Die 24-cm-Ringkanone L/22, kurz 24-cm-RK L/22, war ein Küstengeschütz des Königreich Preußen und wurde ab 1868 eingesetzt.
Geschichte Im Jahr 1867 begann die Friedrich Krupp AG mit der Entwicklung einer schweren Küstenartillerie mit einem Kaliber von 24 cm. Bereits kurze Zeit später konnte Krupp ein Geschütz fertigstellen und im Jahr 1868 mit umfangreichen Tests beginnen. Dieses Geschütz erhielt die Bezeichnung 24-cm-Kanone L/20 und war die erste Ringkanone der Firma. Nach erfolgreichen Tests wurde diese Kanone als Bewaffnung für die Panzerfregatte König Wilhelm genutzt. Mitte Dezember 1868 erhielt Krupp dann den Auftrag, eine längere Version dieser Kanone zu entwickeln, wobei das Gewicht identisch sein sollte. Wenig später entstand daraus die 24-cm-RK L/22.
Im Jahr 1873 stellte Krupp auf der Wiener Weltausstellung das erste Mal die 24-cm-RK L/22 auf einer Drehringlafette vor. Geplant war damit der Einsatz auf Kasemattschiffen. Auch im Jahr 1876 stelle Krupp die Kanone bei der Centennial Exhibition in Philadelphia aus und bezeichnete diese ebenfalls als 24-cm-RK L/22. Hierbei handelte es sich jedoch um eine 24-cm-Mantelringkanone L/25.
Benennung Bei der Herstellung erhielten die beiden Kanonen noch die Bezeichnungen kurzer Ring 96-pfdr 180" lang (24-cm-K L/20) und langer Ring 96-pfdr 200 lang (24-cm-RK L/22). Die Zahl 180, beziehungsweise 200, bezog sich hierbei auf das preußische Zoll und die Bezeichnung 96-pfdr bedeutete, dass diese Geschütze 96 Pfund schwere Geschosse verschießen konnten. Bei den Bezeichnungen orientierte man sich hierbei an den englischen Bezeichnungen. Im Jahr 1871 stellte die preußische Marine auf das metrische System um und die Geschütze erhielten dann die Bezeichnungen kurze 24-cm-Ringkanone und lange 24-cm-Ringkanone.
Da aber auch hier die Unterscheidung in kurz und lang nicht praktikabel war, weil immer wieder längere Rohre eingeführt wurden, begann man mit der Notation in Kaliberlänge. So entstand die endgültige Bezeichnung 24-cm-K L/20, beziehungsweise 24-cm-RK L/22. Warum hierbei die L/20 nur als Kanone und nicht als Ringkanone bezeichnet wurde, ist nicht bekannt.
Technische Beschreibung Die 24-cm-RK L/22 war eine Hinterladerkanone mit einem Mehrlagenrohr und einem zylindrisch-prismatischen Geschützverschluss. Das Geschützrohr hatte ein Kaliber von 23,54 cm, wurde zur Vereinheitlichung jedoch als 24 cm angegeben. Das Geschützrohr hatte eine Länge von 5,23 m und wog mit Verschluss 15,50 t. Der Verschlussblock allein wog 625 kg.
Das Geschütz wurde nur auf einer speziellen Lafette für die Küstenverteidigung ausgeliefert. Dabei handelte es sich um die Küstenlafette C/69 für 24-cm-Kanonen. In der Lafette konnte das Geschütz im Höhenrichtbereich zwischen −6 und +20 Winkelgrad gerichtet werden. Zu jeder Seite war Richten um 6 Winkelgrad möglich. Zur Dämpfung des Rückstoßes bei der Schussabgabe, wurde eine hydraulische Bremse verbaut. Ohne das Geschützrohr wog die Lafette 9,21 t.
Die verwendete Munition der 24-cm-RK L/22 war zum einen die 24-cm-Granate C/69, die 24-cm-Hartgussgranate C/69 und Kartätschen im Kaliber von 24 cm.
Einsatz Preußen Noch vor der Gründung des Deutschen Kaiserreiches wurde die 24-cm-RK L/22 in Preußen eingeführt und als Küstenartillerie genutzt. Man entschied sich gegen einen Einsatz auf Schiffen, da man dort größere Kaliber verwenden wollte.
Osmanisches Reich Im Jahr 1873 bestellte das Osmanische Reich insgesamt 50 Geschütze für die Verteidigung der Küstengebiete. Die ersten fünf Geschützte wurde im Jahr 1874 fertiggestellt und ausgeliefert.
Japan Auch die Kaiserlich Japanische Marine bestellte vier Geschützte diesen Typs und rüstete damit ihr Panzerschiff Fusō aus.
Weblinks
Literatur
Einzelnachweise
Kategorie:Geschütz Kaliber 200 mm bis 300 mm Kategorie:Artillerie (Preußen)