mini|Das Buch „Die Magermilch Bande“ Die Magermilchbande ist ein 1977 erschienenes Buch von Frank Baer. Erzählt wird die Geschichte einer Gruppe Kinder, die am Ende des Zweiten Weltkrieges den Weg aus Kinderlandverschickungslagern in Tschechien durch das besetzte Deutschland zurück nach Berlin sucht. Die Geschichte ist zwar fiktiv, beruht jedoch auf Tatsachenberichten von Zeitzeugen, die im Zweiten Weltkrieg als Jugendliche ähnliche Erfahrungen gemacht hatten.

Handlung Maxe Milch, 15-jährig, seiner Gestalt wegen „Magermilch“ genannt, ist Stubenältester in einem Kinderlandverschickungslager nahe Kusice in Tschechien. Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs kommt der Befehl zur Räumung der Lager und zur Rückführung der deutschen Kinder in ihre Heimat. Aber eine geordnete Reise ist nicht mehr möglich, das Chaos ist absehbar. Die Kinder begeben sich mit Notgepäck zum nächsten Bahnhof, wo sie mit dem Zug über mehrere lange Zwischenhalte in Richtung deutsche Grenze fahren. Als der Zug tagsüber auf offenem Feld von amerikanischen Tieffliegern beschossen und gestoppt wird, fliehen alle aus dem Zug ins Gelände, wodurch ersichtlich wird, dass sich über 1000 Kinder im Zug befunden hatten. Diese werden von ihren Lehrern in Gruppen eingeteilt und marschieren nun zu Fuß in Richtung Bayern. Adolf Zeesen muss mit wundgelaufenen Füßen zusammen mit seinen Freunden Maxe Milch und Peter Reuther zurückgelassen werden, in der Hoffnung, dass sie später abgeholt werden können. Da aber keine Hilfe kommt, können die drei mit einem Pferdefuhrwerk weiterfahren. Nach einem Zwischenfall in einem Gasthof laden sie Adolf auf einen Leiterwagen. Sie durchqueren zerstörte Dörfer und nehmen unterwegs die 7-jährige Tilli mit, die bei einem Fliegerangriff ihre ganze Familie verloren hat, mit der sie auf der Flucht war. Nachdem sie die Grenze bei Nacht überquert haben, geraten die Kinder in den Frontverlauf. Sie begegnen einer amerikanische Panzerkolonne, die gerade in ein Feuergefecht gerät. Die „Amis“ bringen die Kinder ins nächste Dorf. Die Kinder sehen viele Gefangene und Tote und gehen weiter, bis sie schließlich eine Kinderauffangstation erreichen. Damit Tilli bei ihnen bleiben kann, gibt Adolf sie als seine Schwester aus. Die Kinder werden gruppenweise auf Bauernhöfe verteilt, wo sie schwer arbeiten müssen, so aber immerhin ein Dach über dem Kopf und etwas zu essen haben. Nach mehreren Monaten Zwangsarbeit beschließen sie, als Gruppe wieder zu fliehen, wobei sich ihnen noch die 14-jährige Bille anschließt, welche ebenfalls nach Berlin will. Die Flucht gelingt, auf einem Güterzug fahren sie Richtung Norden, nach einem Richtungswechsel verlassen sie den Zug und geraten in ein Minensperrgebiet, was sie allerdings zuerst gar nicht bemerken. Mit viel Glück können sie das Gelände wieder verlassen, Maxe verliert dabei aber sein gesamtes Gepäck. Beim Betteln nach Essen wird er von einem Bauern schwer verletzt und kommt in ein Armeekrankenhaus. Die anderen können sich in einer Laubenkolonie einrichten, wobei sie noch Sophie, eine schwerkranke, ausgehungerte deutsche Erwachsene, einquartieren und aufpäppeln. Nach Maxes Genesung und einigen gefährlichen Schwarzmarkt­geschäften geht die ganze Gruppe weiter, ein Lastwagen bringt sie nach Weissenbach. Adolf trifft hier auf wohlhabende Verwandte, die ihm mitteilen, dass seine Eltern in Berlin tot sind, dass er aber bei ihnen bleiben kann. Auch Sophie kann sich in der Nähe einquartieren und nimmt die kleine Tilli zu sich. Maxe, Bille und Peter gehen mit der Hilfe eines befreundeten Schiebers namens Dieter über die Demarkationslinie in die russische Besatzungszone. Dieter kann ihnen ebenfalls Reisepapiere für eine Weiterfahrt nach Berlin mit dem Zug vermitteln. Peter trennt sich frühzeitig von seinen Reisegefährten und lässt den gesamten Proviant mitgehen. Bille und Maxe reisen alleine weiter nach Berlin, wo sie sich trennen und nie wieder sehen. Bille findet ihre Eltern wieder, auch Maxe findet seine Eltern am gewohnten Ort. Aber Maxe fängt sich von seinem Vater ein paar tüchtige Ohrfeigen ein, weil er unterwegs die Stiefel des Vaters verloren hat, welche in seinem Gepäck waren. Maxe verlässt die Wohnung und kehrt nie mehr zurück.

