Koniewo (deutsch Kunow) ist ein Dorf in der polnischen Woiwodschaft Westpommern. Es gehört zur Gmina Wolin (Gemeinde Wollin) im Powiat Kamieński (Camminer Kreis).
Geographische Lage Das Kirchdorf liegt im Nordwesten Polens, östlich unweit des Stettiner Haffs, etwa 37 Kilometer nördlich von Stettin (Szczecin), 19 Kilometer südsüdwestlich der Stadt Kamień Pomorski (Cammin in Pommern), 4,5 Kilometer südsüdöstlich der Stadt Wolin (Wollin) und 2,5 Kilometer südwestlich der Ortschaft Wiejkowo (Groß Weckow).
Geschichte mini|Dorfzentrum (2024) Der Ortsnamen des heutigen Koniewo wechselte mehrfach; Konow, Kuno, Cunow oder Cuno, Conow, Cono oder Kono. Das Dorf wurde erstmals 1288 urkundlich erwähnt.Hasso von Flemming-Benz: Der Kreis Cammin. Ein pommersches Heimatbuch. Holzner, Würzburg 1970 (mit beigelegter Karte des Kreisgebiets von 1936), S. 143. Es war 1288 oder kurz davor vom Nonnenkloster Wollin erworben worden.Fritz Curschmann: Die Landeseinteilung Pommerns im Mittelalter und die Verwaltungseinteilung der Neuzeit, in: Pommersche Jahrbücher, Band 12, Greifswald 1911, S. 159–337, insbesondere S. 246 (Google Books). 1299/1303 bestätigte Bogislaw IV. dem Nonnenkloster Wollin das Dorf als Eigentum mit allen Rechten und befreite es von fast allen Abgaben und Diensten. Nach Auflösung des Klosters um 1560 kamen dessen Besitzungen an das landesherrliche Amt Wollin. Laut den Hufenmatrikeln von Pommern-Stettin von 1628 wurden in Konow 52 Hakenhufen, vier Kossäten, ein Krug und vier Instleute versteuert.Robert Klempin und Gustav Kratz: Matrikeln und Verzeichnisse der Pommerschen Ritterschaft vom XIV bis in das XIX Jahrhundert. Berlin 1863, S. 261 (Boogle Books). 1654 umfasste die Gemarkung des Dorfs 26,5 Landhufen (1 Landhufe ≙ etwa 30 Morgen), und es gab hier 14 Bauern, vier Kossäten sowie fünf wüste Höfe und Katen; 1732 waren nach Wiederaufbau der wüsten Höfe 17 Bauern, zwei Kossäten, ein Büdner und ein Schmied vorhanden. Um 1780 gehörte Cunow oder Conow zum Flemmingschen Kreis und war dem Amt Stepenitz zugeordnet.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts hatte das Pfarrkirch- und Bauerndorf Konow oder Kunow eine Mutterkirche, das Pfarrgehöft, ein Küsterschulhaus, ein Obdachlosenhaus für zehn Personen, ein weiteres öffentliches Gebäude, zwei gewerbliche Gebäude sowie 17 Bauernhöfe, zwei Kossäten und zehn Büdner. Der Schule stand als Lehrer der Küster und Organist vor,Heinrich Berghaus: Landbuch des Herzogthums Pommern – Schilderung der Zustände dieser Lande in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, Teil II: Landbuch des Herzogthums Stettin, von Kamin und Hinterpommern; oder des Verwaltungs-Bezirks der Königl. Regierung zu Stettin. Band 6: Kreise Kamin und Greifenberg, Anklam 1870, S. 319–320 (Google Books) und sie war einklassig.Georg Ernst Maximilian von Köller: Statistische Darstellung des Camminer Kreises – Geschrieben im Winter 1865/66, Behrendt, Cammin in Pommern 1867, S. 166 (Google Books). Um 1864 war für Cunow (Cono) die Kreisgerichts-Kommission I zu Wollin zuständig.Amtsblatt der Königl. Regierung in Stettin, Extra-Beilage Nr. 39, vom 23. September 1864, Verzeichniß der Gerichtsbehörden in dem Bezirke des Königl. Appellations-Gerichts zu Stettin, II. Kreisgericht Cammin, S. 7–11, insbesondere S. 9 (Google Books).
Am 1. Dezember 1913 wurden auf der 697,4 Hektar großen Gemarkungsfläche der Landgemeinde Kunow 33 viehhaltende Haushaltungen gezählt, die zusammen 86 Pferde, 375 Stück Rindvieh, 63 Schafe und 444 Stück Borstenvieh, 101 Gänse, 91 Enten, 1436 Hühner, fünf Truthühner sowie 72 Bienenstöcke hielten. Auf der Gemarkung der Landgemeinde standen 428 Apfelbäume, 270 Birnbäume, 671 Pflaumen- und Zwetschgenbäume, 163 Kirschbäume und 25 Walnussbäume.Königlich Preußisches Statistisches Landesamt: Gemeindelexikon über den Viehstand und den Obstbau für den Preußischen Staat, Heft 4: Provinz Pommern, Berlin 1915, 1. Regierungsbezirk Stettin, 12. Kreis Cammin, S. 52–53, Ziffer 60 (Google Books).
