mini|Stefan Eisenhofer (Foto: Nicolai Kaestner 2024).

Stefan Eisenhofer (* 24. September 1960 in München) ist ein deutscher Ethnologe und Historiker, Ausstellungsmacher, Museumskurator, Autor und Experte für Afrikanische Kunst.

Leben und berufliche Karriere Stefan Eisenhofer wurde in München geboren und wuchs dort auf. Ab 1982 studierte er Ethnologie, deutsche und vergleichende Volkskunde sowie Alte Geschichte an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Sein Studium finanzierte er sich durch Tätigkeiten als Leichtathletiktrainer, Fußballer und Altenpflegehelfer.

1988 schloss er das Studium mit dem Magister artium bei László Vajda mit einer Arbeit über Magische Vorstellungen und Handlungen in Theokrits Pharmakeutriai – Liebeszauber im antiken Mittelmeerraum ab. 1993 promovierte er im Fach Ethnologie bei Matthias Laubscher und Annemarie Fiedermutz mit der Dissertation Höfische Elfenbeinschnitzerei im Reich Benin – Kontinuität oder Kontinuitätspostulat?

Nach wissenschaftlichen Tätigkeiten am Institut für Ethnologie der Ludwig-Maximilians-Universität München und am Historischen Seminar der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg war Eisenhofer 1996/97 sowie 2000/01 Ausstellungsleiter am Oberösterreichischen Landesmuseen in Linz. Dort verantwortete er die Großausstellungen Kulte, Künstler, Könige. Tradition und Moderne in Südnigeria (1997) sowie Spuren des Regenbogens. Kunst und Leben im südlichen Afrika (2001).

Seit 2001 leitet Eisenhofer die Abteilung Subsahara-Afrika am Museum Fünf Kontinente in München. Von 2016 bis 2024 war er zusätzlich Leiter der Abteilung Nordamerika.

Eisenhofer war seit 1994 Haupt- und Mitkurator von mehr als 30 Ausstellungen. Die meisten davon konzipierte und kuratierte er für das Museum Fünf Kontinente, darunter Genocide Monument – Eine Installation des ghanaischen Künstlers Kofi Setordji (2004, zum Völkermord in Ruanda), StillePost – Angelika Böck und Hans Himmelheber (2004), Schwarze Götter im Exil – Fotografien von Pierre Fatumbi Verger (2006), Letzte Ölung Nigerdelta. Das Drama der Erdölproduktion in zeitgenössischen Fotografien (2011), Töchter des Lebens – Fotografien von Angèle Etoundi Essamba (2018), From Mystic to Plastic. Afrikanische Masken. Fotografien von Stéphan Gladieu (2023), Witches in Exile (2023) sowie Merci Maman. Straßenfotografie in Mali (2025).

Ein wichtiges Verdienst Eisenhofers als Kurator ist die konsequente Einbindung zeitgenössischer Kunst aus Afrika und seiner Diaspora in ethnologische Museen. Ziel seiner Arbeit ist es, den Blick des Publikums auf das kreative Potenzial des afrikanischen Kontinents von der Vergangenheit hin zu aktuellen Künstlerinnen und Künstlern, Themen, Materialien und Techniken zu erweitern.

Eisenhofer veröffentlichte zahlreiche Bücher, Ausstellungskataloge und Fachartikel zur Kunst Afrikas. Internationale Verbreitung fand insbesondere sein Werk Afrikanische Kunst (2010), das parallel in deutscher, englischer, französischer und spanischer Sprache in hoher Auflage erschienen ist.

Als Museumskurator trug Eisenhofer maßgeblich zur Popularisierung ethnologischer und außereuropäischer Themen für ein breites Publikum bei. Von 2002 bis 2017 konzipierte und organisierte er gemeinsam mit Karin Sommer die überregional erfolgreiche Veranstaltungsreihe Der Ethnologische Salon, die sich durch große Themenvielfalt und Multiperspektivität auszeichnete. Von 2002 bis 2015 leitete und kuratierte er zudem – zunächst mit Peter Neugart, später mit Frank Heidemann und Margrit Prussat – die Tage des Ethnologischen Films bzw. das Münchner EthnoFilmFest, bei denen ethnologische Filme aus aller Welt präsentiert und diskutiert wurden. Mit den Konzertreihen „Urban African Sounds“ (2002 bis 2005 - mit Jay Rutledge und Patricia Müller) sowie „African Grooves“ (2010 und 2011 - mit Willi Rodrian) verfolgte Eisenhofer darüber hinaus das Ziel, das Museum vom Ausstellungsort hin zu einem lebendigen Begegnungsort zu entwickeln.

Eisenhofer ist seit 2018 Mitglied des Kuratoriums der Freunde des Bayerisches Staatsschauspiels e.V. („Freunde des Residenztheaters“) und seit November 2025 dessen Vorsitzender.

Er ist in zweiter Ehe mit der Ethnologin und Kuratorin Karin Guggeis verheiratet.

