Mehlsdorf war ein im Mittelalter gegründetes Dorf im Fläming, das 1937 zugunsten einer militärischen Nutzung für den Truppenübungsplatz Jüterbog aufgegeben wurde.Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für Brandenburg Teil X Jüterbog-Luckenwalde. Erstauflage erschienen im Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1992, Verlag Klaus-D. Becker, Potsdam, 2011, ISBN 978-3-941919-87-7, S. 351. Die Gemarkung befindet sich im Jahr 2026 im Landkreis Teltow-Fläming in Brandenburg.
Geografische Lage Mehlsdorf lag im Norden der heutigen Gemarkung von Jüterbog und damit auf einer Höhe von rund bis 55 Metern. Die Flächen stehen im Jahr 2026 als Naturschutzgebiet Forst Zinna-Jüterbog-Keilberg unter Naturschutz.NSG Forst-Zinna-Jüterbog-Keilberg, Brandenburgviewer, abgerufen am 9. Februar 2026.
Geschichte 13. bis 15. Jahrhundert Das kleine Sackgassendorf wurde 1285 als Melsdorff erstmals urkundlich erwähnt. Der Name wandelte sich im Laufe der Jahrhunderte zu Melstorf im Jahr 1480 und Mehlsdorf im Jahr 1775. Es gehörte bis 1285 der Familie von Richow und kam danach bis 1553 in den Besitz des Klosters Zinna. Nach der Reformation übernahm das Amt Zinna das Dorf mit allem Recht und hielt es bis 1872. Im Dorf (villa) lebten im Jahr 1413 insgesamt 13 Einwohner, darunter ein Richter und ein Krüger, die im genannten Jahr von brandenburgischen Adeligen beraubt wurden. Dabei wurde eine Person erschlagen, eine andere gefangen genommen. Die Diebe stahlen außerdem 30 Pferde, 30 Rinder und Kühe, 437 Schafe, 26 Ziegen und 27 Kälber. Der Schaden wurde auf 99 Schock böhmische Groschen beziffert. Im Jahr 1480 besaß der Schulze zwei Lehnhufe. Es gab außerdem zwölf Einhufner sowie einen Kossäten, der Abgaben von einer Wiese zahlen musste. Die Einwohner bewirtschafteten in Summe 14 Hufen. Dazu gehörten auch Ackerflächen in Studenitz und das Recht, Holz in einem Waldstück an der Grenze zu Pechüle zu schlagen.Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für Brandenburg Teil X Jüterbog-Luckenwalde. Erstauflage erschienen im Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1992, Verlag Klaus-D. Becker, Potsdam, 2011, ISBN 978-3-941919-87-7, S. 352. Der Propst in Felgentreu bekam von jedem Hufner eine Scheffel Roggen, in Summe 12 Scheffel Roggen.Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für Brandenburg Teil X Jüterbog-Luckenwalde. Erstauflage erschienen im Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1992, Verlag Klaus-D. Becker, Potsdam, 2011, ISBN 978-3-941919-87-7, S. 353. Dies könnte ein Hinweis darauf sein, dass Mehlsdorf ursprünglich eine eigene Kirchengemeinde war; um 1450 war das Dorf nach Felgentreu eingekircht.
16. Jahrhundert Die Bewohner zahlten im Jahr 1534 insgesamt 7 ½ Rheinische Gulden (fl) zum 50. Pfennig an Abgaben. Im Jahr 1562 wurde lediglich von 14 Hauswirten berichtet. Der Pfarrer erhielt sieben Scheffel Roggen, während die Kirche eine Wiese und ein Stück Land besaß. Der Küster erhielt drei Scheffel und ein Viertel Roggen und 14 Brote von den Bauern sowie zwei Eier von jedem Hufner. Der Schulze besaß im Jahr 1568 zwei Lehnhufen und Acker zu Studenitz. Von den zwölf Hufnern war einer als Holzknecht tätig; jeder nutzte außerdem eine wüste Hufe in Studenitz. Die Abgaben im Jahr 1586 beliefen sich auf 5 Taler 5 Groschen (gr) 4 Pfennig (d) zum 70. Pfennig.
17. Jahrhundert Im Dorf lebten im Jahr 1609 der Schulze, 13 Hufner und ein Kossäte. Es brannte im Dreißigjährigen Krieg bis auf drei Häuser ab und fiel wüst. Der Schulze flüchtete nach Felgentreu. Zuvor lebten im Dorf 14 besessene Mann: der Lehnmann, zwölf Hufner und ein Kossäte. Sie nutzten 42 Hufen, davon 28 Hufen in Studenitz, die als wenig ertragreich dokumentiert waren. Der Pfarrer erhielt im Jahr 1642 insgesamt 14 Scheffel Roggen, der Küster 3 ½ Scheffel, 14 Brote und 56 Eier. Aus dem Jahr 1684 wurde von 14 Gütern berichtet: dem Lehnschulzengut, zwölf Hufnerhöfen (davon acht gangbar) und ein Kossätenhof. Eine detaillierte Statistik aus dem Jahr 1686 berichtet von neun Bauern und einem Kossäten. Der Schulze bewirtschaftete zwei Hufe mit 23 Scheffel Aussaat und drei Fuder Heu. Er besaß eine Wohnung mit Garten, betrieb Hütung und Viehzucht. Außerdem hatte er das Recht, Holz zu schlagen. Von den acht Hufnern hatte jeder eine Hufe mit einer Aussaat von elf Scheffel und drei Fuder Heu. Der Krüger zahlte Abgaben vom Kruge oder der Schenke. Der Kossät kam auf ½ Scheffel Aussaat und zwei Fuder Heu.
