mini|Gmund, St. Ägidius, Außenansicht von Südosten (2014) mini|Gmund, St. Ägidius, Blick vom Bahnhof (2022) Die römisch-katholische Pfarrkirche St. Ägidius steht am südlichen Ufer der Mangfall im Kirchenweg 5 in Gmund am Tegernsee im Landkreis Miesbach in Oberbayern.
Geschichte mini|Ansicht der alten Pfarrkirche St. Michaei und davor die Maria-Hilf-Kapelle in Gmund am Tegernsee. Merian 1644 Bereits vor der Gründung des Klosters Tegernsee im 8. Jahrhundert bestand der Ort Gmund als Urpfarrei in der Umgebung des Tegernsee.
Eine erste urkundliche Erwähnung des Ortes und eines Pfarrers in Gmund ist um 1075, während der Zeit des Tegernseer Abtes Eberhard II., 1068–1091, belegt. Bereits 1087 stand an dieser Stelle eine erste, dem Erzengel Michael geweihte, steinerne Kirche.
Die heutige Kirche wurde von 1688 bis 1692 von dem Graubündner Baumeister Lorenzo Sciascia aus Roveredo im Barockstil erbaut. Sie wurde 1693 dem Benediktinerabt Ägidius geweiht.
Am 16. Juli 1817 wurde der Turm vom Blitz getroffen. Es gab erhebliche Schäden am Mauerwerk, den Stufen und an der Orgel.
Sanierungen 1835: Neutünchung der Raumschale und Ausbesserung des Stucks 1857–1860: Neugestaltung der Raumschale 1900: Innenrenovierung nach Plänen von Josef Elsner, München 1953/1954: Innenrenovierung; hierbei Verkürzung des Hochaltars, Ablaugen von Kanzel, Oratorium und Gestühl 1975: Ausbesserung des Gewölbestucks und Neutünchung der Raumschale 1998–2001: Innenrestaurierung durch Fa. Erwin Wiegerling
Architektur Das Äußere der Kirche ist schlicht gehalten. Die Kirche überragt durch ihre Berglage den Ort Gmund. Die Kirche ist nicht geostet. Das Langhaus hat vier Joche, der Chor ist leicht eingezogen und ein Joch breit. Der Chor schließt mit einer halbrunden Apsis ab. Im Südwesten steht mittig vor dem Giebel des Langhauses der mehrstöckige Turm. Im unteren Bereich besteht dessen Mauerwerk aus Resten der Kirche von 1087. Im obersten achteckigen Turmgeschoss hängen fünf Glocken. Der Turm hat eine Zwiebelhaube. Die Bekrönung schließt mit einem Papstkreuz und einer Wetterfahne ab. In der südlichen Ecke ist am Turm eine Totenkapelle angebaut. In mehreren Nischen sind dort Gebeine eingemauert. Das Vorzeichen zum Eingangsportal und die zweigeschossige Sakristei sind an der südöstlichen Wand des Langhauses angebaut. Langhaus und Chor haben ein Satteldach, die Apsis ein halbes Kegeldach.
Das Innere der Wandpfeilerkirche wirkt großzügig und durch die Gurt- und Schildbögen sowie die Rahmung und Stukkaturen der Gewölbe klar gegliedert. Das Kirchenschiff verfügt über ein Tonnengewölbe mit Stichkappen in den Fensterachsen. In den Gewölbescheiteln sind Stuckmedaillons mit verschiedenen Monogrammen. Von West nach Ost: Joch: Christusmonogramm X P (über der Orgel) Joch: Alpha und Omega Joch: Marienmonogramm Joch: Heiliggeistloch Joch: IHS (im Chor) Die Apsis hat ein Gewölbe in Form einer Viertel-Kugel. Oberhalb der großen Rundbogenfenster sind querovale Fenster angebracht. Vor der südwestlichen Giebelwand steht eine zweigeschossige Empore. Auf dem oberen Geschoss steht die Orgel von 1985.
Ausstattung
Die reichhaltige Innenausstattung stammt zum größten Teil aus der Erbauungszeit. Ein großer Teil der Ausstattung stammt aus dem ehemaligen Kloster Tegernsee, teilweise kurz nach Fertigstellung der Kirche, ein weiterer Teil aus der Mitte des 18. Jahrhunderts sowie weitere Teile die nach der Auflösung des Klosters 1803 der Gmunder Pfarrer Buchberger, ein ehemaliger Konventuale des Klosters, herbeigeholt hat.
Der Hochaltar wurde 1692 von der Klosterkirche Tegernsee gekauft und kam per Schiff über den See nach Gmund. Er wurde 1640 geschaffen und als Bruderschaftsaltar in Tegernsee verwendet. Das Gemälde „Geschichte des heiligen Ägid“ des Hochaltars (1692) ist ein Werk von Hans Georg Asam. Die beiden Seitenaltäre am Chorbogen sind von 1761. Das Altarblatt des rechten Seitenaltars mit den Heiligen Nikolaus und Johannes des Täufers stammt ebenfalls von Hans Georg Asam. barocke Kanzel mit Schalldeckel von 1691, von einem Kistler aus Lenggries geschaffen. Die Statuetten von Hans Halders stammen vom ehemaligen Chorgestühl des Klosters Tegernsee. Taufbrunnen aus glattem Tegernseer Marmor in Form eines achteckigen Kelchs. Der hölzerne Deckel schließt oben mit der Figurengruppe der Taufe Jesu ab. Ein Oratorium ist im Chor an der rechten Seite direkt hinter dem Wandpfeiler des Triumphbogens im ersten Obergeschoß angebracht. Der Zugang erfolgt über das Obergeschoß der Sakristei. Das Oratorium stammt ebenfalls aus der Klosterkirche in Tegernsee. 12 Apostel-Skulpturen, in barockem Stil weiß mit gold gefasst. Kreuzweg aus 14 gemalten Tafeln mit barockem Rahmen. Der Bewegliche Ölberg stammt aus dem Jahr 1827. Während der Fastenzeit werden bis zum Gründonnerstag regelmäßig Ölbergandachten gefeiert. Diese finden seit 1744 statt. Das jetzige Heilige Grab stammt aus der Zeit um 1820. Um 1740 wird ein älteres Heiliges Grab erwähnt, welcher der Maler Philipp Gugelhör aus Kochel geschaffen hat.
