mini|hochkant|Louis Díaz (2006) Louis Díaz (* 25. Februar 1946 in New York City, New York; † 12. Mai 2025 in Costa Mesa, Kalifornien), besser bekannt unter seinem Künstlernamen Lou Casal, war ein US-amerikanischer verdeckter Ermittler, Schauspieler und Autor.
Leben Díaz wurde 1946 als Luis Díaz im New Yorker Stadtbezirk Brooklyn geboren und wuchs in dessen Stadtteil Red Hook auf. Er war der Sohn spanischer Eltern aus dem Norden Spaniens. Bis 1963 besuchte er die Most Holy Trinity High School in Brooklyn und studierte im Anschluss am Queensborough Community College (einige Quellen nennen das St. Francis College), das er mit einem Associate of Arts beendete. Später studierte er Psychologie und Schauspiel am Queens College der City University of New York, das er 1975 mit einem Bachelor of Arts abschloss.
In seiner Jugend begann er mit dem Boxen und war 1964 Finalist im Weltergewicht bei den „Golden Gloves“ der New York Daily News. Während seines Militärdienstes von 1964 bis 1966 bei der United States Army war er in Deutschland stationiert und gewann als Amateurboxer die Mittelgewichtsmeisterschaft der 3. US-Panzerdivision. Er erreichte den Rang eines Specialist 4th Class (vergleichbar mit einem Corporal).
Im Jahr 1968 heiratete er Iris Maldonado, mit der er bis zu ihrem Tod im Jahr 1997 verheiratet war; das Paar hatte zwei Kinder. Díaz starb im Alter von 79 Jahren an Komplikationen der Parkinson-Krankheit und wurde von seiner zweiten Frau Maria Jose Díaz überlebt.
Karriere Ab 1971 arbeitete Díaz für das Bureau of Alcohol, Tobacco and Firearms (ATF), wo er als verdeckter Ermittler tätig war. Während seiner Zeit beim ATF führte er zahlreiche Ermittlungen durch, was zur Verhaftung zahlreicher Mitglieder des organisierten Verbrechens führte. 1975 wechselte Díaz zur Drug Enforcement Administration (DEA) und arbeitete 28 Jahre lang als Special Agent, davon 22 Jahre als verdeckter Ermittler ().
Er übernahm 1975 die Ermittlungen gegen Leroy „Nicky“ Barnes und drang im Verlauf dieser Operation bis in die höchsten Ebenen von dessen Organisation vor, kaufte Heroin, wusch Geld für Barnes’ direkte Untergebene und erlangte belastendes Material gegen ihn – er bewegte sich ein Jahr im Umfeld von Barnes und dessen Komplizen. Barnes wurde schließlich festgenommen und wegen zahlreicher Drogendelikte, darunter Verschwörung, verurteilt. Er erhielt eine lebenslange Freiheitsstrafe ohne Möglichkeit auf Bewährung. Díaz war zudem maßgeblich daran beteiligt, sämtliche führende Mitglieder von Barnes’ Drogenorganisation, dem sogenannten „Council“, zu Fall zu bringen. Dieser Fall führte zu einem direkten Eingreifen vom damaligen US-Präsidenten Carter, der den damaligen US‑Justizminister Griffin Bell anwies, sicherzustellen, dass Barnes nach dem vollen Umfang des Gesetzes angeklagt und verurteilt werde. Der Barnes‑Prozess war der erste Bundesprozess in den Vereinigten Staaten, bei dem eine anonyme Jury eingesetzt wurde, um Bedrohungen oder Bestechungen der Jury-Mitglieder vorzubeugen.
1982 war Díaz an der „Operation Henry“ beteiligt. Bei der verdeckten Ermittlung arbeitete er zusammen mit einem Partner mit Scotland Yard in London zusammen, um eine britische Verbrecherbande zu verfolgen, die am Verkauf und der Verteilung großer Mengen Heroin beteiligt war. Während der Ermittlungen handelten Díaz und sein Partner mit dem Hauptverdächtigen Ron Leslie den Verkauf von vierzig Kilogramm Heroin aus. Leslie war für die Flucht von Ronald Biggs aus dem Gefängnis von Wandsworth verantwortlich: Er gehörte zu der Bande, die 1963 den „Großen Postzugraub“ () begangen hatte und 2,6 Millionen Pfund Sterling erbeutete. Es war das erste Mal, dass DEA‑Agenten als „Agent Provocateurs“ für ein anderes Land tätig wurden. Nach Leslies Festnahme beschlagnahmten die britischen Behörden die vierzig Kilogramm Heroin.
Im Jahr 1985 wurde Diaz der erste Bundesagent der DEA, der als Vollmitglied in die „NYPD Honor Legion“ aufgenommen wurde. Die Honor Legion wurde im Januar 1912 von Streifenpolizist John W. Frazer ins Leben gerufen und setzt normalerweise voraus, dass ein Beamter ein sogenannter „Honor Man“ ist – ein Titel, der jenen verliehen wird, die zuvor eine Auszeichnung erhalten haben, meist anlässlich der jährlichen Polizeiparade des New York City Police Department (NYPD).
