kollmann führte dessen Amtsgeschäfte zunächst kommissarisch weiter. Nach einem Bewerbungsschreiben vom November 1833 ernannte ihn König Ludwig I. am 2. Februar 1834 zum technischen Baurat. Amtseid und -einweisung erfolgten am 5. März 1834.M. Arnold, S. 21.
Karriereende und Lebensabend Ende 1859 kam es in einer öffentlichen Sitzung zu Kritik an Kollmanns Amtsführung, obwohl er im selben Jahr sein 25-jähriges Dienstjubiläum begangen hatte.M. Arnold, S. 22. Ihm wurde vorgeworfen, durch den Bau des Krankenhauses andere Projekte vernachlässigt zu haben; vermutlich spielten hierbei auch wirtschaftliche Interessen lokaler Fabrikbesitzer eine Rolle. In der Folge reichte Kollmann am 30. Dezember 1859 sein Rücktrittsgesuch ein. Trotz einer Bürgerinitiative mit über 1000 Unterschriften, die seinen Verbleib forderte, wurde er am 4. Juni 1860 mit einer Pension von 1200 Gulden vorzeitig in den Ruhestand versetzt. 1861 zog er nach München, wo er 1885 das Heimat- und Bürgerrecht erwarb und 1894 im Alter von 94 Jahren verstarb.M. Arnold, S. 23.
Wirken mini|Das Augsburger Stadtkrankenhaus im Jahr 1878. Der neugotische Bau (1854–1859) gilt als Kollmanns Hauptwerk. Die Zeit seiner Tätigkeit als Stadtbaurat (1834–1860) gilt als Phase verstärkter Bautätigkeit in Augsburg, die über reine Instandsetzungen hinausging und der städtischen Architektur neue Impulse verlieh. Unter seiner Leitung setzte zudem der Aufschwung des Augsburger Fabrikbaus ein.Ulrich Kirstein: Kollmann, Franz Joseph. In: Augsburger Stadtlexikon. 2. Auflage (Online-Version). Stilistisch vollzog Kollmann in diesen Jahren den Übergang vom Klassizismus zu einer romantisierenden Neugotik und trug zur Wiederbelebung der Backsteinarchitektur bei.
Als sein architektonisches Hauptwerk gilt das Augsburger Stadtkrankenhaus (1854–1859), ein im Sinne des Münchner Maximilianstils gestalteter, rein neugotischer Bau. Zu seinen weiteren größeren Projekten zählen der Bau des Schlachthauses (1845–1850) und die Restaurierung der Fleischhalle. Bedeutende Beiträge leistete er auch im Sakral- und Denkmalbau, etwa durch die Renovierung des Perlachturms (1834), den neugotischen Entwurf des Kirchhoftors von St. Ulrich und Afra (1834), die Projektierung einer Turmspitze für St. Moritz (1844) sowie die neugotisch inspirierte Umgestaltung des Weberhauses (1854).
Neben der Hochbautätigkeit verantwortete Kollmann umfangreiche infrastrukturelle Maßnahmen. Als Fachmann im Wasserbau ermittelte er die städtischen Wasserkräfte (statistische Werke 1834/1849) und leitete den Bau der Reserve-Schleuse am Hochablass (1832). Hinzu kamen zahlreiche Kanal- und Brunnenbauten. Kollmann gründete zudem die Augsburger Feuerwehr und war während der Hochwassergefahr im August 1851 maßgeblich am Schutz der Stadt beteiligt. Darüber hinaus unternahm er auf eigene Kosten Studienreisen nach England und Frankreich.
Ehrungen In Augsburg ist im Stadtteil Hochfeld die Kollmannstraße nach ihm benannt.
Literatur Matthias Arnold: Architektur des 19. Jahrhunderts in Augsburg. Städtische Kunstsammlungen, Augsburg 1979. Karl Bosl (Hrsg.): Bosls bayerische Biographie. Pustet, Regensburg 1983, ISBN 3-7917-0792-2, S. 439. Bernt von Hagen, Angelika Wegener-Hüssen: Stadt Augsburg. Ensembles, Baudenkmale, archäologische Denkmäler (= Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Denkmäler in Bayern. Band VII.83). Lipp, München 1994, ISBN 3-87490-572-1.
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