Wolfgang Schmidt (* 19. August 1956 in Melsungen; † 17. Februar 2026Familienanzeige in der Hessisch/Niedersächsischen Allgemeinen vom 11. April 2026, abgerufen am 13. Juni 2026Sven Friedrich, Tod eines Bühnentiers, backstageclassical.com, 18. Februar 2026.Tenor Wolfgang Schmidt gestorben. Classicpoint.net. Das Klassikportal. Abgerufen am 21. Februar 2026.) war ein deutscher Opernsänger (Heldentenor). Er wurde insbesondere durch seine Verkörperung der Heldenrollen in den Opern Richard Wagners bekannt.
Leben Ausbildung und Festengagements Wolfgang Schmidt absolvierte sein Gesangstudium von 1976 bis 1982 u. a. mit einem Stipendium der Hindemith-Stiftung an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main bei Martin Gründler.Wolfgang SCHMIDT wird 60. Der Merker. Ausgabe August 2016. Abgerufen am 21. Februar 2026. Erste Aufritte hatte er bereits während seines Studiums bei der alternativen Pocket Opera Company in Nürnberg, an der er bis Mitte der 80er Jahre auch nach seinem Studienabschluss weiter auftrat. Sein erstes Bühnenengagement erhielt er zu Beginn der Spielzeit 1982/83 am Städtebundtheater Hof.Wolfgang Schmidt. In: Genossenschaft Deutscher Bühnen-Angehöriger (Hrsg.): Deutsches Bühnenjahrbuch 1983. Theatergeschichtliches Jahr- und Adreßbuch. Theater – Film – Funk – Fernsehen. 91. Jg., Hamburg 1983, S. 246 und S. 1004 (Register). Von 1983 bis 1987 gastierte er bei den Eutiner Festspielen als Tamino in Die Zauberflöte, als Max in Der Freischütz und als Hüon in Oberon. Es folgten weitere Festengagements am Theater Kiel (1984–1986) und am Opernhaus Dortmund (1986–1988).Wolfgang Schmidt. In: Genossenschaft Deutscher Bühnen-Angehöriger (Hrsg.): Deutsches Bühnenjahrbuch 1985. Theatergeschichtliches Jahr- und Adreßbuch. Theater – Film – Funk – Fernsehen. 93. Jg., Hamburg 1985, S. 265 und S. 995 (Register).Wolfgang Schmidt. In: Genossenschaft Deutscher Bühnen-Angehöriger (Hrsg.): Deutsches Bühnenjahrbuch 1987. Theatergeschichtliches Jahr- und Adreßbuch. Theater – Film – Funk – Fernsehen. 95. Jg., Hamburg 1987, S. 102 und S. 806 (Register). In der Spielzeit 1985/86 war er als Gast am Landestheater Detmold verpflichtet.Wolfgang Schmidt. In: Genossenschaft Deutscher Bühnen-Angehöriger (Hrsg.): Deutsches Bühnenjahrbuch 1986. Theatergeschichtliches Jahr- und Adreßbuch. Theater – Film – Funk – Fernsehen. 94. Jg., Hamburg 1986, S. 113 und S. 1011 (Register).
Aufgrund seines großen Erfolgs am Opernhaus Dortmund als Titelheld in Othello von Giuseppe Verdi wurde er 1988 an die Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf-Duisburg engagiert, der er bis 2021 als festes Ensemblemitglied angehörte.Die Deutsche Oper am Rhein trauert um Kammersänger und Ehrenmitglied Wolfgang Schmidt. Der Merker vom 19. Februar 2026. Abgerufen am 21. Februar 2026. An seinem Stammhaus trat er u. a. als Tristan, Tannhäuser, Lohengrin, Walther von Stolzing, Siegfried, Parsifal, Max, Bacchus und Florestan auf. 1996 wurde er von der Deutschen Oper am Rhein zum Kammersänger ernannt.
In der Saison 2003/04 nahm Schmidt den Wechsel ins Charakterfach vor. Sein Repertoire umfasste nun vornehmlich Rollen wie Mime und Loge im Ring-Zyklus, Herodes, Aegisth, Peter Grimes, Schuiski, die Hexe in Hänsel und Gretel und Jim Mahoney. Seine letzte Premierenrolle an der Deutschen Oper am Rhein war in der Saison 2017/18 der Kaiser Altoum in Turandot.
Im Februar 2023 erhielt er die Ehrenmitgliedschaft der Deutschen Oper am Rhein.
Bayreuther Festspiele 1992 debütierte er, ursprünglich nur für die kleinere Tenor-Partie des Walter von der Vogelweide vorgesehen, bei den Bayreuther Festspielen als Tannhäuser, den er dort 1992 bis 1993 und 1995 sang.Lucas Wiegelmann: Heldentenor Schmidts geglückter Bayreuth-Abschied. In: Die Welt vom 2. August 2010. Abgerufen am 21. Februar 2026. In zwei Neuinszenierungen von Richard Wagners Tetralogie Der Ring des Nibelungen trat er dort unter der Regie von Alfred Kirchner und Jürgen Flimm 1994 bis 1998 und 2000 bis 2004 als Siegfried auf. In Bayreuth gastierte er insgesamt 18 Aufführungszyklen als Siegfried. 1996 sprang er in Bayreuth außerdem während einer Vorstellung für den indisponierten Siegfried Jerusalem als Tristan ein und sang diese Rolle „von der Seite“, während Jerusalem die Rolle szenisch gestaltete.