1986 war Díaz einer der wichtigsten verdeckten Ermittler der „Operation Pisces“ (), einer internationalen Operation mit Bezug zu Kolumbien und Panama. Im Verlauf der Ermittlungen wusch er über 50 Millionen US-Dollar für Mitglieder des Medellín-Kartells, darunter José López und Alfonso Reyes, enge Vertraute von Pablo Escobar. Lopez und Reyes wurden später im Rahmen einer groß angelegten Aktion festgenommen, bei der landesweit über 350 Beschuldigte verhaftet sowie mehr als neun Tonnen Kokain und über 100 Millionen US-Dollar in Bargeld und Vermögenswerten sichergestellt wurden. Nach Angaben des ehemaligen US-Justizministers Edwin Meese gilt Operation Pisces bis heute als die größte und erfolgreichste verdeckte Drogenoperation in der Geschichte der Vereinigten Staaten.
1988 starteten die US-Regierung und die Regierung von Víctor Paz Estenssoro in Bolivien die „Operation Blast Furnace“. Ziel war die Zerstörung illegaler Kokafelder und geheimer Kokainlabore in den Dschungelregionen von Chupari und Bene. Díaz spielte dabei eine bedeutende Rolle und flog 26 Einsätze mit dem 210th Combat Air Wing aus Panama und half gemeinsam mit dessen Mitgliedern, 16 geheime Kokainlabore aufzuspüren und zu zerstören.
Während seiner Zeit bei der DEA trug Díaz den Spitznamen „Louie the Actor“ (). Er war Mittelgewichts‑Boxchampion der New York State Police sowie internationaler Polizeimeister im Weltergewicht und gewann Gold bei den International Police Olympics. Nach dem Ende seiner Tätigkeit für die DEA begann er eine Karriere als Schauspieler und wählte den Künstlernamen Lou Casal, da dieser für ihn weniger ethnisch klang. Er wirkte ab Anfang der 1990er-Jahre in über zwanzig Fernsehserien, in mehreren Hollywood‑Filmen als auch Theaterproduktionen mit. Einen ersten Auftritt vor der Kamera hatte er 1992 als Leon in dem Film Maniac Cop 3, zuletzt war er 2015 in dem Kurzfilm Ripple als Archangelo Begnini zu sehen. Im deutschen Sprachraum wurde er unter anderem von Friedrich Georg Beckhaus, Martin Keßler, Michael Krowas, Fred Maire und Peter Panhans synchronisiert.
Anfang der 2010er-Jahre wurde sein autobiografischer Roman Dancing with the Devil: Confessions of an Undercover Agent von Neal Hirschfeld veröffentlicht, bei dem Díaz Mitverfasser war.
Auszeichnungen Administrators DEA Distinguished Service Award Sustained Superior Performance Excellence of Performance Awards NYPD Legion of Honor
Filmografie (Auswahl) 1992: Maniac Cop 3 1994: Dangerous Waters 1995: Land’s End – Ein heißes Team für Mexiko (Fernsehserie) 1995–2001: New York Cops – NYPD Blue (Fernsehserie) 1996: Die Rache des Kartells 1996: Pure Danger (Video) 1996: Arliss (Fernsehserie) 1997: L.A. Heat (Fernsehserie) 1998: Sabrina – total verhext (Fernsehserie) 1998: Coole Typen – Freunde wie diese 1998–2000: V.I.P. – Die Bodyguards (Fernsehserie) 1999: Pretender (Fernsehserie) 1999: Hitman’s Run 1999: New York Life – Endlich im Leben! (Fernsehserie) 2000: Payroll – Korrupt bis in den Tod 2002: Robbery Homicide Division (Fernsehserie) 2003: Kingpin (Miniserie) 2004: Las Vegas (Fernsehserie) 2008: Coma (Podcast-Serie) 2011: Fairly Legal (Fernsehserie) 2015: Ripple (Kurzfilm)
Theater (Auswahl) The Andersonville Trial (Brooklyn Hall Academy Theater, Brooklyn, New York City) Detective Story (Marilyn Monroe Theater, Hollywood, Los Angeles) View from the Bridge (Marilyn Monroe Theater, Hollywood, Los Angeles)
Literatur
Weblinks
Einzelnachweise Nathan M. Adams, „Target: Mr. Untouchable“, Reader’s Digest, Juni 1978
Lee Sturley, The Secret Train Robber: The Real Great Train Robbery Mastermind Revealed, Ebury Press, Reprint Edition (2016) ISBN 9781785030147 Barry Koltnow, „A tough guy for hire“, The Orange County Register, 27. März 2011
Miles Beller, „A life in crime – fighting it that is“, Los Angeles Times, 18. Dezember 2010.
The History of Policing in the City of New York
Jack Murphy, „A Cop Who Busts Drug Dealers Jaws“, San Diego Union, 27. August 1978.
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