mini|Südseite der Hauptmarkthalle (2006) Die ehemalige (Städtische) Hauptmarkthalle oder auch Großmarkthalle an der Weißeritzstraße/Ecke Schweriner Straße wurde am 9. Dezember 1895 eröffnet und war nach der Markthalle Antonsplatz die zweite Markthalle der Stadt. Mit ihrem Anschluss an die Eisenbahn hatte die Halle vor allem die Funktion als Großmarkt. Der Entwurf des mit Granit, Sandsteinelementen und Klinkern verkleideten neobarocken Baus stammte von Stadtbaurat Edmund Bräter.
Das Gebäude ist aufgrund seiner baugeschichtlichen, städtebaulichen und straßenbildprägenden Bedeutung als Kulturdenkmal ausgewiesen.
Geschichte mini|Ansicht 1896 mini|Innenansicht 1992 Die Dresdner Lebensmittelmärkte wurde vor der Erbauung der Markthallen auf freien Plätzen abgehalten, zuletzt auf dem Altmarkt, dem Antonsplatz, dem Neustädter Markt und dem Holbeinplatz. Durch das rasche Wachstum der Stadt im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts mussten die erforderlichen Lebensmittel aus immer weiteren Entfernungen beschafft werden. Damit entstand die Notwendigkeit, die für die Lebensmittelversorgung der Stadt bestehenden Einrichtungen den gesteigerten Anforderungen entsprechend zu verbessern.
Im Jahr 1888 wurde von den städtischen Körperschaften der Bau von drei Markthallen beschlossen. Neben der Hauptmarkthalle waren dies die für den Einzelhandel bestimmte Markthalle Antonsplatz und die Neustädter Markthalle.
Um 1897 den Bahnhof Wettiner Straße errichten zu können, ließ der Königlich-Sächsische Staatsfiskus zwischen 1891 und September 1893 das Flussbett der Weißeritz verlegen. Im Zuge dessen überließ er den 10.300 Quadratmeter großen Bauplatz unentgeltlich der Stadt. Die Oberbauleitung hatte wie bei den anderen städtischen Markthallen der Architekt, Landbauinspektor und Stadtbaurat Edmund Bräter. Baubeginn war 1893.
Zur Eröffnung gab es im Markt 19 Verkaufsstände für Fleisch, Fleischwaren, Wild und Geflügel, sechs für lebende Fische, 491 für Grünwaren, Obst, Blumen, Käse, Butter, Eier usw. und zwölf für Kartoffeln. Im Winter begann der Handel um fünf Uhr morgens, im Sommer noch eine Stunde eher.
Als Besonderheit gab es jeweils im Frühjahr einen Sämereienmarkt und im Herbst einen Markt für Zwiebeln und Meerrettich.
mini|Nord- und Westseite der Hauptmarkthalle (2026) Bei den Luftangriffen auf Dresden 1945 wurde das Gebäude schwer beschädigt, wobei der Eckbau Schweriner Straße mit seinem markanten Turm völlig zerstört wurde. Als Ersatz errichtete man Anfang der 1950er Jahre ein einfacheres Gebäude mit Büros und einer Filiale der Stadtsparkasse. Die Hauptmarkthalle diente auch zu DDR-Zeiten weiterhin ihrem Zweck, schloss jedoch 1990. Nach umfassender Sanierung ist das Gebäude heute Domizil eines Poco-Einrichtungsmarktes und einiger kleinerer Geschäfte.
Architektur mini|Eingangsportal (1896) Die Markthalle hat die Form eines unregelmäßigen Vierecks mit einem herausgezogenen Eingangsportal in einem ehemals 30 Meter hohen Turmbau in der Südwestecke. Die Halle hatte fünf Eingänge und eine Hauptdurchfahrtsstraße für Lastfuhrwerke. Von dieser zweigte eine zweite Fahrstraße ab, die an dem Eisenbahngleis der Halle entlang führt und das direkte Entladen der Eisenbahngüter auf Rollgeschirre ermöglichte.
Die Außenmauern des Gebäudes mit einer Gesamtlänge von 440 Metern bestehen aus einem 2,70 Meter hohen Granitsockel. Darauf befinden sich Sandsteinmauern und Ziegel-Verblendern im Schlesischen Verband. Die Innenwände waren zum Teil mit gelben, zum Teil mit weißglasierten Verblendern verkleidet, die Standeinrichtungen in Schmiedeeisen ausgeführt.