Einordnung und Hintergrund Frank Baer schrieb das Buch auf der Grundlage von Berichten von 400 Erwachsenen, die als Jugendliche in NS-Kinder-Landverschickungslagern waren oder auf der Flucht und der Rückkehr in die Heimat von traumatischen Erlebnissen begleitet waren. Der direkte Weg zurück nach Berlin war abgeschnitten, viele Kinder wurden von ihren Schulklassen getrennt oder von ihren Lehrern allein gelassen, und die Bewohner im Bayerischen Wald waren von der Ankunft Zehntausender erschöpfter und verängstigter Kinder überfordert. Frank Baer verzichtet bewusst auf historische Erläuterungen. Thematisiert werden in der Geschichte neben Freundschaft und Überlebenskampf auch Probleme wie Desertion, Uneinsichtigkeit und Verleugnung. Baer ist dabei literarisch feinfühlig und doch einfach verständlich, mit Einschüben von kindlich naiven Tagebucheinträgen von Bille. Bezeichnend für die Ereignisse ist der Satz in Billes Tagebuch vom 10. Mai 1945; „Das wichtigste, das geschehen ist, ist wohl, dass Friede ist. Vorgestern Nacht ist er ausgebrochen.“

Maxe Milch ist der Anführer der Gruppe, der seine „Bande“ beherzt und mit Bauernschläue durch all die Wirrnisse bringt, trotzdem ist er am Schluss der große Verlierer. Zwar kommt keines der Kinder auf der Reise ums Leben, aber die Freundschaften fallen ebenso lose auseinander wie das Deutsche Reich.

Verfilmung 1979 entstand unter der Regie von Thomas Fantl eine deutsch/tschechoslowakische Filmserie Die Magermilchbande, die im selben Jahr in sieben Folgen im deutschen Vorabendprogramm ausgestrahlt wurde. Weitere sieben Episoden folgten. Grundlage dazu war Frank Baers Buch, er selber war am Drehbuch beteiligt. In ruhigen, unspektakulären Bildern wird die Geschichte der Magermilchbande leicht abgeändert dargestellt.DVD "Die Magermilchbande", Veröffentlicht 2014, EAN: 4032989603695

Ausgaben Die Magermilchbande. Roman. Albrecht Knaus Verlag, Hamburg 1979, ISBN 3-8135-0937-0. ungekürzte Taschenbuchausgabe: Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main 1981, ISBN 3-596-25167-2 (86.–87. Tsd. 1994). englisch: Max’s Gang. Little, Brown and Co., Boston/Toronto 1983, ISBN 0-316-07517-5 (übersetzt von Ivanka Roberts). Neuauflage: Penguin-Verlag, München 2017, ISBN 978-3-328-10064-5. DVD: Die Magermilchbande, veröffentlicht 2014, EAN: 4032989603695

Einzelnachweise

Kategorie:Literarisches Werk Kategorie:Literatur (20. Jahrhundert) Kategorie:Literatur (Deutsch) Kategorie:Literatur (Deutschland) Kategorie:Roman, Epik