Ausstellungen (Auswahl) Oberösterreichisches Landesmuseum Linz (Schloßmuseum) 1997: Kulte, Künstler, Könige. Tradition und Moderne in Südnigeria 2001: Spuren des Regenbogens – Kunst und Leben im Südlichen Afrika / Tracing the Rainbow – Arts and Life in Southern Africa

Museum Fünf Kontinente München 2002–2015: Afrika-Dauerausstellung: Kunst aus Afrika 2003: imbenge-dreamhouse:A Telephone Wire Art Project between South Africa and Europe (mit Nele Ströbel) 2004: Genocide Monument – Die Wunden der Erinnerung: Eine Installation des ghanaischen Künstlers Kofi Setordji über den Völkermord in Ruanda 1994 2004: StillePost – Angelika Böck und Hans Himmelheber 2005: Rostock Ritz – Eine Spurensuche in Namibia. Fotos aus dem heutigen Namibia von Eva Leitolf 2006: Schwarze Götter im Exil – Fotografien von Pierre Fatumbi Verger 2008: Afrika südlich der Sahara. In: Weiter als der Horizont – Kunst der Welt 2010: A strong desire to see the world – Ein Interventions-Ausstellungsprojekt von Isi Kunath 2011: Südafrika: Von hölzernen Kopfkissen, Fußball-Fan-Helmen und Plastiktütenküken (mit Karin Guggeis) 2011: Letzte Ölung Nigerdelta. Das Drama der Erdölproduktion in zeitgenössischen Fotografien 2015: Afrika-Dauerausstellung: Subsahara-Afrika. Lebendige Traditionen – Kreative Gegenwart 2015: Farben.Kunst. Indianer. Der Münchner Impressionist Julius Seyler bei den Blackfeet 2017: Kids behind the camera. Mach Dir ein Bild - Ein Projekt von Marie Köhler mit Kindern aus Burkina Faso und Ruanda 2018: Töchter des Lebens / Daughters of Life – Fotografien von Angèle Etoundi Essamba 2023: From Mystic to Plastic. Afrikanische Masken. Fotografien von Stéphan Gladieu 2023: Witches in Exile. Fotografien Ann-Christine Woehrl. Installation Senam Okudzeto 2025: Merci Maman –Straßenfotografie in Mali (mit Jonathan Fischer)

Schloß Seefeld (Zweigmuseum Museum Fünf Kontinente München) 1994 und 1995 Mensch und Elefant (mit Wolfgang Stein)

Schloß Oettingen i. Bay. (Zweigmuseum Museum Fünf Kontinente München) 2001: Art on the Rocks - Felsbilder aus der Republik Südafrika und Namibia (Aus der Sammlung Richemont Art Foundation, Schweiz) 2001: Afrikas Farben - Fotografien von Carol Beckwirth und Angela Fischer (mit Karin Guggeis) 2003: Könige in Afrika - Macht und Pracht der Gottkönige (mit Karin Guggeis) 2007: TierWelten – Tiere in den Religionen ferner Kulturen

Museum für Außereuropäische Kunst Windach 1995: MaskenWesen in Afrika

Kulturzentrum Pasinger Fabrik 1995: Tibet – Eine Ausstellung für Blinde, Sehbehinderte und Sehende (mit Barbara Schachinger) 1996: ÜberLeben in der Wüste (mit Kula E.V.)

Stadtmuseum München 2006: Fußball. Ein Spiel – Viele Welten (mit Karin Guggeis)

Ausstellungszentrum Lokschuppen Rosenheim 2006: Tuareg und San (mit Alexis Malefakis in der Ausstellung Die Wüste) 2015: Pygmäen (mit Michael Rösler in der Ausstellung Regenwald)

Überseemuseum Bremen 1995: Mensch und Elefant

Koenigmuseum Landshut (damals Skulpturenmuseum im Hofberg) 1999: Mein Afrika. Die Afrika-Sammlung von Fritz Koenig (mit Stefanje Weinmayr und Karin Guggeis)

