Friedrich Schott (* 27. Dezember 1850 in Gandersheim, Herzogtum Braunschweig; † 21. Februar 1931 in Heidelberg, Republik Baden, Deutsches Reich) war ein deutscher Unternehmer, Zementfabrikant und Ehrenbürger von Heidelberg und Leimen.
Leben und Wirken Friedrich Schott stammte väterlicherseits aus einer protestantisch konvertierten jüdischen Familie. Sein Großvater Benedict Schott (vorher Baruch Bendet Schottländer, 1763–1846) war Schuldirektor in Seesen, sein Vater Emil Schott (1812–1886) war Kalk- und Ziegelfabrikant in KreiensenChristoph Sandler: Handbuch der Leistungsfähigkeit der gesammten Industrie Deutschlands, Oesterreichs Elsass-Lothringens und der Schweiz. Wölfert, Leipzig 1874, S. 52 (online). und Seesen und braunschweigischer Landesökonomie-Kondukteur. Seine Mutter Luise Dernedde stammte aus einer protestantischen Landwirtsfamilie in Kirchberg bei Braunschweig. Friedrich Schott hatte 17 Geschwister, von denen einige Brüder später mit ihm in der Zementfabrik arbeiteten. Er besuchte die Bürgerschule in Gandersheim und studierte ab 1868 Chemie an der Polytechnischen Schule in Braunschweig.Birkle, 2021, S. 23f. [25–26], auch , mit ausführlichen biographischen Angaben Ab 1871 leistete er seinen Militärdienst ab.
1872 wurde Friedrich Schott Laborleiter bei der im Aufbau befindlichen Vorwohler Portland-Cement-Fabrik Planck & Co. in Hannover, wo er auch seine chemischen Forschungen über die Erhärtungsvorgänge beim Portlandzement fortsetzen konnte. Danach arbeitete er kurzzeitig in der Fabrik seines Vaters. 1875 wurde er Betriebsleiter der Portland-Cement-Werk Schifferdecker & Söhne in Heidelberg. Dort konnte er innerhalb eines Jahres die Rohstoffprobleme des defizitären Unternehmens lösen. 1888 wurde er nach dem Tod des Firmengründers Johann Philipp Schifferdecker technischer Vorstand der neu gebildeten Aktiengesellschaft. 1895 organisierte er nach einem Großbrand den Bau einer neuen hochmodernen Zementfabrik in Leimen, die damals das größte Industriegebäude im Deutschen Reich war.NDB, 2007, S. 491 1916 wurde er Generaldirektor des Unternehmens.
Friedrich Schott engagierte sich sehr für einen stärkeren Zusammenschluss der deutschen Zementunternehmen, um deren wirtschaftliche Erfolge zu verbessern.Birkle, 2021, S. 39f. [41–42] Er wurde 1899 Vorsitzender des Vereins Deutscher Portland-Cement-Fabrikanten und war 1900 Mitgründer des Süddeutschen Portlandcementwerk-Verbandes, 1904 gab es nach diesem Vorbild einen Syndikatsvertrag. 1913 wurde er Mitglied der Zweiten Kammer des Badischen Landtags im Wahlkreis 55 für die Nationalliberale Partei, und konnte sich dafür bei der direkten Wahl gegen einen SPD-Kandidaten durchsetzen.Birkle, 2021, S. 49 Anfang 1914 wurde er in die Erste Kammer berufen.Verhandlungen der Stände-Versammlung des Großherzogtums Baden, Band 122, Beilagenheft Band 1, 1914, S. 99 (kurzer Auszug); ernannt als Nachfolger von Carl Reiß, der im Januar 1914 gestorben war, auch in Harald Haury, Ernst Troeltsch. Reden, Voten, 2022, S. 194, nimmt Bezug auf einen Antrag von Schott vom Mai 1914 Er wurde auch Präsident der Handelskammer in Heidelberg.
