mini|Wiener Neueste Nachrichten vom 22. Juli 1938 Die Wiener Neueste Nachrichten war eine von 30. Oktober 1925 bis 5. April 1945 erscheinende Zeitung aus Wien.
Geschichte Die 1925 gegründete Zeitung diente zunächst der Großdeutschen Volkspartei (GDVP), die damals gemeinsam mit der CSP die Regierung stellte, als Parteiorgan, mit dem sie sich von der völkischen Blattlinie der Deutschösterreichischen Tages-Zeitung emanzipieren wollte. Über Bundeskanzler Rudolf Ramek konnte sich das Blatt ein Darlehen über 1 Mio. Schilling von der Nationalbank sichern. Weitere finanzielle Unterstützung kam vom deutschen Außenministerium, das sich dadurch publizistische Unterstützung seiner Interessen in Österreich sichern wollte. Die Wiener Neuesten Nachrichten konnten das Darlehen der Nationalbank nicht zurückzahlen, und als 1926 ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss gegen die Nationalbank eingesetzt wurde, fürchtete Bundeskanzler Ramek, dass der dubiose Geldfluss durch die Sozialdemokraten aufgedeckt und die Regierung damit in Schwierigkeiten gebracht werden könnte. Daher wandte er sich an das deutsche Außenministerium um Hilfe, in der Folge übernahm die vom deutschen Auswärtigen Amt kontrollierte Anlage- und Verwaltungsunion Zürich die Mehrheitsanteile an der Wiener Neueste Nachrichten AG und der Österreichischen Druck- und Verlagsgesellschaft,Gerhard Jagschitz: Die Presse in Österreich von 1918 bis 1945. In: Heinz Pürer, Helmut W. Lang, Wolfgang Duchkowitsch (Hg.): Die österreichische Tagespresse. Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft. Eine Dokumentation von Vorträgen des Symposions „200 Jahre Tageszeitung in Österreich“. (= Journalistik. Hefte des „Kuratoriums für Journalistenausbildung“. Heft 5/1983). Kuratorium für Journalistenausbildung, Salzburg 1983, S. 42–82, hier 48–50, 77. also an Eigentümer und Druckerei der Zeitung.
1930/31 hielt ein Vertrauensmann von Bundeskanzler Johann Schober 50 Prozent der Aktien, um damit eine freundliche Berichterstattung gegenüber Schobers Politik zu bewirken. Während das Blatt bei Wahlkämpfen 1927–1932 stets eine Wahlempfehlung für die GDVP ausgesprochen hatte, zeigte sie danach deutliche Sympathien für die österreichische NSDAP.Helene Belndorfer: Zollunion, Bankenkrise, Putschversuch. 1931 oder die Erste Republik zwischen den Schatten des imperialen Oesterreich und Hitler ante portas. Böhlau, Wien 2025, ISBN 978-3-205-22048-0, S. 22f. Im August 1934, während der Zeit des ‚austrofaschistischen Ständestaats‘, wurden wegen der nationalsozialistischen Orientierung der Aufsichtsrat der Wiener Neueste Nachrichten AG von der Regierung abgesetzt und ein kommissarischer Verwalter eingesetzt. Nach dem ‚Anschluss‘ war das Blatt wieder unter der Kontrolle von Richard Turba, der 1934 als Vorstandsmitglied der Wiener Neueste Nachrichten AG abgesetzt worden war.Isabella Matauschek: Nationalsozialistische Kontrolle über die Wiener Zeitungsbetriebe 1938–1945. In: Gabriele Melischek, Josef Seethaler (Hg.): Die Wiener Tageszeitungen. Eine Dokumentation. Band 4: 1938–1945. Peter Lang, Frankfurt am Main 2003, ISBN 3-631-39753-4, S. 85–108, hier S. 89. Im Nationalsozialismus fungierte die Nachtausgabe neben dem morgens erscheinenden Völkischen Beobachter als zweites NSDAP-Parteiblatt.Kurt Paupié: Handbuch der österreichischen Pressegeschichte 1848–1959. Band 1. Wilhelm Braumüller, Wien/Stuttgart 1960, 111f. Es war eine von vier Wiener Tageszeitungen, die fast bis Kriegsende erschienen sind,Gabriele Melischek, Josef Seethaler: Zur Entwicklung der österreichischen Tagespresse 1938–1945. In: Gabriele Melischek, Josef Seethaler (Hg.): Die Wiener Tageszeitungen. Eine Dokumentation. Band 4: 1938–1945. Peter Lang, Frankfurt am Main 2003, ISBN 3-631-39753-4, S. 191–211, hier S. 204f. hatte in den letzten Monaten allerdings nur mehr mit einen Umfang von zwei Seiten.
Zu den Redakteuren der Zeitung zählten u. a. Rudolf Kalmar und Gilbert In der Maur. Die illustrierte Wochenbeilage des Blattes trug den Titel Bühne, Welt und Mode (bis 1932) und W.N.N-Bilder (bis 1938).
Erscheinungsweise Die Zeitung erschien im Format 2° (41 × 26 cm): ab 30. Oktober 1925: siebenmal wöchentlich; ab 19. Februar 1934: 12-mal wöchentlich (Montag mittags, Dienstag bis Samstag, 1. Ausgabe morgens, 2. Ausgabe abends, Sonntag morgens); ab 2. April 1935: Montag mittags, Dienstag bis Sonntag morgens, 2. Ausgabe abends (bis 30. Juli 1938) ab 16. September 1938: nachts (ab 30. Oktober 1944 als Nachtausgabe mit Wehrmachtbericht bezeichnet).
Literatur Helmut W. Lang (Hrsg.): Österreichische Retrospektive Bibliographie (ORBI). Reihe 2: Österreichische Zeitungen 1492–1945. Band 3: Helmut W. Lang, Ladislaus Lang, Wilma Buchinger: Bibliographie der österreichischen Zeitungen 1621–1945. N–Z. Bearbeitet an der Österreichischen Nationalbibliothek. K. G. Saur, München 2003, ISBN 3-598-23385-X, S. 433f.
Einzelnachweise
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