Publikationen (Auswahl) 2025: Merci Maman - Straßenfotografie in Mali (Hg.). München. Museum Fünf Kontinente 2023: Beyond Arcadia - The San and the "Colonial Gaze"/ Jenseits von Arkadien - Die San und der "koloniale Blick". in: Mönchehaus Museum Goslar (Hg.). Bushman Art - Zeitgenössische Kunst der !Xun und Khwe. Goslar: S. 05-07 und 8-11 2021: Michael Armitage: Baboon (on view in the exhibition „Paradise Edict“ at Haus der Kunst Munich 2020/1) (mit Leonie Chima Emeka). (Online) 2019: Ursprungsmythen und Herrschaftslegitimation im Reich Benin (Nigeria), in: Díaz Hernández, Roberto A./ Flossmann-Schütze, Mélanie C./ Hoffmann Friedhelm (Hg.), Antike Kosmogonien - Beiträge zum Internationalen Workshop vom 28.–30. Januar 2016 (Weltentstehung und Theologie von Hermopolis Magna I), Vaterstetten: Patrick Brose Verlag, 2019, S. 25–30 2019: Elefant und Leopard als Königstiere im vorkolonialen Nigeria.in: Mergenthaler, Markus / Stein, Wolfgang (Hg.), Elefant – Graue Riesen in Natur und Kultur. Oppenheim: Nünnerich-Asmus Verlag: 42–53 2019: Kruzifixe, Rosenkränze und Heiligenfiguren - Konversion und die Aneignung christlicher Sakralkunst im Königreich Kongo. In: Behringer, Wolfgang / Mader, Eric-Oliver / Nipperdey, Justus (Hg.), Konversionen zum Katholizismus in der Frühen Neuzeit – Europäische und globale Perspektiven. Berlin: Lit-Verlag: S. 281–295. ISBN 978-3-643-13981-8 2019: Keramik als Ware – Traditionelle afrikanische Töpfer*innen und ihre Märkte / Ceramics as Commodities – Traditional African Potters and their Markets (mit Karin Guggeis). In: Nollert, Angelika / Thompson, Barbara (Hg.), Afrikanische Keramik - Anders gesehen / African Ceramics – A different Perspective. München/Köln: Walther König: S. 194 – 205. ISBN 978-3-96098-708-6 2019: Zerrbild als Vorbild? Die Afrika-Rezeption als Beitrag zur Erneuerung der Kunst in der Weimarer Republik, in: Die Welt neu denken - Beiträge aus dem Eröffnungssymposium "100 Jahre Bauhaus im Westen", Henneke, Joachim / Kift, Dagmar / Schleper, Thomas (Hg.). Münster: Aschendorff Verlag: 77–85. ISBN 978-3-402-24648-1 2018: Töchter des Lebens – Daughters of Life: Fotografien von / Photographs by Angéle Etoundi Essamba (Hg.). München 2018: Von Masken und Menschen / Of Masks and Men. In: Eisenhofer, Stefan (Hg.), Töchter des Lebens – Daughters of Life: Fotografien von / Photographs by Angéle Etoundi Essamba (Hg.). München: 62 – 63 2018: Aurora Postcolonialis? Zum aktuellen Stand der Rückforderungsdebatten um den Kameruner Schiffschnabel im Museum Fünf Kontinente. In: Larissa Förster, Iris Edenheiser, Sarah Fründt, Heike Hartmann (Hrsg.), Provenienzforschung zu ethnografischen Sammlungen der Kolonialzeit - Positionen in der aktuellen Debatte. Elektronische Publikation zur Tagung »Provenienzforschung in ethnologischen Sammlungen der Kolonialzeit«, Museum Fünf Kontinente, München, 7./8. April 2017 © Arbeitsgruppe Museum der Deutschen Gesellschaft für Sozial- und Kulturanthropologie, Berlin: 199–203 2016: „Auch Statuen sterben“ – Materielle Kultur und objektzentrierte Handlungsformen im vorkolonialen Afrika. in: Der Vermeer-Sensor – Wertzuschreibung und Werterhaltung von Dingen und Kunst in Zeiten der Überfülle (Rolf Bier / Nils Büttner, Hg.); Berlin: Neofelis: 84–93 2015: „Jedes Blatt schien Tränen zu vergießen“ – Die Erfindung des Urwalds: Henry Morton Stanley (1841–1904). In: Regenwald (Christian Feest / Christine Kron, Hg.). Darmstadt / Rosenheim 2015: 196 2015: Farben. Kunst. Indianer – Der Münchner Impressionist Julius Seyler bei den Blackfeet (Hg.). München. Deutscher Kunstverlag 2015: Die höfische Kunst im Reich Benin (Nigeria) - Kontinuitäten und Kontinuitätsbehauptungen. In: Picht, Laura / Schmidt, Katharina / Schmitz, Geraldine / Wiggering, Lukas (Hg.). The Limits of Change: Was ist der Wert der beständigen Dinge? Neofelis: Berlin: 77 – 82 2014: Fetisch. In: Handbuch Materielle Kultur (Hg. Stefanie Samida, Manfred Eggert Hans Peter Hahn) Stuttgart/Weimar 2014: 206–209 2014: Manifestationen der Wildheit oder „Meisterwerke der Weltkunst“? – „Fetische“ aus Afrika und der westliche Blick. In: In Gegenwart des Fetischs – Dingkonjunktur und Fetischbegriff in der Diskussion (Christine Blättler / Falko Schmieder, Hg.). Wien/Berlin 2014: 151 – 163 2012: Letzte Ölung Nigerdelta. Das Drama der Erdölförderung in zeitgenössischen Fotografien(Hg., mit Christine Stelzig und Eva Ursprung). Wien/München 2010: Afrikanische Kunst. Köln / African Art. Köln / Los Angeles / Art Africain. Köln / Paris / Arte Africano. Köln / Madrid (Taschen) 2004: Africa on the Move – Toys from West Africa (Hrsg., mit Karin Guggeis und Jacques Froidevaux). Stuttgart