Friedrich Schott war ein sehr entschlossener Unternehmer, der von seinen Mitarbeitern unbedingten Gehorsam und Pflichterfüllung forderte. Dafür entwickelte er ein Wohltätigkeitssystem, mit jährlich ansteigenden Prämien für die Betriebszugehörigkeit und Arbeiterwohnungen, die aber daran gebunden waren, dass es keine Pflichtverletzungen und keine unentschuldigten Fehlzeiten gab.Birkle, 2021, S. 47–48 [49–50], auch S. 41–44 [43–46], mit Fotos der Arbeiterwohnungen Dadurch konnte er Streiks in seinem Unternehmen verhindern.
Friedrich Schott griff in den 1920er Jahren als Aufsichtsratsvorsitzender zunehmend eigenwillig in die Abläufe und Kompetenzen anderer leitender Mitarbeiter ein, was zu wachsendem Unmut gegen seine Person führte. Er blieb aber bis kurz vor seinem Tod 1931 dort tätig.
Ehe und Nachkommen mini|hochkant|Familiengrab auf dem Bergfriedhof Heidelberg Friedrich Schott war mit Emma Fischer (1854–1928) seit 1876 verheiratet. Ihre Söhne waren Otto Schott (1877–1916), Dr. phil., Chemiker, Betriebsleiter im Zementwerk Leimen, Werksleiter in der Zementfabrik Offenbach, fiel im Ersten Weltkrieg Ehrhart Schott (1879–1968), Dr. phil., Chemiker, Direktor des Zementwerks in Leimen, Vorstand des Zementwerks Heidelberg
Ehrungen Friedrich Schott erhielt verschiedene EhrungenBirkle, 2021, S. 52 , auch NDB, 2007, S. 492 (unterer Teil) Geheimer Kommerzienrat, 1911Tonindustrie-Zeitung, 1911, Nr. 60, S. 746 (linke Spalte), mit beiden Auszeichnungen Königlicher Kronenorden 3. Klasse (Preußen), 1911 Dr. Ing. E. h. (ehrenhalber) der Technischen Hochschule Braunschweig, 1911 Ehrenbürger der Stadt Leimen, 1925 Ehrenbürger der Stadt Heidelberg, 1925 Dr. rer. nat. h. c, Universität Heidelberg, 1930 Geheimrat-Schott-Straße, Leimen Friedrich-Schott-Straße, Heidelberg-Pfaffengrund Friedrich-Schott-Brücke, zwischen Heidelberg-Pfaffengrund und EppelheimBrücken in Heidelberg Heidelberger Geschichtsverein, nach Angaben von 1940, möglicherweise gibt es diese Brücke nicht mehr
Literatur
Karola Birkle: Leben und Werk des Zementpioniers Friedrich Schott. Heidelberg, 2021 (PDF)
Weblinks
Friedrich Schott Heidelberger Geschichtsverein
Einzelnachweise
Kategorie:Unternehmer (Heidelberg) Kategorie:Unternehmer (20. Jahrhundert) Kategorie:Unternehmer (19. Jahrhundert) Kategorie:Geheimer Kommerzienrat Kategorie:Aufsichtsratsvorsitzender (Deutschland) Kategorie:Mitglied der Ersten Kammer der Badischen Ständeversammlung Kategorie:Mitglied der Zweiten Kammer der Badischen Ständeversammlung Kategorie:Ehrendoktor der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg Kategorie:Ehrendoktor der Technischen Universität Braunschweig Kategorie:Träger des Preußischen Königlichen Kronenordens 3. Klasse Kategorie:NLP-Mitglied Kategorie:DVP-Mitglied Kategorie:Ehrenbürger von Heidelberg Kategorie:Ehrenbürger von Leimen (Baden) Kategorie:Heidelberg Materials Kategorie:Person (Industrie- und Handelskammer) Kategorie:Badener Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1850 Kategorie:Gestorben 1931 Kategorie:Mann