Walentina Wjatscheslawowna Sowkina (, geb. am 10. September 1963 in Lowosero), in internationalen Medien auch Valentina Sovkina, ist eine indigene Menschenrechts- und Sprachaktivistin aus Russland und Vorsitzende der Kolasamischen Versammlung (kildinsamisch Куэллнэгк нёарк Са̄мь Соббар, russisch Саамское собрание Кольского полуострова). Seit Dezember 2025 lebt sie im politischen Exil in Norwegen.
Leben Sowkina wurde 1963 im Dorf Lowosero in der Oblast Murmansk geboren, wo sie aufwuchs und den größten Teil ihres bisherigen Lebens verbrachte. Sie wuchs in einem kildinsaamischsprachigen Elternhaus auf, durfte die Sprache jedoch in der Schule nicht verwenden.
Ihre Großeltern übten zum Lebenserhalt noch traditionelle samische Erwerbstätigkeiten aus, darunter Rentierhaltung sowie Jagd und Sammeln zum Nahrungserwerb. Im Zuge der sowjetischen Politik jener Zeit wurde ihre Familie jedoch in Lowosero sesshaft gemacht.
Sie absolvierte eine Ausbildung zur Lehrerin, studierte Pädagogik und Psychologie und schloss ihr Studium 1994 am Murmansker Pädagogischen Institut (heute Staatliche Universität der Arktis Murmansk) ab. Danach arbeitete sie als Lehrerin im Kindergarten-, Grundschul- und Sekundarbereich und leitete eine Berufsschule. Außerdem war sie zeitweise für das Barentssekretariat tätig. Und sie leitet seit 2013 das Kolasamische Radio (kildinsamisch Куэллнэгк Са̄мь Радио, russisch Кольское саамское радио).
Wirken Sowkina wurde auf dem 2. Kongress der russischen Samen im Jahr 2010 zur Vorsitzenden der „Kolasamischen Versammlung“. Dieses Organ versteht sich als Parlament der russischen Samen, d. h. als ein Sameting wie in den Nordischen Ländern. Die russischen federalen Behörden sowie die regionalen Behörden der Oblast Murmansk haben die Versammlung jedoch nie anerkannt (siehe Sameting#Russland).
Sowkina ist seit 2023https://social.desa.un.org/issues/indigenous-peoples/unpfii/former-unpfii-members Mitglied des Ständigen Forums für indigene Angelegenheiten (Mandat bis 2028), wo sie die russischen Samen repräsentiert.https://social.desa.un.org/issues/indigenous-peoples/unpfii/current-unpfii-members
Neben ihrer politischen Arbeit ist sie als Illustratorin von Kinderbüchern bekannt, darunter ein Buch von Iraida Winogradowa. Und sie hat kildinsamische Comics veröffentlicht. Sie beherrscht die kildinsamische Sprache und arbeitet für deren Revitalisierung.
Angriff 2014 Im September 2014 sollte Sowkina als Vertreterin der russischen Samen an der Weltkonferenz zu indigenen Völkern der Generalversammlung der Vereinten Nationen in New York teilnehmen. Auf dem Weg von Lowosero zum Flughafen im norwegischen Kirkenes wurde ihr Fahrzeug dreimal von der Polizei angehalten. Beim letzten Halt nahe Sapoljarny im Osten der Oblast Murmansk wurde sie von einem Mann angegriffen, der versuchte, ihr die Tasche und den Pass zu entreißen. Die anwesenden Polizeibeamten griffen nicht ein; im Gegenteil, sie überwältigten den Fahrer, der Sowkina zu Hilfe gekommen war, und ermöglichten dem Angreifer die Flucht.
Sowkina gelang es jedoch, ihre persönlichen Gegenstände zu behalten. Jedoch verpasste sie ihren Flug und traf erst einen Tag verspätet zur Konferenz ein. Medienberichte wiesen darauf hin, dass auch andere russische Delegierte auf dem Weg zur Konferenz schikaniert und an der rechtzeitigen Teilnahme gehindert wurden.
Polizeiaktion 2025 Am 17. Dezember 2025 wurden mehrere prominente Vertreter kleiner indigener Völker aus den Republiken Altai und Sacha sowie aus den Oblasten Tomsk, Murmansk und Kemerowo sowie der Region Krasnojarsk und der Stadt St. Petersburg von Polizeikräften aufgesucht, verhört und manche auch vorläufig festgesetzt. Auch Sowkina wurde mitten in der Nacht zu Hause aufgesucht, ihre Wohnung mehrere Stunden lang durchsucht und ihre elektronischen Geräte konfisziert.
Neben Sowkina zielte diese Polizeiaktion auf Vertreter der Selkupen, Tubalaren, Tchulymen, Schoren, Kumandinen, Dolganen, Jukagiren, Ewenken und Nganasanen. Alle betroffenen Personen hatten sich über viele Jahre für die Rechte dieser indigenen Völker eingesetzt und waren in irgendeiner Form an der Umweltarbeit von Indigenen innerhalb der Vereinten Nationen beteiligt. Viele der Betroffenen haben auch an anderen UN-Gremien und internationalen Treffen teilgenommen, bei denen rechtliche Probleme indigener Völker und des Schutzes ihrer Territorien thematisiert wurden.
Manche der festgesetzten Aktivisten wurden am selben Tag wieder freigelassen, aber Darja Jegerewa und eine weitere Person blieben in Haft. Sowkina begab sich umgehend nach Norwegen, wo sie seit dem im Exil lebt. Ihrer Meinung nach stehen hinter den Repressionen die wirtschaftlichen Interessen der Machthaber Russlands. Die von indigenen Völkern bewohnten Gebiete sind reich an Bodenschätzen. Die Lokalbevölkerung soll eingeschüchtert werden, damit keine kritischen Stimmen gegen den Raubbau an der Natur zu hören sind.
Auszeichnung 2012 Medaille „Für Treue zum Norden“ (russisch За верность Северу), RAIPONhttps://indigenous-russia.com/archives/2703 2014 Auszeichnung „Entwicklungspreis“ (nordsamisch Ovdánahttinbálkkašupmi), Sámi Nisson Forumhttps://www.nrk.no/sapmi/gudnejahtte-sami-nissoniid-1.12247816
Weblinks Video-Interviews mit Walentina Sowkina. "Women of the Arctic: Bridging Policy, Research, and Lived Experience," 2018 UArctic Congress, 6–7 September 2018.
Einzelnachweise
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