Die Gemarkung der Landgemeinde Kunow hatte Anfang der 1930er Jahre eine Fläche von 7 km². Innerhalb der Gemeindegrenzen, wo Kunow der einzige Wohnplatz war, standen 37 bewohnte Wohnhäuser.
Im Jahr 1945 gehörte das Dorf Kunow zum Kreis Cammin i. Pom. im Regierungsbezirk Stettin in der Provinz Pommern des Deutschen Reichs. Kunow war dem Amtsbezirk Groß Weckow zugeordnet.
Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Region Anfang März 1945 von der Roten Armee besetzt. In der Folge wurde der Ort Teil Polens und in Koniewo umbenannt.
Demographie + Bevölkerungsentwicklung Jahr Einwohner Anmerkungen 1782 – königliches Dorf des Amts Stepenitz, mit einem Prediger, einem Küster, 17 Bauern einschließlich des Schulzen, zwei Kossäten, zwei Büdnern, einer Schmiede, die Eigentum der Dorfschaft ist, 39 Feuerstellen (Haushaltungen) und einer zur Wollinschen Synode gehörigen MutterkircheLudwig Wilhelm Brüggemann: Ausführliche Beschreibung des gegenwärtigen Zustandes des Königl. Preußischen Herzogthums Vor- und Hinter-Pommern. Teil II, 1. Band: Beschreibung der zu dem Gerichtsbezirk der Königl. Landescollegien Stettin gehörigen Hinterpommerschen Kreise, Stettin 1784, S. 17, Ziffer (2) (Google Books). 1818 230 königliches Dorf, zum Amt Stepenitz gehörig, mit einer MutterkircheAlexander August Mützell und Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preussischen Staats. Band 3: Kr–O, Halle 1822, S. 43, Ziffer 6198 (books.google.de).Friedrich von Restorff: Topographische Beschreibung der Provinz Pommern mit einer statistischen Uebersicht, Nicolaische Buchhandlung, Berlin und Stettin 1827, S. 162, Ziffer 7 (Google Books), und S. 161, Ziffer 8 (Google Books). 1831 257 Dorf, mit zwei Vorwerken, einer Mutterkirche und 29 Häusern, zum Domänenamt Stepenitz gehörigGeorg Friedrich Krause: Handbuch zu dem Atlas von Preußen in 27 Karten; oder: geographisch-statistisch-topographische Beschreibung der preußischen Mönarchie. Zweite Hälfte: Verzeichniß sämmtlicher Städte, Flecken, Dörfer, Weiler, Vorwerke etc. der Monarchie. Band I: A – E, Müller, Erfurt 1835, S. 595 (Google Books). 1852 259 DorfKraatz (Hrsg.): Topographisch-statistisches Handbuch des Preußischen Staats. Decker, Berlin 1856, S. 104 (Google Books). 1864 237 am 3. Dezember, Gemeindebezirk, mit einem Gesamtflächeninhalt von 2726,75 Morgen sowie zwei gewerblichen und 33 WohngebäudenKönigliches Finanzministerium: Die Ergebnisse der Grund- und Gebäudesteuerveranlagung im Regierungsbezirk Stettin: 5. Kreis Kammin. Berlin 1866, S. 2–9, Ziffer 38 (Google Books). 1867 242 am 3. Dezember, Landgemeinde 1871 254 am 1. Dezember, Landgemeinde, sämtlich EvangelischeKönigliches Statistisches Bureau: Die Gemeinden und Gutsbezirke der Provinz Pommern und ihre Bevölkerung. Nach den Urmaterialien der allgemeinen Volkszählung vom 1. December 1871 bearbeitet und zusammengestellt. Berlin 1874, S. 60–61, Ziffer 18 (Google Books). 1885 263 am 1. Dezember, Landgemeinde, davon 262 Evangelische und eine katholische PersonKönigliches statistisches Bureau: Gemeindelexikon für das Königreich Preußen. Auf Grund der Materialien der Volkszählung vom 1. Dezember 1885 und anderer amtlicher Quellen. Band 4: Provinz Pommern. Berlin 1888, S. 72–73, Ziffer 60 (Google Books). 1890 254 am 1. Dezember, LandgemeindeKönigliches statistisches Bureau: Viehstandslexikon für den preußischen Staat. IV. Provinz Pommern, Berlin 1895. I. Regierungsbezirk Stettin. 11. Kreis Kammin, S. 29, Ziffer 60 (Google Books). 1895 242 am 2. Dezember, Landgemeinde, sämtlich EvangelischeGemeindelexikon für das Königreich Preußen – Auf Grund der Materialien der Volkszählung vom 2. Dezember 1895, IV. Provinz Pommern, Berlin 1898, I. Regierungsbezirk Stettin, 11. Kreis Cammin, Berlin 1898, I. Regierungsbezirk Stettin, 11. Kreis Cammin, S. 72–73, Ziffer 59 (Google Books). 