Johannes Meyer-Lindenberg (* 29. Oktober 1937 in Bogota; † 4. Februar 1991 in Bad Godesberg) war ein deutscher Psychiater. Er war von 1989 bis 1990 Präsident der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN).
Leben Meyer-Lindenberg wurde in Bogota geboren, wohin seine Eltern 1937 emigrieren mussten, und wuchs in Kolumbien und Kalifornien auf. Nach Rückkehr der Familie nach Deutschland studierte er Medizin an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, wurde dort über ein Thema aus der Hämatologie promoviert und absolvierte ab 1968 seine Ausbildung zum Facharzt für Psychiatrie und Neurologie an der Universitäts-Nervenklinik Bonn unter Hans Jörg Weitbrecht.
Seit 1973 war er als niedergelassener Nervenarzt in Bad Godesberg tätig. 1977 war er Mitbegründer des psychosozialen Diensts für Spanier und Italiener der Caritas Köln. Ab 1986 war er Lehrbeauftragter für Psychiatrie der Universität zu Köln.
1988 wurde Meyer-Lindenberg zum Präsidenten der DGPN (jetzt DGPPN) gewählt. In seiner Amtszeit von 1989 bis 1990 engagierte er sich besonders für internationale Kontakte, die Aufarbeitung der Rolle der deutschen Psychiatrie im Holocaust, die Zusammenführung der psychiatrischen Fachgesellschaften nach der Wiedervereinigung und für Menschenrechte. Er trat gegen den Missbrauch der Psychiatrie in der Sowjetunion ein, so zusammen mit James Birley und Semen Hlusman auf dem Weltpsychiatriekongress 1989 in Athen. Starke Resonanz hatte sein Vortrag über den Holocaust und die deutsche Psychiatrie. 1990 vor der American Psychiatric Association in New York. Kurze Zeit darauf starb Meyer-Lindenberg an einer Krebserkrankung.
Meyer-Lindenberg war ein passionierter Kunstsammler mit besonderem Interesse an und publizierten Beiträgen zur Kunst psychisch Kranker. Er war Mitglied des Corps Palatia Bonn.Corps Palatia zu Bonn: Mitgliederliste vom 10. August 1838 bis 20. Februar 1998, Bonn 1998, S. 131. Er war der Sohn des Diplomaten Hermann Meyer-Lindenberg, Enkel des linksliberalen Politikers Oscar Meyer und Urenkel des Philatelisten Carl Lindenberg. Johannes Meyer-Lindenberg war verheiratet und hatte 2 Kinder, darunter den Psychiater Andreas Meyer-Lindenberg.
Ehrungen und Auszeichnungen 1980: Caballero des Cruz al Merito Civil 1988: Bundesverdienstkreuz am Bande 1990: Johannes-Weyer-Medaille der nordrheinischen Ärzteschaft 1991: Anatoly Koryagin Award for outstanding work in defense of medical ethics (posthum)
Schriften (Auswahl) Über den Einfluss körperlicher Arbeit auf die Faktoren V und VIII, die Thrombozyten, die Agglutinationsneigung und das Thrombelastogramm nach Hartert. Dissertation, Bonn 1968. The Holocaust and German Psychiatry. In: The British Journal of Psychiatry, Band 159 (1991), Heft 1, S. 7–12 () Die ambulante Versorgung psychisch Kranker und Behinderter in der Bundesrepublik durch niedergelassene Nervenärzte. In: Walter Ricard, Fritz Reimer (Hrsg.): Grundlagen und Gestaltungsmöglichkeiten der Versorgung psychisch Kranker und Behinderter in der Bundesrepublik und auf dem Gebiet der ehemaligen DDR. Rheinland-Verlag, Köln 1992. S. 101–107 (online)
Literatur Nachruf im Deutschen Ärzteblatt, 21. Februar 1991. (online) Uwe Henrik Peters: In memoriam Johannes Meyer-Lindenberg. In: Hans-Jürgen Möller, Anke Rohde (Hrsg.): Psychische Krankheit im Alter. Springer, 1993. S. 1–11 ()
Einzelnachweise
Kategorie:Psychiater Kategorie:Mediziner (20. Jahrhundert) Kategorie:Corpsstudent (20. Jahrhundert) Kategorie:Träger des Bundesverdienstkreuzes am Bande Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1937 Kategorie:Gestorben 1991 Kategorie:Mann