18. Jahrhundert Im Jahr 1727 lebten im Dorf der Lehnschulze, zwölf Hufner und ein Kossät. Sie brachten im Folgejahr auf 14 Hufen insgesamt 8 Wispel 9 Scheffel 12 Metzen Aussaat aus. Der Kossät kam auf 3 Scheffel 8 Metzen. Im Dorf lebten im Jahr 1738 ein Vierhufner (der Lehnschulze), zwölf Dreihufner (darunter der Krüger) und ein Kossät. Im Jahr 1745 waren es 13 Hufner, ein Kossät und ein Büdner. Eine Statistik aus dem Jahr 1749 führte auf: einen Vollspänner, zwölf Halbspänner, drei Kossäten, ein Häusler und 14 Hufen. In den Jahren 1749/1755 wurde berichtet: 13 Hufner oder Halbspänner (ein Vierhufner, zwölf Dreihufner) sowie ein Kossät und sechs Büdner (darunter zwei Soldaten). Im Jahr 1791 lebten im Dorf 13 Bauern, ein Kossät, sechs Büdner, vier Hausleute oder Büdner, die in Summe 24 Feuerstellen (=Haushaltungen) betrieben.
19. Jahrhundert Zur Jahrhundertwende lebten im Dorf im Jahr 1801 der Lehnschulze, zwölf Ganzbauern, ein Ganzkossät und sechs Büdner. Es gab einen Krug; die Bewohner schlugen 350 Morgen (Mg) Holz und betrieben 25 Feuerstellen. Im Jahr 1812 brachten sie auf 219 Mg 70 Quadratruten insgesamt 10 Wispel 6 Scheffel 13 Metzen Aussaat aus. Im Folgejahr wurde das Lehn- und Gerichtsschulzengut erwähnt. Es gab außerdem nach wie vor zwölf Bauern, einen Kossäten und mittlerweile acht Büdner. Sie nutzten gemeinschaftlich ein Schulhaus, eine Schmiede und zwei Hirtenhäuser. Ein Gast- und Schankwirt erschien 1818, ein Hausschlächter 1836. Im Jahr 1837 gab es im Dorf einen Krug und 23 Wohnhäuser sowie sechs männliche und zwei weibliche Dienstboten. Mehlsdorf bestand im Jahr 1841 mit dem Wohnplatz Mehlsdorfer Garten. Das Dorf umfasste 1858 vier öffentliche, 26 Wohn- und 66 Wirtschaftsgebäude. Die Gemarkung war 1572 Mg groß: 40 Mg Gehöfte, 11 Mg Gartenland, 550 Mg Acker, 84 Mg Wiese, 100 Mg Weide, 787 Mg Wald. Im Jahr 1896 musste das Dorf 504,9 Hektar (ha) an den Gutsbezirk Jüterbog Schießplatz abtreten.
20. Jahrhundert Mehlsdorf war im Jahr 1900 noch 803 ha groß und bestand aus 28 Häusern. Es gab einen Altsitzer, einen Büdner, einen Büdner und Gastwirt, einen Hufner und Gemeindevorsteher, einen Kossäten, einen Lehnschulzen, einen Lehrer und einen Stammgutsbesitzer. Das Dorf wurde 1931 Landgemeinde mit 27 Wohnhäusern und 33 Haushaltungen auf einer Fläche von nur noch 226,5 ha. In der Zeit des Nationalsozialismus erfolgte im Jahr 1937 die Räumung und der Abriss. Die verbliebenen Flächen wurden ebenfalls den Gutsbezirk Schießplatz Jüterbog eingegliedert. Damit einher ging die Umsiedlung der Bevölkerung sowie der vollständige Verlust der historischen Bausubstanz.
Bevölkerungsentwicklung Einwohnerentwicklung in Mehlsdorf von 1772 bis 1925 Jahr 1772 1791 1801 1817 1837 1858 1871 1885 1895 1905 1925 Einwohner 126 132 155 141 141 161 157 166 153 144 129
Literatur Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für Brandenburg Teil X Jüterbog-Luckenwalde. Erstauflage erschienen im Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1992, Verlag Klaus-D. Becker, Potsdam, 2011, ISBN 978-3-941919-87-7, S. 351 bis 353.
Einzelnachweise
Kategorie:Wüstung im Landkreis Teltow-Fläming Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Teltow-Fläming) Kategorie:Ersterwähnung 1285 Kategorie:Gemeindeauflösung 1937 Kategorie:Geographie (Jüterbog)