Orgel Bereits im 17. Jahrhundert werden eine Orgel sowie Organisten (Orgelschläger) erwähnt. Die jetzige Orgel stammt von 1985. Sie wurde von Anton Staller aus Grafing bei München geschaffen. Die Disposition lautet:Orgeldatenbank Bayern v5 (2009) (online), abgerufen am 6. März 2026.
I Hauptwerk Principal 8′ Spillflöte 8′ Gamba 8′ Oktave 4′ Koppelflöte 4′ Quinte ′ Oktave 2′ Mixtur IV ′ Trompete 8′ II Schwellwerk Gedackt 8′ Salicional 8′ Principal 4′ Rohrflöte 4′ Blockflöte 2′ Sesquialtera ′+′ Cimbel III 1′ Holzkrummhorn 8′ Tremulant Pedal Subbaß 16′ Praestant 8′ Gedecktbaß 8′ Choralbaß 4′ Rauschpfeife IV ′ Fagott 16′
Koppeln: II/I, I/P, II/P Spielhilfen: 4 elektrische Setzer
Glocken In der Beschreibung „Die Pfarrei Gmund …“ von Joseph Obermayr von 1868 werden vier Glocken genannt.
Kurz vor dem Ersten Weltkrieg befanden sich insgesamt fünf Glocken mit der Schlagtonfolge es1-g1-b1-es2-g2 mit den Gewichten von 1.440 kg, 775 kg, 418 kg, 170 kg und 100 kg im Turm. Von den 1868 genannten vier Glocken blieben nur die seinerzeit größte (Marienglocke, 1646, g1, 775 kg) und die kleinste Glocke (g2, 100 kg) erhalten. Die beiden anderen wurden 1872 vom Gießer Anton Oberascher, Reichenhall zum Neuguss der es1-, b1-, und es2-Glocke verwendet.
Im Turm läuten heute insgesamt fünf Glocken an gekröpften Jochen in einem Stahlglockenstuhl. Die vier größten Glocken bilden das Hauptgeläut, das in der Melodielinie eines ausgefüllten Mollmotivs ertönt. Die älteste und kleinste Glocke wird nur solistisch als Sterbeglocke verwendet. Die Marienglocke wurde vom Münchner Gießer Bernhard Ernst 1646 gegossen. Drei andere wurden 1949 von Karl Czudnochowsky in Erding gegossen und am 6. Januar 1950 geweiht. Der Gießer der kleinen Sterbeglocke ist unbekannt.
Bestand 2026 NameGießerGussjahrGewicht(kg)Durchmesser(mm)Schlagton()Inschrift1St. MichaelCzudnochowsky, Erding1949 1775 1480cis12St. Georg 996 1270e13MarienglockeBernhard Ernst, München1646 925 1130fis1 Bernhard Ernst goß mich schon / 1646 / zum Gotteshaus geb ich einen lieblichen Ton.
Gloria in excelsis deo, et in terra pax hominibus bonae voluntatis (Ehre sei Gott in der Höhe, und Friede den Menschen auf Erden, die eines guten Willens sind)4St. ÄgidiusCzudnochowsky, Erding1949 486 970gis15Sterbeglockeunbezeichnet15. Jh. 115—e2† hilf • got • maria • berat • hilf • maria. (In gotischen Minuskeln)
Friedhöfe Um die heutige Kirche herum liegt der „Alte Friedhof“, er verfügt über 352 Gräber. Dieser ist ebenso wie der 1904 hinter der Schule errichtete „Neue Friedhof“ mit 156 Grabstellen in Verantwortung der Pfarrei Gmund.
Seelsorge Die Kirche ist Teil des Pfarrverbands Gmund – Bad Wiessee im Dekanat Miesbach im Erzbistum München und Freising.
Literatur Fritz Demmel: Gmund am Tegernsee, Kath. Pfarrkirche St. Ägidius in Gmund am Tegernsee, Kath. Pfarramt St. Ägidius, Gmund am Tegernsee (Hrsg.), PEDA-Kunstführer Nr. 188 / 2002, ISBN 3-89643-194-3, Kunstverlag Peda, Passau, 2002 Joseph Obermayr: Die Pfarrei Gmund am Tegernsee und die Reiffenstuel, ein Beitrag zur oberbayerischen Namen- u. Ortsgeschichte. Datterer, Freising 1868
Weblinks
St. Ägidius in Gmund am Tegernsee zur Weihnachtszeit auf YouTube „BR Heimat“ Zwölfuhrläuten: Gmund am Tegernsee in Oberbayern (St. Ägidius, rk) in der ARD-Audiothek
Einzelnachweise
Kategorie:Kirchengebäude im Landkreis Miesbach Agidius Agidius Kategorie:Ägidienkirche Kategorie:Pfarrkirche des Erzbistums München und Freising Kategorie:Barocke Kirche Kategorie:Barockbauwerk in Bayern Kategorie:Erbaut 1692 Kategorie:Disposition einer Orgel