Nach seinem Wechsel ins Charakterfach gastierte Schmidt in den Jahren 2009 und 2010 als Mime in Tankred Dorsts Inszenierung des Ring-Zyklus noch einmal bei den Bayreuther Festspielen.
Gastspiele Schmidt galt als „eine[r] der international führenden Heldentenöre“. Er sang an allen großen Opernhäusern im In- und Ausland. In Deutschland trat er u. a. an der Staatsoper Berlin (als Florestan, Lohengrin, Erik, Tristan und als Pedro in Tiefland), an der Deutschen Oper Berlin (Siegmund, Siegfried), an der Bayerischen Staatsoper, an der Staatsoper Dresden (als Tristan), am Staatstheater Hannover (als Otello, Bacchus, Loge, Siegmund und Siegfried), an der Staatsoper Stuttgart (als Florestan und Max), am Staatstheater Karlsruhe (als Lohengrin und als Walther von Stolzing), an der Oper Köln (als Siegmund und Siegfried), am Opernhaus Nürnberg (als Lohengrin), an den Wuppertaler Bühnen (als Florestan) und am Opernhaus von Essen (als Dimitri, Hermann) auf.
1989/90 gastierte er bei den Bregenzer Festspielen, 1991 bei den Salzburger Festspielen. Im Oktober 1991 debütierte er an der Wiener Staatsoper als Kaiser in Die Frau ohne Schatten. Im September 1992 sang er dort unter der musikalischen Leitung von Ulf Schirmer an der Seite von Gwyneth Jones den Bacchus in Ariadne auf Naxos. An der Wiener Staatsoper trat er bis 2012 in insgesamt 68 Vorstellungen auf, u. a. als Erik, Florestan, Tannhäuser, Siegmund, Siegfried und als Tambourmajor in Wozzeck.
Im April 1993 debütierte er als Siegfried im Ring-Zyklus an der Metropolitan Opera in New York City, an der er bis 2009 in insgesamt 22 Vorstellungen auch als Bacchus, als Tannhäuser und als Aegisth in Elektra von Richard Strauss auftrat.Siegfried. Besetzung vom 22. April 1993. Vorstellungsarchiv der Metropolitan Opera. Abgerufen am 21. Februar 2026.Wolfgang Schmidt. Vorstellungsarchiv der Metropolitan Opera. Abgerufen am 21. Februar 2026. In der Saison 1994/95 folgte unter der musikalischen Leitung von Donald Runnicles mit der Partie des Tannhäuser sein Debüt an der San Francisco Opera.Tannhäuser. Vorstellungsarchiv der San Francisco Opera. Abgerufen am 21. Februar 2026. 1996 sang in der Ahoy-Halle in Rotterdam den Kalaf in Turandot. Im April 1997 debütierte er an der Mailänder Scala als Siegfried im Ring-Zyklus.Siegfried. Besetzung vom 1. April 1997. Vorstellungsarchiv der Mailänder Scala. Abgerufen am 21. Februar 2026. 1998 gastierte er an der Opéra Bastille in Paris als Tristan. 2000 sang er in Rom (konzertant) den Titelhelden in Siegfried. In der Spielzeit 2007/08 gastierte er am Staatstheater Kassel als Peter Grimes.Bernd Stopka: Ausgestoßener Außenseiter. Aufführungskritik. Online Musik Magazin. Abgerufen am 21. Februar 2026. In der Spielzeit 2008/09 übernahm er an der Bayerischen Staatsoper in München in einer Wozzeck-Neuinszenierung von Andreas Kriegenburg die Rolle des Hauptmanns, den er dort bis 2012 sang.Wozzeck. Vorstellungsarchiv der Bayerischen Staatsoper. Abgerufen am 21. Februar 2026.Wozzeck. Vorstellungsarchiv der Bayerischen Staatsoper. Abgerufen am 21. Februar 2026.
Schmidt trat gelegentlich auch als Konzertsänger auf. Zu seinem Konzertrepertoire gehörten die Missa solemnis und die 9. Sinfonie von Ludwig van Beethoven und die Tenor-Partie in Das Lied von der Erde von Gustav Mahler.
Tod und Gedenken Wolfgang Schmidt starb im Februar 2026 im Alter von 69 Jahren nach langer Krankheit. Zu seinem Andenken widmete die Deutsche Oper am Rhein ihm die Vorstellungen von Die Walküre am 22. Februar 2026 in Duisburg und von Parsifal am 28. Februar 2026 in Düsseldorf.
Rollenrepertoire (Auswahl)
Literatur Karl-Josef Kutsch, Leo Riemens: Großes Sängerlexikon. Band 6: Rasa–Sutton. Vierte, erweiterte und aktualisierte Auflage. München 2003, ISBN 3-598-11598-9, S. 4230/31. Karl Martyniak (Hrsg.): OPERAdat. Interpreten-Lexikon. Sängerlexikon. Schlemm–Schnitzer. 2. Auflage, Düsseldorf 1998, S. 5 (mit Rollenverzeichnis).
Weblinks
Wolfgang Schmidt bei Discogs Wolfgang Schmidt, Biografie auf der Internetpräsenz der Bayreuther Festspiele Wolfgang Schmidt, Biografie und Vorstellungen auf der Internetpräsenz der Bayerischen Staatsoper
Wolfgang Schmidt, Vorstellungen an der San Francisco Opera Wolfgang Schmidt, Internetpräsenz Sven Friedrich: Tod eines Bühnentiers, Nachruf Nessun dorma, Tondokument aus Turandot, (Live-Mitschnitt 1996, Württembergische Philharmonie Reutlingen, Dirigent: Roberto Paternostro)
Einzelnachweise
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