Die Baukosten inklusive der Ausstattung und der Kühl- und Gefrieranlage betrugen 1.385.000 Mark (heutige Kaufkraft Euro). Gegenüber der Planung konnten 20.000 Mark eingespart werden. Die Bauzeit betrug 2,5 Jahre.
mini|Eisenkonstruktion der Markthalle mini|Inneres der Markthalle nach der Eröffnung Die Hauptmarkthalle war mit einem Eisenbahngleisanschluss (rund 190 Meter Abstellgleis außerhalb der Halle und 150 Meter Gleis innerhalb) und einer Güterabfertigungsstelle versehen und befand sich unweit vom Verkehrsmittelpunkt Dresdens, dem Postplatz. Sie umfasste zur Eröffnung eine bebaute Fläche von 9.582 Quadratmetern. Hiervon entfielen auf die Standinseln 3.654 Quadratmeter und auf die Verkehrswege 2.865 Quadratmeter.
Durch große Bogenfenster fiel Licht in die Halle. Über der Hauptdurchfahrtstraße und zwei diese schneidende Querstraßen ist die Eisenkonstruktion höher geführt und seitliches Oberlicht angeordnet. Der ganze übrige Teil ist mit einer Sheddachkonstruktion mit Oberlichtfenstern überdeckt. Das Dach war mit Blech gedeckt, hatte eine Höhe von durchschnittlich 7,5 Meter und ruhte auf zahlreichen eisernen Säulen. Die künstliche Beleuchtung erfolgt im Hauptverkaufsraum durch 69 Bogenlampen, in den Amts-, Keller- und sonstigen Räumen durch elektrische Glühlampen.
mini|Restaurant Die Haupthalle verfügte über keine Galerien. Neben der Halle enthielt das Gebäude im Erdgeschosse neun Zimmer (Verwaltungskanzleien, Geschäftsräume für Großhändler, Geräteräume und ein Aufenthaltsraum für die Arbeiter). An der östlichen Gebäudeumfassung befanden sich der Güterboden und die Geschäftsräume der Güterabfertigungsstelle sowie der Geschäfts- und Verkaufsraum des städtischen Verkaufsvermittlers. In dem Gebäudeteil mit dem Uhrturm an der südwestlichen Ecke befanden sich im Erdgeschosse eine Schankwirtschaft und im Zwischengeschosse die dazugehörige Küche sowie noch ein weiterer Gastraum und die Wohnung für den Hausmeister. Im Obergeschosse des Eckbaus mit einem großen Ecksaal, zwei großen und zwei kleinen Zimmern waren die Geschäftsstelle des Stadt-Steueramts A für die Wilsdruffer Vorstadt und die Sparkasse für die Friedrichstadt untergebracht.
Die Hauptmarkthalle ist vollständig unterkellert. Darin befanden sich unter anderem Lager-, Kühl- und Gefrierräume. Eine unter dem ganzen Gebäude sich erstreckende, 1,20 Meter starke Betonschicht verhindert das Eindringen von Grundwasser in die Kellerräume. Sieben massive Treppen gewährleisteten den Zugang zu den drei Meter hohen Kellerräumen. Für den Warentransport waren sechs elektrische Aufzüge mit einer Tragkraft von je 600 Kilogramm vorhanden. Der nicht gekühlte Teil des Lagerraums hatte eine Fläche von 5677 Quadratmetern, darunter 99 verschließbare Räume mit einer Gesamtfläche von 2997 Quadratmetern.
Heizungseinrichtungen waren in der Halle nicht vorgesehen. Die Kühl- und Gefrieranlage war nach dem Ammoniak-Kompressionssystem von der Gesellschaft für Linde's Eismaschinen Aktiengesellschaft in Wiesbaden geliefert worden. Die Kühlanlage war auch mit einer Einrichtung zur Herstellung von künstlichem Eis versehen. Der für Gefrier- und Kühlzellen bestimmte isolierte Kellerraum besaß eine in fünf Abteilungen bestehende nutzbare Fläche von ungefähr 1.200 Quadratmetern.
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Einzelnachweise
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