Catharine Marie Christine Koltze (* 13. Dezember 1873 in Lübeck; † 9. Januar 1948 ebenda) war eine deutsche Lehrerin und Abgeordnete (DNVP).

Leben Marie Koltze stammte aus einem Arbeiterhaushalt. Ihr Vater Hinrich Koltze war Porzellanpacker. Otto Wiehmann: Zur Einführung des Wahlrechts für Frauen in Lübeck (mit Kurzbiographien der weiblichen Bürgerschaftsmitglieder 1919-1933). in: ZVLGA 72 (1992), S. 230–240, hier S. 237f (Digitalisat) Nach dem Besuch der achtklassigen Volksschule von 1880 bis 1888 entschloss sie sich, Lehrerin zu werden. 1889 begann ihre Ausbildung als Präparandin. Von 1889 bis 1892 absolvierte sie die der Ernestinenschule angeschlossene Lübecker Lehrerinnen-Bildungsanstalt.

1892 begann sie als Hilfslehrerin an der Bezirksschule in Lübeck-Wulfsdorf. 1894 wechselte sie an die Marien-Mädchenschule in der Lübecker Innenstadt. 1901 erfolgte ihre Festanstellung als Elementar-Lehrerin. 1927 kam sie an die Burgschule. Neben ihrer Lehrtätigkeit dort gab sie auch Seminarübungsunterricht für angehende Lehrerinnen. Ihre Versetzung in den Ruhestand erfolgte zum 1. Mai 1938.

Marie Koltze engagierte sich in der bürgerlichen Frauenbewegung. Sie war Gründungsmitglied im Lübecker Verein für Schulgesundheitspflege. Ein von ihr 1906 gehaltener Vortrag über zweckmäßige Mädchenkleidung führte zu einer Eingabe an die Oberschulbehörde, Korsetts und überhaupt die Atmung beeinträchtigende Kleidung in den Lübecker Mädchenschulen zu verbieten.Dritter Jahresbericht des Lübecker Vereins für Schulgesundheitspflege, in: Gesunde Jugend: Zeitschrift für Gesundheitspflege in Schule und Haus. 6 (1907), S. 266 1913 konnte sie an der Generalversammlung des Allgemeinen Deutschen Lehrerinnenvereins in Posen teilnehmen. 1926 war sie Vorsitzende des Lübecker Lehrerinnenvereins.Adreßbuch (Stadtbuch, Einwohnerbuch, Geschäftshandbuch) der freien und Hansestadt Lübeck und benachbarter Orte. 1926, S. 330

Als sich im Winter 1918/19 auch in Lübeck eine Ortsgruppe der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP) bildete, gehörte Koltze zu den Gründungsmitgliedern. Bei der Reichstagswahl 1920 kandidierte sie auf der Liste der DNVP im Wahlkreis 7 Mecklenburg-Lübeck. Im gleichen Jahr nahm sie an einem politischen Lehrgang für Frauen der DNVP teil. Bei der Bürgerschaftswahl vom 13. November 1921 wurde sie für die DNVP Abgeordnete der Lübecker Bürgerschaft, die bis zum Verlust der Eigenstaatlichkeit Lübecks im Groß-Hamburg-Gesetz 1937 den Status eines Landesparlaments hatte. Bei der Wahl vom 10. Februar 1924 wurde sie für die dritte Legislaturperiode (bis 1926) wiedergewählt. Sie gehörte dem Bürgerausschuss an, der als Präsidium und Kontaktgruppe zum Senat diente.Adreßbuch (Stadtbuch, Einwohnerbuch, Geschäftshandbuch) der freien und Hansestadt Lübeck und benachbarter Orte. 1926, S. 28 Der DNVP gehörte sie bis zu deren Auflösung 1933 an.

Koltze war auch im Kirchenvorstand ihrer Kirchengemeinde St. Aegidien aktiv und eine der ersten Frauen in der Synode der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Lübeck.Hansjörg Buss: "Entjudete" Kirche. Die Lübecker Landeskirche zwischen christlichem Antijudaismus und völkischen Antisemitismus (1918-1950). Schöningh, Paderborn 2011, ISBN 978-3-506-77014-1, S. 83 mit Anm. 268

Sie blieb unverheiratet und wohnte mit ihrer jüngeren Schwester Karoline (1877–1963), die ebenfalls Lehrerin war, erst in der Percevalstr. 31, dann in der Falkenstr. 14 in Lübeck-St. Jürgen.Adreßbuch der freien und Hansestadt Lübeck und benachbarter Orte. div. Jahrgänge

Literatur Otto Wiehmann: Zur Einführung des Wahlrechts für Frauen in Lübeck (mit Kurzbiographien der weiblichen Bürgerschaftsmitglieder 1919-1933). in: ZVLGA 72 (1992), S. 230–240, hier S. 239 f. (Digitalisat) Julian Freche: Milieus in Lübeck während der Weimarer Republik (1919–1933). (= Kieler Schriften zur Regionalgeschichte 4) Neumünster/Kiel: Wacholtz 2019, ISBN 978-3-529-09452-1, S. 211

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Einzelnachweise

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