1910 225 am 1. Dezember, Dorf, mit einer evangelischer PfarrkircheKunow, Dorf, Kreis Cammin, Provinz Pommern. In: Meyers Gazetteer, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Kunow (meyersgaz.org).Landkreis Cammin (Gemeindeverzeichnis.de) – U. Schubert (2022) 1925 221 darunter 212 EvangelischeDie Gemeinde Kunow im ehemaligen Kreis Cammin in Pommern (Gunthard Stübs und Pommersche Forschungsgemeinschaft, 2011). 1933 174 1939 161 am 17. MaiStatistik des Deutschen Reichs, Verlag für Sozialpolitik, Wirtschaft und Statistik (Paul Schmidt), Berlin 1940, 4. Provinz Pommern, 6. Cammin i. Pom., S. 62 (Google Books). 2011 119Główny Urząd Statystyczny, Ludność - struktura według ekonomicznych grup wieku Stand vom 31. März 2011, abgerufen am 11. Dezember 2025
Kirche Dorfkirche mini|hochkant|Dorfkirche (2024) Im Jahr 1288 wurde die Kirche erstmals urkundlich erwähnt, von deren mittelalterlichem Findlingsbau noch Reste in den Wänden erhalten sind.Hasso von Flemming-Benz: Der Kreis Cammin. Ein pommersches Heimatbuch. Holzner, Würzburg 1970 (mit beigelegter Karte des Kreisgebiets von 1936), S. 246. Die älteste Glocke von 1554 trug die Inschrift: Ipolita Frouchen tho Newgarten. Eustachius Wedige, Pastor tho Cono. Hans Knuth, Hinrich Pawlstorp, Merten Dames. Ao. 1554. Im 17. Jahrhundert wurde die baufällig gewordene Kirche während der Amtszeit des Pastors Samuel Schmaltz, der 1764 sein 50. Amtsjahr vollendete, renoviert und baulich erweitert. Der 1742 wiederhergestellte Holzturm mit seinem achteckigen Spitzhelm blieb bis in die Neuzeit erhalten. 1746 wurden die Kirchenfenster erneuert, 1753 wurde das Kirchenschiff mit Backsteinen erhöht sowie mit neuem Dach, Gestühl und Fußboden versehen und ausgemalt. Schon 1712 war ein neues Küsterhaus erbaut worden, 1715 das Pfarrhaus. Die Pfarrkirche St. Bartholomäus in Kunow stand früher unter dem Patronat des KönigsF. Sendke: Verzeichniss der evangelischen Pfarrstellen, Kirchen und Kapellen, der Kirchenpatrone, sowie der der im Amt befindlichen evangelischen Geistlichen, Druck von F. Hessenland, Settin 1900, S. 112, Ziffer 1 (Google Books). und vor 1945 unter staatlichem Patronat. Von 1288 bis zu dessen Aufhebung hatte das Nonnenkloster Wollin das Patronatsrecht ausgeübt.
Das Kirchengebäude wurde nach 1945 zugunsten der Römisch-katholischen Kirche in Polen zwangsenteignet.
Kirchspiel bis 1945 Die bis 1945 anwesenden Einwohner der Landgemeinde Kunow waren mit seltenen Ausnahmen evangelischer Konfession und gehörten zum Kirchspiel Kunow. Eingepfarrt waren die Ortschaften Gaulitz, Groß und Klein Weckow (Tochtergemeinde mit eigener Filialkirche), Paulsdorf, Sager und Schinchow.Hasso von Flemming-Benz: Der Kreis Cammin. Ein pommersches Heimatbuch. Holzner, Würzburg 1970 (mit beigelegter Karte des Kreisgebiets von 1936), S. 246–247. Der Bestand an Kirchenbüchern reichte bis 1626 zurück.Martin Wehrmann: Die Kirchenbücher in Pommern, in: Baltische Studien, Band 42, Stettin 1892, S. 201–280, insbesondere S. 225 (Google Books).
Pfarrer von der Reformation bis 1945
Das katholische Kirchspiel war in Cammin i. Pom. Das Standesamt befand sich in Groß Weckow.
Trivia Etliche pommersche Sagen, die von Jahn zusammengetragen worden sind, waren in Kunow mitgeteilt worden, so zum Beispiel die Sage vom Ursprung des Hügels Trünkelnberg bei Kunow, der entstanden sei, als einem Riesen, der beabsichtigte, die Dievenow bei Sager mit Erde einzudämmen, die Haltegurte seiner Schürze rissen, in der er die Erde von Kunow aus hatte abtransportieren wollen. Noch heute sei bei Kuno die Grube im Erdreich sichtbar, aus der er die Erde entnahm.Ulrich Jahn: Volkssagen aus Pommern und Rügen, Zweite Auflage, Mayer & Müller, Berlin 1890, S. 168–169, Nr. 215 (Google Books).
Weblinks
(Gunthard Stübs und Pommersche Forschungsgemeinschaft, 2011).
Einzelnachweise
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