Der Bremer Malerinnenverein (B.M.V.) war ein Zusammenschluss von Künstlerinnen in Bremen, der am 28. Januar 1899 gegründet wurde. Ziel des Vereins war es, den künstlerischen Austausch unter Frauen zu fördern und ihnen eine Plattform zu bieten, die ihnen im männlich dominierten Kunstbetrieb weitgehend verwehrt blieb. Der Verein gilt als frühes Beispiel für die Selbstorganisation von Künstlerinnen zur Zeit der Jahrhundertwende.

Historischer Kontext Frauen war der Zugang zu staatlichen Kunstakademien im 19. Jahrhundert weitgehend verwehrt. Sie konnten sich in der Regel nur an privaten Kunstschulen ausbilden lassen, was mit hohen Kosten verbunden war, und waren häufig auf die finanzielle Unterstützung ihrer Familie oder eines Ehemanns angewiesen. In Bremen war das Aktzeichnen bis 1902 für Frauen verboten; auch danach durften sie nur als Hospitantinnen teilnehmen. Viele künstlerische Sujets, insbesondere Historienmalerei und großformatige Werke, blieben ihnen verschlossen, sodass sich zahlreiche Künstlerinnen auf Porträts, Stillleben und Landschaftsdarstellungen spezialisierten.

Zudem schränkten gesellschaftliche Konventionen die Bewegungsfreiheit von Frauen ein. Das Arbeiten in der freien Natur galt als unschicklich, und die zeittypische Kleidung erschwerte die künstlerische Tätigkeit zusätzlich. Viele Künstlerinnen suchten daher Ausbildungsmöglichkeiten an privaten Schulen, etwa in Paris an der Académie Julian oder der Académie Colarossi, oder sie nahmen Privatunterricht in Künstlerkolonien wie Worpswede, Dötlingen oder Hiddensee.

In Bremen bestanden mit der Gewerblichen Zeichenschule (ab 1823) und dem späteren Gewerbemuseum (ab 1880) bereits entsprechende Institutionen, die Frauen jedoch zunächst nicht aufnahmen. Erst mit der Einrichtung der kunstgewerblichen Fachschule eröffnete sich Frauen ein regulärer Zugang zu künstlerischer Ausbildung. Aus dieser Einrichtung ging später die Staatliche Kunstgewerbeschule Bremen hervor.

Gründung Da Frauen der 1856 gegründete Künstlerverein in Bremen bis 1928 verschlossen blieb, gründeten 14 Bremer Künstlerinnen am 28. Januar 1899 auf Anregung von Anna Runge den Bremer Malerinnenverein. Die Gründungsmitglieder waren:

Magda Bruns Malvina Focke Fanny Meyer Marie Philippi Bertha Plump Elisabeth Rapp Clara Reinken Fanny Retemeyer Anna Runge Sophie Schmidt Charlotte Schmidt Amalie Thätjenhorst Dorothea Burmeister Auguste Rodewald

Tätigkeit Ab 1901 organisierte der Verein regelmäßige Atelierbesuche und gemeinsames Zeichnen. 1902 initiierte der Bremer Malerinnenverein einen Aktzeichenkurs für Damen, zunächst provisorisch im Gewerbemuseum, ab 1903 als staatlich erteilten Unterricht. Der Verein verstand es als besonderen Erfolg, dass seine Mitglieder zu den ersten Frauen in Bremen gehörten, die von staatlichem Kunstunterricht profitieren konnten, auch wenn sie nur als Hospitantinnen zugelassen waren.

1908 beteiligte sich der Bremer Malerinnenverein erstmals an einer Ausstellung in der Kunsthalle Bremen. 1910 erreichte der Verein mit 33 Mitgliedern seinen Höchststand und schloss sich dem Frauenstadtbund Bremen an, um in der Bremer Frauenbewegung aktiv mitzuwirken. Malvina Focke, die erste Vorsitzende von 1899 bis 1917, vertrat den Verein als Delegierte. Ab 1914 fanden die Vereinsabende im Bremer Frauenklub von 1908 im Fedelhören statt.

Nachfolgeorganisationen Als Nachfolge- und verwandte Organisationen gelten unter anderem:

Bund Bremischer Künstlerinnen und Kunstfreundinnen: 1928 als Zweigverein der GEDOK, initiiert von Ida Dehmel. Bremer Sezession: 1953 gegründeter Zusammenschluss ehemaliger Mitglieder des Künstlerbundes zur gegenseitigen Förderung in der Kunst. Arbeitsgemeinschaft Kunsthandwerk Bremen: 1959 vom Direktor des Focke-Museums initiiert, seitdem Förderung professionellen Kunsthandwerks von Frauen und Männern.

Literatur Cornelia Matz: Die Organisationsgeschichte der Künstlerinnen in Deutschland von 1867 bis 1933. Dissertation, Universität Tübingen 2001. Cornelia Matz: Bericht über die Tätigkeit des Bremer Malerinnen-Vereins B.M.V. 1899–1927. Aufgeschrieben von Bertha Plump, Bremen, November 1932. Manuskript im Besitz der Kunsthalle Bremen. A. Gudera u. a.: …und sie malten doch – Geschichte der Malerinnen Worpswede, Fischerhude, Bremen. Lilienthal 2007.

Weblinks Bremer Frauengeschichte: Künstlerinnenvereine

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